Musik
Traurig, träumerisch und tiefsinnig: Carl Wolf dankte dem Kloster Fischingen mit einem Konzert

Am Samstag, 22. Januar, gastierte der deutsche Pianist Carl Wolf im Kloster Fischingen. Er spielte Stücke von Frédéric Chopin, Felix Mendelsohn-Bartholdy und Franz Schubert.

Christof Lampart
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Pianist Carl Wolf trat im Kloster Fischingen auf.

Pianist Carl Wolf trat im Kloster Fischingen auf.

Bild: Christof Lampart

Pianist Carl Wolf trat am Samstag, 22. Januar, in der fast ausverkauften Bibliothek des Klosters Fischingen auf. Das ist aus zweierlei Gründen erwähnenswert. Zum einen, weil die Kultur in den letzten zwei Jahren einen schweren Stand hatte. Zum anderen, weil der Pianist auf eine Gage verzichtete. Das Konzert war ein Dankeschön des deutschen Künstlers an das Kloster Fischingen, wo der 45-Jährige noch vor der Pandemie eine CD einspielen durfte.

Musik offenbarte sämtliche Gefühle

Carl Wolf während seines Auftritts.

Carl Wolf während seines Auftritts.

Bild: Christof Lampart

Wolf beschränkte sich bei seinem Konzert ganz auf Werke von Komponisten, für die das Klavier eines der zentralen Instrumente war. Er begann mit Frédéric Chopins Stück Nocturnes op. 27. Sein Spiel zeichnete in den Köpfen der Zuhörerinnen und Zuhörer eine musikalische Erzählung. Dabei offenbarten sich in binnen einer knappen Viertelstunde in musikalischer Form alle nur denkbaren menschlichen Gefühle: Tiefer Schmerz, verzehrende Leidenschaft und ganz zarte, fast nur hingehauchte Träume. Sie erhielten bei Wolfs Spiel die Aufgabe, die Anwesenden im Hörsaal in seinen Bann zu ziehen. Das neben dem dichten Nebeneinander von klagendem Moll und hellem Dur.

Von Felix Mendelsohn-Bartholdy trug Wolf das Stück Präludium und Fuge in e-Moll, op 35 Nr. 1 vor und schaffte es – scheinbar spielerisch leicht – den barocken Geist des Stückes und die zugleich unverkennbar romantische Ausschmückung so spannungsvoll vorzutragen, dass der Zuhörer sich am Ende wünschte, das Stück hätte noch länger gedauert.

Abwechslungsreiches erstes Halbjahr

Das Kloster Fischingen bietet ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. Liebhaber klassischer Musik kommen auf ihre Kosten. Am 20. Februar tritt der Tenebrae-Chor in der Klosterkirche mit Chorperlen aus der russisch-orthodoxen Liturgie auf. Am 18. März gastiert das Belenus Quartett mit Werken von Beethoven und Mendelsohn in der Bibliothek. Am Ostersonntag, dem 17. April, spielt das Thurgauer Kammerorchester Werke von Mozart, Haydn und Borodin. Am 12. Mai wartet das Stradivari Quartett mit einem Konzert, gewidmet an Johannes Brahms auf. Am 19. Juni zeigt das Duo Wooden Waves mit der interessanten Kombination von Harfe und Marimba ein eher seltenes Musikerlebnis. Dies markiert den Abschluss des ersten Halbjahres des Kulturprogramms 2022. 

Mehr Infos: www.klosterfischingen.ch

Der Höhepunkt zum Schluss des Konzertes

Den Höhepunkt des Abends bildete das dritte und letzte Stück, nämlich Franz Schuberts grosse, vorletzte Klaviersonate in A-Dur. Wolf sagte zu jedem Werk ein paar erläuternde Worte. Diese Nummer kündigte er an als:

«Werk eines dem Tode Geweihten»

Tatsächlich ist das Stück zwei Monate vor Schuberts Tod im Jahr 1828 entstanden. So, wie Wolf den langsamen Satz spielte, in dem die Musik an ihre Grenzen stösst und über sie hinaus verweist, erschauderte der Zuhörer innerlich wahrhaftig. Da war es nur gut, dass Schubert das Werk nicht so enden liess. Er bot Wolf, sowie auch allen anderen Pianistinnen und Pianisten, die Möglichkeit, für einem heiteren Schluss versöhnliche Klänge anzustimmen. Nach dem Ende des eigentlichen Konzerts, gab es noch zwei Zugaben – darunter eine jazzige Version von Mozarts «Rondo alla Turca».

Mehr Informationen zu Carl Wolf: www.carlwolf.de

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