Thurgauer Museen stecken Köpfe zusammen

Die kantonalen Museen rücken mit einer gemeinsamen Ausstellung Thurgauer Persönlichkeiten ins Zentrum.

Silvan Meile
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Dominik Gügel (Napoleonmuseum), Urs Leuzinger (Museum für Archäologie), Martha Monstein, Leiterin des Thurgauer Kulturamtes, Hannes Geisser (Naturmuseum), Gabriela Keck (Historisches Museum) und Markus Landert (Kunstmuseum und Ittinger Museum).

Dominik Gügel (Napoleonmuseum), Urs Leuzinger (Museum für Archäologie), Martha Monstein, Leiterin des Thurgauer Kulturamtes, Hannes Geisser (Naturmuseum), Gabriela Keck (Historisches Museum) und Markus Landert (Kunstmuseum und Ittinger Museum).

Bild: Reto Martin

Peter Spuhler, Mona Vetsch, Reto Scherrer und Napoleon haben etwas gemeinsam: Sie werden in einer Umfrage der Thurgauer Museen als «Thurgauer Köpfe» bezeichnet. Persönlichkeiten also, die von der aktuellen Öffentlichkeit wahrgenommen werden oder einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen haben, dass sie sich ins kollektive Gedächtnis einbrannten.

Das Historische Museum Thurgau wagt sich nun an die Frage, weshalb einzelne Persönlichkeiten aus der Thurgauer Bevölkerung herausstechen. «Jede Epoche hat ihre eigenen Mechanismen dafür», verrät Gabriela Keck, Direktorin des Historischen Museums im Schloss Frauenfeld. Die Ausstellung über Thurgauer Prominente und was es braucht, einen «Thurgauer Kopf» zu werden, startet Ende April und ist Teil des ersten gemeinsamen Projekts der sechs kantonalen Museen im Thurgau.

Museen stehen «im Kampf um Aufmerksamkeit»

Die gemeinsame Sache von Kunstmuseum, Ittinger Museum, Historisches Museum, Naturmuseum, Museum für Archäologie und Napoleonmuseum Arenenberg hat seinen Ursprung in der kantonalen Museumsstrategie. Dort ist seit vergangenem Frühling festgehalten, dass die Museen vermehrt gemeinsam auftreten und inhaltliche sowie organisatorische Synergien nutzen sollen.

Die «Thurgauer Köpfe» sind ein Versuch, mit dem sich die Museen gegenseitig etwas Schwung verleihen wollen. Sie seien dem «Kampf um Aufmerksamkeit auf dem Freizeitmarkt» ausgesetzt, wie es Martha Monstein, Leiterin des Thurgauer Kulturamts formuliert. Dabei würden eben die Erwartungen des Publikums an die Museen laufend steigen. Auch um dem entgegenzuwirken, soll nun der Grundstein für gemeinsame Auftritte gelegt werden.

Was macht den Thurgau aus?

Die sechs Museen setzen das Thema «Thurgauer Köpfe» individuell um. Die meisten fokussieren mit ihrem Wissen und ihrer Sammlung auf Persönlichkeiten, die den Kanton prägten. Das Kunstmuseum nutzt beispielsweise die Gelegenheit, um Thurgauer Künstlerinnen ab dem 19. Jahrhundert ins Zentrum zu rücken. Es zeichnet ihren Weg bis ins 20. Jahrhundert nach, als sie den Aufstieg zu einem gleichberechtigten Ansehen wie ihre männliche Kollegen errangen und sich ihre Position im kulturellen Leben erkämpften.

Das Ittinger Museum beleuchtet Victor Fehr (1846-1938). Er kaufte mit 21 Jahren die Kartause und wohnte sieben Jahrzehnte lang im ehemaligen Kloster. Das Naturmuseum weitet die «Köpfe» auf Tiere und Pflanzen aus und verspricht «eine originelle, bisher nie gesehene Sicht auf den Kanton». Es erzähle darüber, was den Thurgau ausmache.

Die Archäologen stellen Karl Keller-Tarnuzzer (1891-1973) genauer vor, der wichtige Fundstellen wie Pfyn, Arbon oder die Insel Werd unter anderem mit Arbeitslosen und polnischen Internierten erforschte. Das Napoleonmuseum geht seine Ausstellung gewohnt adlig an. Es öffnet die Schatztruhe von Kaiserin Eugénie, die 1906 das Schloss Arenenberg dem Kanton schenkte.

Das erste gemeinsame Projekt der Museum wolle ein vergnügliches Nachdenken darüber provozieren, «was denn der Thurgau war, ist und oder allenfalls sein könnte», heisst es in der Ankündigung.