Motocross-GP bei Frauenfeld ist endgültig passé +++ Veranstalter legt keinen Rekurs ein, sucht aber nach weiteren Standorten

Nach der Ablehnung des Baugesuchs für elf Sprünge ausserhalb der Bauzone hat sich das OK des Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland zu einer Aussprache getroffen. Einen Rekurs gegen den Behördenentscheid schliesst es ebenso aus wie zukünftige Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» bei Frauenfeld. Weitermachen wollen die OK-Mitglieder trotzdem.

Samuel Koch
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Dieses Bild wird es so in Niederwil nie mehr geben: Lokalmatador Jeremy Seewer beim MXGP-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» angefeuert von tausenden Motocross-Fans. (Bild: Donato Caspari, Niederwil, 19. August 2018)

Dieses Bild wird es so in Niederwil nie mehr geben: Lokalmatador Jeremy Seewer beim MXGP-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» angefeuert von tausenden Motocross-Fans. (Bild: Donato Caspari, Niederwil, 19. August 2018)

Die Beerdigung ist unausweichlich. An ihrer Sitzung vom Freitagabend haben die OK-Mitglieder den Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland in Niederwil endgültig zu Grabe getragen. Der MXGP war der grösste Motorsportanlass der Schweiz. «Wir werden keinen Rekurs einlegen und akzeptieren den Entscheid der Behörden», sagt OK-Präsident Willy Läderach. Der Absicht, ein Jahr auszusetzen und WM-Rennen in Niederwil ab 2020 anzustreben, schiebt Läderach einen Riegel. «Die Entscheidung ist gefallen.»

Die Gemeinde Gachnang lehnte auf Empfehlung der kantonalen Ämter ein ordentliches Baugesuch für elf Sprünge ausserhalb der Bauzone ab. Knapp 20 Einsprecher, darunter mehrere Umweltverbände sowie Anwohner, wehrten sich gegen den Bau von temporären Anlagen auf dem Landwirtschaftsland in Niederwil.

Schmollen will das MXGP-OK um Willy Läderach trotz dem definitiven Schlussstrich nicht. «Die politische Situation ist, wie sie ist», sagt er. Man müsse akzeptieren, dass Motocross-WM-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» vor jeweils bis zu 30'000 Zuschauern definitiv gestorben seien. Die Sache sei abgehakt, sonst würden die Streitereien mit den Gegnern immer weitergehen.

Überlegungen über Wegzug aus dem Thurgau

Willy Läderach, MXGP-OK-Präsident. (Bild: Donato Caspari)

Willy Läderach, MXGP-OK-Präsident. (Bild: Donato Caspari)

Die Stimmung beim OK sei am Freitagabend trotz negativem Entscheid seitens der Behörden «erstaunlich gut gewesen». Unabhängig des Entscheids, den MXGP in Niederwil zu beerdigen, habe sich das OK einstimmig dafür ausgesprochen, weiter für Motocross-WM-Rennen in der Schweiz zu kämpfen. «Wir stehen wieder bei Null, wie damals vor fünf Jahren», sagt Läderach.

Nächstes Wochenende geht in Andorra der Kongress des Weltmotorradverbands FIM und des Vermarkters Youthstream über die Bühne, um den Rennkalender 2019 zu fixieren. Willy Läderach sagt:

«Wir werden der FIM und Youthstream nächste Woche mitteilen, dass die Behörden keinen MXGP in Niederwil mehr wollen»

Dann würde man sehen, ob die Schweiz auch ohne die Anlage «Schweizer Zucker» weiterhin als Wunschkandidat bestehen bleibe oder nicht. Sollten die Gespräche positiv verlaufen, seien auch andere Standorte vorstellbar. «Wir haben schon Rückmeldungen erhalten von Unternehmen, die sehr interessiert sind», meint Läderach.

Die Frage, ob diese im Thurgau liegen, negiert er. Ein Interessent komme aus der Zentral-, ein anderer aus der Westschweiz. Im Detail müsse man die Anlagen bei positivem Signal aus Andorra dann aber noch anschauen. «Sicher liegen diese aber nicht in der Landwirtschaftszone», sagt er.

Ostermotocross im Schollenholz bleibt bestehen

Finanziell fallen die drei bisherigen Schweizer MXGP-Austragungen als «Minusgeschäft ins Gewicht». Wegen der hohen Kosten resultierten bei einem jährlichen Budget von rund 1,6 Millionen Franken Jahr für Jahr rote Zahlen. Ausstände bei Lieferantenrechnungen gebe es keine, betont Läderach: «Die Bilanz ist ausgeglichen, wir haben alles bezahlt, bei der AG ist finanziell alles gut.»

Ursprünglich verfolgte das OK das Ziel, mit drei weiteren Rennwochenenden die bisherigen Defizite wettzumachen. «Das schaffen wir, wenn wir in Zukunft weitere Motocross-Anlässe organisieren», meint Läderach. Dafür müssten die zehn Aktionäre dann aber weiteres Geld einschiessen. Krach wegen der Finanzen habe es innerhalb des OK nie gegeben.

Auf die Ostermotocross-Rennen im Frauenfelder Schollenholz, die seit über 50 Jahren stattfinden, hat die jetzige Beerdigung der WM-Rennen in Niederwil keinen Einfluss. «Diese Rennen sind weiterhin im Plan», sagt Läderach, Vorstandsmitglied des organisierenden Motor- und Radsportverein Frauenfeld (MRSV). Eine Bewilligung der Frauenfelder Behörden für das Ostermotocross liegt noch bis 2021 vor. «Wir werden ab 2020 zusammensitzen und eine Verlängerung beantragen», meint Läderach.