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Müller-Thurgau: Der Arenenberg begibt sich auf die Schmuggler-Route

Vom Untersee trat die Rebsorte Müller-Thurgau den Weg in die Welt an. Doch ihr erster Schritt war aussergewöhnlich. Das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg geht der Erfolgsgeschichte dieser Weinsorte auf den Grund.
Silvan Meile
Ein Arenenberg-Mitarbeiter schneidet die Wiese zwischen den Reben. Auf Herbizide wird möglichst verzichtet. (Bild: Silvan Meile)

Ein Arenenberg-Mitarbeiter schneidet die Wiese zwischen den Reben. Auf Herbizide wird möglichst verzichtet. (Bild: Silvan Meile)

Nach einem Arbeitstag zwischen den Rebstöcken tritt Peter Mössner oben am Hang auf den Kiesweg. Der Rebbaufachmann dreht sich um und überblickt in der Abendsonne das Weingut des landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg. Dann schweift sein Blick über den Untersee in die Weite. Das macht er gerne, sagt er. «Das lässt sich mit nichts bezahlen.» Noch weiter als sein Blick ist die Weinsorte gekommen, die einen grossen Teil des Hanges für sich beansprucht. Von hier trat die Rebsorte Müller-Thurgau ihre legendäre Reise an, die sie zu einer weltweit erfolgreichsten Weissweinzüchtung werden liess. Für den ersten Schritt waren Schmuggler verantwortlich.

Die Schweizer sprachen nur von Riesling-Silvaner

Hermann Müller aus Tägerwilen züchtete diese Rebe 1882 in der deutschen Forschungsanstalt Geisenheim, wo der Schweizer Müller-Thurgau genannt wurde. «Müller glaubte, eine Kreuzung Riesling und Silvaner vorgenommen zu haben», erzählt Mössner, der sich mit der Geschichte Müller-Thurgaus befasst hat. Die Pflanze wurde aber in Deutschland ignoriert statt kultiviert.

1891 nahm Hermann Müller Sämlinge mit nach Wädenswil, wo er zum Leiter der damaligen Versuchsstation für Obst-, Wein- und Gartenbau berufen wurde. Mössner weiss: Erst hier pflanzte Müller seine Rebe an. Nach zahlreichen Züchtungen erreichte er sein Ziel, eine feinfruchtige und frühreife Sorte zu schaffen, die viel Ertrag abwirft. Und die Weissweinzüchtung gelangte schon früh auf den Arenenberg, wo seit 1906 eine Landwirtschaftsschule betrieben wird. Denn mit Gustav Schmid kam ein Schüler des Wädenswiler Professors Müller-Thurgau auf den Arenenberg. «Er hat die Reben hierhin gebracht», weiss der heutige Direktor Martin Huber.

In Deutschland war die Rebe nirgends gepflanzt. Ihr Wein schmeckte aber auch dort. Schlossverwalter Johann Baptist Röhrenbach fuhr deshalb in den 1920er Jahren mehrmals von Immenstaad am deutschen Bodenseeufer mit seinem Zündapp-Töff auf den Arenenberg und trank vom Weisswein. «Röhrenbach wollte den Müller-Thurgau anstelle des Elblings anpflanzen, der eher saure und dünne Weine hervorbringt», sagt Mössner. Sein Vorgesetzter liess ihn aber abblitzen. Deshalb tat er es heimlich. «In einer Aprilnacht 1925 ruderte Röhrenbachs Sohn mit einem Kollegen in einem Fischerboot über den See.» 400 Setzlingen schmuggelten sie zurück. Sie halfen dem maroden Weinbau am deutschen Bodenseeufer schliesslich wieder auf die Beine. «So nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf», sagt Mössner. Für den Namen Müller-Thurgau sind die Deutschen verantwortlich. Auf der Schweizer Seite sprach man vom Riesling-Silvaner, während diese Rebsorte weltweit unter der Bezeichnung Müller-Thurgau eine der erfolgreichsten Weissweinzüchtungen wurde. 1998 zeigten genetische Untersuchungen, dass die Kreuzung aus den Sorten Riesling und Madeleine Royale besteht.

Müller-Thurgau feiert einen erneuten Boom

«Diese Rebe hatte schon immer Hochs und Tiefs», sagt Bernhard Müller, Leiter regionale Entwicklung am Arenenberg. Dort schafft man zurzeit die Grundlagen, um sie rein biologisch zu bewirtschaften. Pflanzenschutzmittel sollen eingespart werden, die Wiese und das Unkraut zwischen den Reben häufig geschnitten, statt es etwa mit Glyphosat zu behandeln. Derzeit sei Müller-Thurgau wieder eine gesuchte Traube. Am deutschen Bodenseeufer erlebe sie gar einen Boom. «Dort wurden noch nie so viele Reben angebaut wie heute», sagt Müller.

Der Arenenberg begibt sich nun auf die Route der damaligen Schmuggler, welche die Rebe bei Nacht und Nebel über den See brachten. Zusammen mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein ist für Herbst ein Ausflugs-Angebot nach Immenstaad geplant. Die Tour wird auch durch das Weingut Röhrenbach führen, wo in vierter Generation Müller-Thurgau angebaut wird.

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