Mücken stechen am Bodensee besonders gerne zu - alles nur für ihren Nachwuchs

Gewisse Menschen leiden häufiger an Mückenstichen als andere. Woran das liegt und warum die unbeliebten Insekten uns gar nicht mit böser Absicht plagen, erklärt Insektenexperte André Mégroz.

Svenja Rimle
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Nur die weiblichen Mücken stechen. (Bild: Robin Lozlak)

Nur die weiblichen Mücken stechen. (Bild: Robin Lozlak)

Ein Surren am Ohr. Ein Krabbeln am Arm. Der Schlag nach dem Übeltäter kommt oft zu spät. Rote Pusteln. Juckreiz. Stechmücken können warme Sommerabende am Bodensee oder das Grillfest im Garten zu einer Qual werden lassen. Jedoch werden nicht alle Menschen gleich häufig gestochen.

Woran das liegt, erklärt Insektenexperte André Mégroz aus St. Gallen. Wie oft eine Person gestochen wird, hänge mit der Zusammensetzung der Körperausdünstung zusammen. Diese Duftmoleküle würden Menschen aber nicht wahrnehmen.

«Die Blutgruppe, der Stoffwechsel oder die Genetik machen für die Mücken nicht wirklich einen grossen Unterschied».

Auch mit der Süsse des Blutes, wie ein gängiger Mythos behauptet, habe die Anziehungskraft auf Mücken nichts zu tun.

Bescheidener
Lebensstil

Mücken stechen nicht, um zu quälen. Sie saugen menschliches Blut, damit sich ihre Jungen entwickeln können. Nur die weiblichen Mücken stechen, da sie für den Nachwuchs zuständig sind. Ansonsten brauchen die Zweiflügler nicht viel zum Leben, sie benötigen kaum Nahrung. Ihre Lebensaufgabe ist es, sich zu vermehren, weshalb das Blutsaugen für sie so wichtig ist. Die Stechmücken im Thurgau sind ungefährlich. Sie plagen uns und sind lästig, mehr aber nicht.

In Feucht- und Sumpfgebieten fühlen sich Mücken wohl. Aber auch in nassen Untertellern von Blumentöpfen oder in Regentonnen können sich die kleinen Plagegeister problemlos fortpflanzen. Ausserdem zählen stehende Gewässer wie zum Beispiel der Bodensee zu den Mücken-Hochburgen. Reissende Flüsse wie die Thur oder der Rhein hingegen sind bei den Blutsaugern eher unbeliebt, da sie dort nicht zur Ruhe kommen können. Hohe Temperaturen und Trockenheit machen den Mücken ebenfalls zu schaffen. Ein kurzer Sommerschauer reicht aber aus, um sie wieder anzulocken.

Insektenkundler André Mégroz (Bild: Benjamin Manser)

Insektenkundler André Mégroz (Bild: Benjamin Manser)

Durch ihr Surren nehmen sie einander wahr. Das Geräusch, das in unseren Ohren eher unangenehm klingt, hilft den Männchen die weiblichen Tiere zu finden. «Interessant dabei ist, dass die Weibchen in einer tieferen Tonlage surren als die Männchen», erzählt André Mégroz.

Hausmittel lindern
den Juckreiz

Zwischen den verschiedenen Körperteilen unterscheidet die Mücke nicht. Egal ob Arme, Beine oder Bauch: Ist eine Stelle unbedeckt, schlägt sie zu. Doch wie kann man das vermeiden? «Die Mückenabwehrmittel auf dem Markt wirken in der Regel gut. Ansonsten sind langärmlige Oberteile und lange Hosen von Vorteil», empfiehlt André Mégroz.

Wird man doch mal gestochen, kann man zum Beispiel Spitzwegerich oder Geranium-Blätter verreiben und diese auf den Stich auftragen. Dadurch sollen die Schmerzen sowie der Juckreiz gelindert werden und man kann bei den hohen Temperaturen wieder nach draussen gehen.

Tigermücke
in der Schweiz

Die asiatische Tigermücke hat in den vergangenen Wochen in der Schweizer Medienwelt immer wieder Aufsehen erregt. Dabei lebt die Tigermücke bereits seit über zehn Jahren in der Schweiz, sagt André Mégroz. Man vermutet, dass die Larven des Tiers über Warentransporte von Asien in die Schweiz gelangt sind. Theoretisch können sie Krankheiten übertragen, hierzulande hat aber bisher noch keine Ansteckung stattgefunden. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es also keinen Grund zur Sorge.