Glosse

Mosttröpfli: Das grenzt an Intimität

Die neue Distanzregel irritiert den Thurgauer: Zwei Meter waren ihm zwar schon zu intim. Und nun stiehlt der Bundesrat nochmals einen halben Meter. Das führt zu weit.

Sebastian Keller
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Mit der 2-Meter-Regel kann der Thurgauer leben.

Mit der 2-Meter-Regel kann der Thurgauer leben.

Bild: Christian Beutler / KEYSTONE
Sebastian Keller, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Sebastian Keller, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Reto Martin

Der Thurgau ist zusammengerückt. In freundeidgenössischer Manier ist er über seinen Schatten gesprungen und lässt Mitmenschen auf 2 Meter Entfernung an sich heran. Obwohl dem Thurgauer vor derart viel Intimität graut. Aber gut: Kuschelminister Alain Berset wollte es so. Und wenn er die Muskeln spielen lässt, platzt dem Föderalismus das Hemd. Der Frühfranzösisch-Versuchsballon hatte es gezeigt.

Aber nun wollen Berset und Bern noch mehr Nähe. Neu soll man sich auf unverschämte 1 Meter und 50 Zentimeter nähern. Auf diese Distanz lässt der Thurgauer üblicherweise auch nur nach einer Flasche Thurgados sein eigenes Ego an sich heran. Gegen den verschärften eidgenössischen Intimitätszwang wehrt man sich deshalb. «Die 50 Zentimeter gehören uns», skandieren Demonstranten zwischen Andwil und Zezikon und fuchteln mit Doppelmeter gegen den Kuschelzwang.

Auch bei den Briten sind es noch zwei Meter.

Auch bei den Briten sind es noch zwei Meter.

Bild: Frank Augstein / AP

Gefordert wird eine Lösung, die der Thurgauer Mentalität Rechnung trägt. Obwohl Gesundheitsfachleute bereits jetzt eine Geburtenexplosion erwarten wie neun Monate nach der Wega. Die Thurgauer sind aber bereit, bis auf weiteres die 2 Meter zu akzeptieren. Im Hinterkopf wohnt in jedem die Hoffnung, sich bald in die gewohnte 5-Meter-Privatsphäre zurückzuziehen.