Mord ohne Leiche am deutschen Untersee-Ufer: Ein Verdächtiger könnte bald freikommen

Ein 51-Jähriger aus Gaienhofen-Hemmenhofen soll vor 6 Monaten getötet worden sein. Die Leiche ist unauffindbar.

Dominik Dose
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Der Campingplatz von Horn auf der Halbinsel Höri. Im Nachbardorf Gaienhofen-Hemmenhofen verschwand der 51-Jährige.

Der Campingplatz von Horn auf der Halbinsel Höri. Im Nachbardorf Gaienhofen-Hemmenhofen verschwand der 51-Jährige.

Bild: Stefan Hilser

Sechs Monate hinter Gitter – ohne Anklage, ohne Leiche. Ist das gerechtfertigt? Im Mordfall ohne Leiche auf der Höri sucht derzeit das Oberlandesgericht (OLG) nach dieser Antwort. Einer der beiden Tatverdächtigen könnte schon bald wieder auf freiem Fuss sein. Daran glaubt der leitende Staatsanwalt in diesem Ermittlungsverfahren nicht. Er ist sicher, dass das OLG die sogenannten Haftgründe bestätigen wird und der Mann in U-Haft bleibt. «Wir erwarten eine Entscheidung im Lauf der nächsten Woche», sagt er.

Sollte das OLG die Untersuchungshaft bestätigeri n, wird alle drei Monate neu geprüft, ob der Verbleib in der Justizvollzugsanstalt noch gerechtfertigt ist. Die sogenannte Sechs-Monats-Prüfung ist ein wichtiger Hebel im Rechtsstaat. «So schützt man den Verdächtigen vor einem unnötig langen Freiheitsentzug», sagt der Staatsanwalt.

Keine Obergrenze für die U-Haft

Dennoch gibt es keine gesetzlich festgelegte Obergrenze, wie lang Tatverdächtige maximal in Untersuchungshaft bleiben dürfen. Der Freiheitsentzug müsse lediglich «verhältnismässig» sein. Bedeutet: Niemand soll länger in Untersuchungshaft sitzen, als es durch eine nach einem etwaigen Gerichtsprozess verhängte Haftstrafe überhaupt möglich wäre.

Im mutmasslichen Mordfall auf der Höri sitzen allerdings zwei dringend Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Warum wird nur bei einer Person geprüft, ob das gerechtfertigt ist? Die andere Person müsse sich auch noch wegen einer anderen Straftat verantworten, sagt der Staatsanwalt. In diesem Fall seien die sechs Monate noch nicht verstrichen.

Die Ermittlungen der Mordkommission Friedrichshafen dauern an. «Wir glauben aber, dass sie in den nächsten Wochen abgeschlossen sind», sagt der Staatsanwalt. Erst dann prüfe er die Ermittlungsakte und könne Anklage erheben.

Ehemalige Lebensgefährtin informierte die Polizei

Bis dahin durchkämmt die Polizei immer wieder Wälder, Teile des Bodensees oder Mülldeponien, um die Leiche des Hemmenhofeners zu finden. Bereits seit Anfang Juni 2019 wird der 51-Jährige vermisst. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er Opfer eines Tötungsdelikts wurde. Nachdem die ehemalige Lebensgefährtin die Polizei über das Verschwinden informiert hatte, leitete diese Nachforschungen am Wohnort ein.

Am 27. Juli 2019 wurden zwei Personen aus dem privaten Umfeld des Vermissten vorläufig festgenommen und Untersuchungshaft angeordnet. Zwischenzeitlich kam auch ein anderer Verdächtiger hinter Gitter. Diese Person ist wieder auf freiem Fuss, weil sich Tatvorwürfe nicht erhärteten.