Kolumne

Mosttröpfli: Corona macht erfinderisch

Mit dem Mut der Verzweiflung hat sich Christian Kamm, Leiter Ressort Kanton Thurgau bei der TZ, eine Haarschneidemaschine gekauft. Vom Gerät und dem neu entdeckten Talent seiner Frau im Umgang damit ist er begeistert

Christian Kamm
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Christian Kamm.

Christian Kamm.

Bild: Urs Jaudas

Kürzlich haben meine Frau und ich es wieder getan. Das heisst: Eigentlich war sie die Aktive. Ich sass nur da und habe den Kopf möglichst ruhig gehalten, als sie sich mit unserer neuesten Errungenschaft, einer Haarschneidemaschine, an mir zu schaffen machte.

Na ja, völlig ruhig war ich dann doch nicht. Ein paar Kommandos mussten schon sein: Hier noch ein bisschen mehr, da fehlt noch ein Stück, dort darfst du ruhig weiter rauf. Schliesslich will man sich mit seiner Frisur ja nicht lächerlich machen.

Den Haarschneider habe ich mit dem Mut der Verzweiflung auf dem Höhepunkt des Corona-Lockdown gekauft. Als nichts mehr ging – nur das Haar wuchs immer weiter. Und weil mein Kopfschmuck nicht nur in die Länge, sondern auch in die Höhe beziehungsweise Breite wächst, bestand bald einmal akuter Handlungsbedarf. Dann kaufte ich das Ding. Ich wählte das Modell, auf dem «professional» stand.

Sie glauben es nicht: Aber das wirkte. Schon beim ersten Mal fräste mir meine Frau eine Frisur auf den Kopf, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätte. Corona werde unser Leben nachhaltig verändern, heisst es. Schon möglich, denn Corona hat darüber hinaus viele unerwartete Talente ans Licht gebracht. Ich war nun plötzlich auch noch mit einer Coiffeuse verheiratet.

Klar: Für all die talentierten Profis im Haarschneidegewerbe ist das ärgerlich. Aber wenn man als Kunde so umfassend zufrieden ist wie ich: Warum soll ich mich noch nach etwas anderem umschauen? Letztes Mal war ich von meinem Look so begeistert, dass ich meiner Frau fast ein Trinkgeld rübergeschoben hätte. Ehrlich.