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Motocross-GP bei Frauenfeld steht vor dem Aus +++ «Die Behörden beweisen weder Mut noch Rückgrat.»

Der Gachnanger Gemeinderat lehnt das Baugesuch für elf Sprünge des Motocross-GP-Veranstalters auf Empfehlung der Kantonsbehörden ab. Während sich die Gegner bestätigt fühlen, zeigen sich die Organisatoren enttäuscht. Die Ablehnung des Gesuchs dürfte einem Ende für zukünftige Motocross-WM-Rennen in Niederwil gleichkommen, denn über den definitiven WM-Kalender 2019 wird am 2. Dezember entschieden.
Samuel Koch
Zwei Fahrer haben nach einem Sturz beim Rennen der MX2-Kategorie auf der Anlage «Schweizer Zucker» in Niederwil Mühe, ihre Töffs wieder aufzustellen. (Bild: Donato Caspari (19. August 2018))

Zwei Fahrer haben nach einem Sturz beim Rennen der MX2-Kategorie auf der Anlage «Schweizer Zucker» in Niederwil Mühe, ihre Töffs wieder aufzustellen. (Bild: Donato Caspari (19. August 2018))

  • Gemeinde Gachnang lehnt Baugesuch auf Empfehlung der kantonalen Behörden ab
  • Umweltverbände und private Einsprecher fühlen sich bestätigt
  • Umweltverträglichkeitspflicht und fehlende Zonenkonformität
  • Zukünftige MXGP-Rennen in Niederwil stehen vor dem Aus
  • Weltmotorradverband FIM und Vermarkter Youthstream entscheiden am 2. Dezember über den definitiven WM-Kalender 2019
  • Rekursfrist von 20 Tagen läuft

Der Entscheid schlägt ein, wie eine Bombe, und wirft hohe Wellen. Die Gemeinde Gachnang hat das Gesuch der MXGP Suisse AG als Veranstalter des Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland für den Bau von elf Sprüngen ausserhalb der Bauzone in Niederwil abgelehnt. Den Entschluss des Gemeinderates vom Dienstagabend, der mit verschiedenen Stellungnahmen der kantonalen Behörden gestützt ist, teilte die Gemeinde am Mittwoch allen Beteiligten schriftlich über den Postweg mit. 20 Einsprachen, unter anderem von den Umweltverbänden VCS Sektion Thurgau und Pro Natura Thurgau, gingen bis Anfang Oktober ein, die sich gegen das Baugesuch für die Motocross-Anlage «Schweizer Zucker» aussprachen.

Selbsterklärend fühlen sich die Umweltverbände nun durch die Ablehnung des Gesuchs bestätigt, wie VCS-Präsident Peter Wildberger sagt: «Die kantonalen Behörden haben klar Stellung bezogen, dass sie temporäre Bauten für einen solchen Grossanlass ausserhalb der Bauzone nicht dulden.» Es ist für Wildberger «sonnenklar und nicht verwunderlich», dass das Gesuch nach 2016 erneut abgelehnt wurde.

Ausserhalb der Bauzone hat der Kanton das Sagen

Der Entscheid, den die Gemeinde Gachnang zwar gefällt hat, jedoch auf Empfehlung der Kantonsbehörden bekannt gegeben hat, enthält Stellungnahmen von mehreren Stellen, etwa vom Landwirtschaftsamt oder dem Amt für Umwelt. Unterzeichnet ist das vierseitige Papier von Andrea Näf-Clasen, Leiterin Amt für Raumentwicklung.

«Wir sind uns über das Interesse am Motocross-Sport im Thurgau völlig im Klaren und haben das Gesuch gewissenhaft geprüft»

sagt die Kantonsplanerin. Für die Entscheidungsfindung sei das jedoch irrelevant, vielmehr zählten die massgeblichen, öffentlich-rechtlichen Vorschriften, die sich an das Raumplanungsgesetz vom Bund anlehnten. Gründe für den negativen Entscheid gibt es mehrere, wie Näf-Clasen ausführt: «Erstens sind die auf drei Jahre befristeten Bauten und Anlagen für einen Motocross-Grand-Prix in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform.» Zweitens sei das Projekt nicht zwingend auf einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen. Und drittens wurden die Auswirkungen für Raum und Umwelt als erheblich eingestuft, womit auch keine Ausnahmebewilligung erteilt werden kann.

Zudem hat die kantonale Prüfung ergeben, dass das Vorhaben umweltverträglichkeitsprüfungspflichtig ist. Als möglichen Lösungsansatz bringt sie eine mögliche Umzonung ins Spiel. Nur: Gachnangs Gemeindepräsident Matthias Müller hat sich längst gegen eine solche ausgesprochen.

Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin Departement für Bau und Umwelt. (Bild: Donato Caspari)

Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin Departement für Bau und Umwelt. (Bild: Donato Caspari)

Für die polizeilichen Ausnahmebewilligungen für die drei bisherigen WM-Rennen in Niederwil zeichnete jeweils das Departement für Justiz und Sicherheit und dessen Regierungsrätin Cornelia Komposch verantwortlich. Weil das Thema MXGP derweil zu einem politischen Monster mutierte, entschied zuletzt der Regierungsrat in globo. Zur jetzigen Ablehnung des Baugesuchs äussert sich Regierungsrätin Carmen Haag nicht. Nur so viel:

«Da dieser Entscheid kein Geschäft des Departementes ist, und ich im Falle eines Weiterzuges Rekursinstanz bin, kann ich dazu leider keine Stellung nehmen.»

Der MXGP-Veranstalter fühlt sich derweil vor den Kopf gestossen, denn die Ablehnung seines Baugesuchs dürfte dem Todesstoss für zukünftige WM-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» und damit den grössten Schweizer Motorsportanlass mit jährlich bis zu 30'000 Zuschauern gleichkommen.

Vermeintlicher Todesstoss für Motocross-GP

Willy Läderach, OK-Präsident MXGP. (Bild: Donato Caspari)

Willy Läderach, OK-Präsident MXGP. (Bild: Donato Caspari)

Das ordentliche Baugesuch für eine Bewilligung für die elf Sprünge reichte der Veranstalter ein, um in Zukunft finanzielle Schieflagen zu verhindern. Denn der jährliche Auf- und Rückbau kostete den Veranstalter rund 250'000 Franken, was jeweils ein Loch in der Kasse hinterliess. Noch im August lautete der Tenor von OK-Präsident Willy Läderach: «Wenn wir bis am 2. Dezember keine Lösung haben, kann man sagen: Das war’s!» Denn der Weltmotorradverband FIM sowie der Vermarkter Youthstream entscheiden dann an einem Kongress in Andorra über den definitiven WM-Kalender 2019. Weil die Schweiz ein Wunschkandidat ist, räumte ihm die FIM für eine bewilligungstechnische Lösungsfindung mit den Behörden exklusiv eine zusätzliche Gnadenfrist ein. Vom jetzigen Entscheid zeigt sich Willy Läderach «masslos enttäuscht».

«Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass die Behörden und der Regierungsrat kein Rückgrat und keinen Mut beweisen und wegen weniger Gegner in die Knie gehen»

moniert er. Der Kanton schiesse sich mit diesem Entscheid selber ins Bein, «denn mit Sorgen werden die Auswirkungen auf alle Anlässe im Thurgau mit temporären Bauten ausserhalb der Bauzone haben». Das MXGP-OK habe seitens der Regierung bisher immer positive Rückmeldungen erhalten. «Es ist schwer verständlich und fast nicht akzeptierbar, dass dieser erfolgreiche Anlass mit grösstmöglicher Fläche auf Industrieland jetzt abgewürgt wird», sagt Willy Läderach.

Ob das MXGP-OK den Entscheid in der 20-tägigen Rekursfrist beim Departement für Bau und Umwelt anfechtet, steht noch nicht fest. «Wir werden die weiteren Schritte in einer ausserordentlichen OK-Sitzung besprechen», sagt Läderach. Fakt bleibt, dass unter den Rechnungen der WM-Rennen der vergangenen drei Jahre mit einem Budget von jährlich 1,6 Millionen Franken rote Zahlen zu Buche stehen. Läderach schiebt einer schiefen Finanzlage aber einen Riegel und gibt sich kämpferisch: «Wir haben keine offenen Rechnungen bei Lieferanten, und wenn es 2019 keine Rennen gibt, wollen wir den MXGP ab 2020 weiterführen.»

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