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Münsterlinger Ärztin weiss: Eine genaue Übersetzung macht Patienten zufrieden

Birgit Traichel, Leitende Ärztin am Kantonsspital, lernte im Südsudan, dass man Eltern todkranker Kindern Hoffnung lassen muss.
Isabelle Schwander
Birgit Traichel, Leitende Ärztin Palliative Care. (Bild: Isabelle Schwander)

Birgit Traichel, Leitende Ärztin Palliative Care. (Bild: Isabelle Schwander)

Ein sudanesischer Dolmetscher erteilte der Münsterlinger Ärztin Birgit Traichel einst eine Lektion in interkultureller Kommunikation. Die Leitende Ärztin der Palliative-Care-Station am Kantonsspital war 2006 für «Ärzte ohne Grenzen» nach Ende des zweiten Bürgerkrieges in den Südsudan gegangen.

Ein Kleinkind, das vermutlich von einer Hyäne oder einem Schakal gebissen worden war, zeigte Symptome von Tollwut. «Als ich den Übersetzer bat, den Eltern zu erklären, dass ihr Kind sterben werde, dass es keine Heilung gebe, sagte er, dass er sich weigere, dieses zu übersetzen. Es werde als Respektlosigkeit empfunden, den Eltern jegliche Hoffnung zu nehmen.»

Die Bedürfnisse sind immer die gleichen

Traichel referierte am Dienstag in Weinfelden an der Mitgliederversammlung der Thurgauer Krebsliga über kulturelle Unterschiede der Kommunikationsstile und Codes. Sie betonte, dass man das Thema der Kommunikation zwischen den Kulturen nicht zu sehr problematisieren sollte: «Wir haben, wenn es um die Essenz geht, was uns wichtig ist, alle die gleichen Bedürfnisse, unabhängig von Herkunft und Kultur.

Jeder Mensch möchte Zuwendung, Respekt, ein Gefühl von Sicherheit und die Zugehörigkeit zu einer Familie, Freunde und Gemeinschaft.» Darüber hinaus habe die Globalisierung zu einer Angleichung der Kulturen geführt.

Dolmetscher haben therapeutischen Einfluss

Bei ihrer heutigen Arbeit am onkologischen Ambulatorium am Kantonsspital Münsterlingen werden auch Übersetzer beigezogen. Diese seien im Idealfall Sprach- und Kulturvermittler. Deren Anwesenheit habe einen therapeutischen Einfluss. Es könne ein komplexes Geflecht von Solidarisierung, Abgrenzung, Bündnis und Scham entstehen, bei dem es gelte, die Übersicht zu wahren.

Und manchmal gelte es abzuwägen, ob es einen Übersetzer brauche, der vollständig informiere. «Eine amerikanische Studie belegt, dass professioneller Übersetzung mit korrekter Wiedergabe die grösste Bedeutung zukommt. Sie fördert zum Beispiel die Behandlungszufriedenheit. Interkulturell ist der Humor, ein Lachen, die wichtigste Verbindung unterschiedlicher Menschen.»

Zunehmende Anfragen beim Sozialdienst

Die Anfragen beim Sozialdienst der Thurgauer Krebsliga nehmen an Komplexität zu, sagte Präsident Christian Taverna an der Mitgliederversammlung. Es sei spürbar, wie schwierig es für schwerkranke Menschen sei, sich mit Leistungsanträgen an Sozialversicherungen auseinanderzusetzen. Die Pflegefachleute der Krebsliga betreuten letztes Jahr 2212 Patienten. Die Finanzierung der Geschäftstätigkeit erfolgt zu einem massgeblichen Teil über Spenden, Legate und Erbschaften.

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