Münchwilen

Eine Gruppe von Petitionären wehrt sich gegen den Abriss der 80-jährigen Mehrzweckhalle Oberhofen

Die geschützte Mehrzweckhalle soll in Münchwilen einem Neubau weichen. Dagegen regt sich Widerstand.

Olaf Kühne
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1940 eingeweiht, steht die Mehrzweckhalle Oberhofen heute unter Denkmalschutz. Um einen Neubau zu ermöglichen, will der Gemeinderat den Bau aus dem Schutzplan entfernen.

1940 eingeweiht, steht die Mehrzweckhalle Oberhofen heute unter Denkmalschutz. Um einen Neubau zu ermöglichen, will der Gemeinderat den Bau aus dem Schutzplan entfernen.

Bild: Donato Caspari

Das Anliegen schien breit abgestützt: Vor bald zwei Jahren unterzeichneten 34 von 40 angefragten Münchwiler Vereinen einen Antrag zuhanden Gemeinderat und Schulbehörde. Ihr Wunsch: eine neue Mehrzweckhalle auf dem Schulareal Oberhofen.

Aus diesem Wunsch ist in der Zwischenzeit aus einem 270'000 Franken teuren Projektwettbewerb ein Neubau mit Doppelturnhalle, Bühne, Mehrzweckräumen sowie einem zusätzlichen Gebäude mit «kulturellem Sozialraum» hervorgegangen. Diesem Siegerprojekt mit dem sinnigen Namen «Chäferfäscht» soll die bisherige Turnhalle Oberhofen zum Opfer fallen. Die Krux ist: Der 80-jährige Bau steht längst unter Schutz.

Die Schulgemeinde als Eigentümerin muss also beim Gemeinderat eine Entfernung des Baus aus dem Schutzplan beantragen. Weil aber nebst den Vereinen auch Schulpräsident und Gemeindepräsidentin offensichtlich hinter dem Vorhaben stehen, dürfte dies eine Formsache sein.

Bereits über 100 Unterschriften gesammelt

So breit das Anliegen auch abgestützt sein mag, auf einhellige Begeisterung stösst es im Hinterthurgauer Bezirkshauptort bei weitem nicht. Angestossen von der Münchwilerin Marianne Meienberger hat sich eine Gruppe von Petitionären formiert. Ihre Petition trägt bereits weit über 100 Unterschriften. «Wir wollen nicht, dass die alterehrwürdige Turnhalle Oberhofen für das Projekt Chäferfäscht aus dem Schutzplan des Kantons genommen wird!», steht auf den Unterschriftenbogen.

Die Petitionäre Esther Lauener, Marianne Meienberger und Peter Steudler wollen die geschützte Halle erhalten.

Die Petitionäre Esther Lauener, Marianne Meienberger und Peter Steudler wollen die geschützte Halle erhalten.

Bild: Olaf Kühne

Schon als Kind in der Halle geturnt

Im Gespräch mit unserer Zeitung begründen nebst Marianne Meienberger auch Esther Lauener und Peter Steudler ihr Engagement. Letzterer ist ein Ur-Münchwiler, hat schon als Kind im heute denkmalgeschützten Bau geturnt und sagt:

«Die Halle war 1940 genial und sie ist es heute noch. Natürlich ist sie sanierungsbedürftig, aber sie ist gut unterhalten und ganz bestimmt nicht verlottert.»

Liegt Peter Steudler also vor allem das bereits historische Gebäude im Münchwiler Dorfzentrum am Herzen, richtet sich Marianne Meienbergers Einsatz fast noch mehr gegen den geplanten Neubau. Sie sagt:

«Natürlich sind die Vereine wichtig. Aber auch sie stehen in der Verantwortung und müssen ihre Anspruchshaltung überdenken.»

Esther Lauener doppelt nach: «Die Schulgemeinde baut bereits ein neues Schulhaus, die Politische Gemeinde will für über zwei Millionen das Gemeindehaus sanieren – da ist die sich abzeichnende Krise schlicht der falsche Zeitpunkt für ein derartiges Wunschprojekt.» Die Vereine hätten einfach auf die Maximallösung gepokert, ergänzt Meienberger. «Der Neubau wäre grösser als der Stadtsaal Wil», sagt sie. «Brauchen wir das wirklich in Münchwilen?»

Petitionäre hoffen auf Heimatschutz

Auch wenn in Coronazeiten das Unterschriftensammeln kein leichtes Unterfangen sei, wollen die Petitionäre weiter möglichst viele Unterschriften zusammenbringen. Dabei sind sie sich durchaus bewusst, dass eine Petition kein rechtsverbindliches politisches Instrument ist.

Blick auf den Hintereingang der Turnhalle Oberhofen.

Blick auf den Hintereingang der Turnhalle Oberhofen.

Bild: Donato Caspari

Indes setzen sie darauf, dass der Gemeinderat die alte Halle nicht einfach aus dem Schutzplan entfernen kann, sondern dies in Abwägung aller Interessen begründet vom Kanton genehmigen lassen muss. Zudem hoffen sie darauf, dass in dieser Sache der Heimatschutz von seinem Verbandsbeschwerderecht Gebrauch machen wird. «Mit unserer Petition wollen wir zeigen, dass es in Münchwilen durchaus einen Gegenpol gibt», sagt Marianne Meienberger.

Wie stark dieser Gegenpol wirklich ist, dürfte sich nicht nur in der Anzahl Unterschriften unter der Petition zeigen, sondern spätestens auch bei der Abstimmung über den Baukredit, sollte es denn überhaupt je dazu kommen.

Über die Höhe dieses Kredites ist zwar noch nichts bekannt. Erfahrungen aus anderen Gemeinden mit vergleichbaren Projekten zeigen aber, dass ein solcher Bau problemlos die Zehn-Millionen-Grenze knackt. Und just Münchwilen hat in der jüngeren Vergangenheit stets leidvolle Erfahrungen mit umstrittenen Vorlagen an der Urne gemacht. Das «Chäferfäscht» ist also noch längst nicht gefeiert.

Die Petitionäre sind erreichbar unter elapet@thurweb.ch und m.meienberger@bluewin.ch.