Interview

Mona Vetsch über ihre Dreharbeiten: «Worte sind nicht immer notwendig»

Moderatorin Mona Vetsch erzählt von den Dreharbeiten unterwegs und unentdeckten Orten, die gar nicht so weit weg liegen.

Janine Bollhalder
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SRF Moderatorin Mona Vetsch . (Bild: Donato Caspari

SRF Moderatorin Mona Vetsch . (Bild: Donato Caspari

Als Moderatorin sind Sie oft unterwegs, auch im Ausland. Wie kann man sich einen Tag in Ihrem Leben unterwegs vorstellen?

Mona Vetsch: Unterwegs gibt es keinen Alltag, da muss man vieles einfach so nehmen, wie es kommt. Zu Hause in Zürich aber habe ich dann einen geregelteren Alltag – aufstehen, frühstücken, zur Arbeiten gehen. Aber genau das ist es, was ich an meinem Job so liebe: die Abwechslung.

Wie viel Planung steckt in einer Sendung?

Wir haben vor den Dreharbeiten jeweils eine Vorstellung davon, was wir drehen wollen. Allerdings kann man die Ereignisse, das Wetter und auch die Menschen, welche man unterwegs trifft, nicht einfach planen. So müssen wir uns oft einen Plan B ausdenken. Das stört mich aber nicht, im Gegenteil: Ich finde das cool.

Wie lange haben Sie zum Beispiel bei «Hin und weg» vor den Gesprächen mit den Protagonisten der Sendung Zeit, sich vorzubereiten?

Meistens recherchiert mein Redaktionsteam zum Thema und führt Vorgespräche. Ich erfahre die Eckdaten dann kurz vor dem Gespräch. Kurz, bevor es losgeht. Ich bevorzuge das, denn so höre ich aufmerksamer zu und stelle spontane Fragen, welche die Leute vor dem Fernseher sich auch stellen. Ausserdem sind meine Reaktionen und Emotionen echt und unverfälscht, wenn ich Dinge zum ersten Mal höre. Eine Szene mehrmals zu drehen, liegt mir nicht – ich bin nämlich eine schlechte Schauspielerin.

Welches sind die schwierigen Momente, die Ihnen unterwegs begegnen?

Reisen sind ein Härtetest – sei es für eine Beziehung, für eine Freundschaft oder auch nur für jemanden selbst. Es ist auch schon passiert, dass wir den Flieger verpasst und auf einem Bänkli im Flughafen geschlafen haben. Man kann dann rumjammern oder einfach das Beste aus einer Situation machen. Ich warne mein Team jeweils einfach vor, dass ich unangenehm werde, wenn ich hungrig bin. Der Thurgauer Apfel oder Nüssli retten mich dann – oder vielmehr die Leute um mich herum.

Den Tod vor Augen

Die neue Staffel «Mona mittendrin» hat gleich mit einem Einsatz begonnen, der die Moderatorin gefordert hat: In der Sendung vom Donnerstagabend ist ein Mann vor laufender Kamera verstorben; das war ein grosses Thema für die Boulevardzeitung «Blick». Mona Vetsch war bei einer 24-Stunden-Schicht der Basler Berufsfeuerwehr dabei, um einen Einblick in deren Arbeit zu erhalten. Zum Alltag der Feuerwehr gehören auch tragische Fälle, wie diese nicht erfolgreiche Reanimation eines Mannes. In der Sendung wurde auch thematisiert, wie Rettungskräfte mit solchen Erlebnissen umgehen und sie verarbeiten. (red)

Sind Sie unterwegs auch schon krank geworden?

Das Essen in Indien ist berüchtigt. Da habe ich auch mal eine Toilette im Zug näher kennen gelernt, als mir eigentlich lieb ist.

Bekommen die Zuschauer diese «Pannen» auch zu sehen?

Wir versuchen, möglichst transparent zu sein. Ich mag unseren Zuschauern ein bisschen Schadenfreude gönnen, wenn eine Panne geschieht, oder ich unten durch muss.

Wie überwinden Sie jeweils die Sprachbarrieren in fremden Ländern?

Wo keine geläufige Sprache gesprochen wird, arbeiten wir oft mit sogenannten Stringern zusammen, die sich vor Ort auskennen und auch bei der Kommunikation helfen können. Bisher war nur einmal eine Dolmetscherin dabei, als ich für «Mona mittendrin» mit einer koreanischen Reisegruppe unterwegs war. Aber ich habe auch gelernt, dass die Kommunikation trotz Sprachbarriere funktionieren – etwa als ich im Asylzentrum war und mit den Frauen gekocht habe. Eine hat mir Bilder ihrer Kinder gezeigt und dann habe ich ihr meine Kinder gezeigt. Man versteht sich in solchen Momenten nicht exakt, aber kann man sich auf eine gewisse Weise verständigen.

Hat es unterwegs auch schon gefährliche Momente gegeben – speziell für Sie als Frau?

Eigentlich kaum. Ich denke, das ist der Unterschied, wenn man fürs Fernsehen unterwegs ist und nicht privat. Aber eine Situation ist mir in Erinnerung geblieben: Wir waren auf einer Expedition auf der Arktis-Insel Spitzbergen. Wir sind mit Schneetöffs unterwegs gewesen, hatten dann aber technische Pannen und keine Sicht mehr. Wir waren also bei minus 20 Grad orientierungslos auf dem Gletscher und mussten abwarten, bis das Wetter besser wurde. Weiterfahren wäre wegen der Gletscherspalten zu gefährlich gewesen.

Wie gross ist das Team, in welchem Sie die Sendungen drehen?

Ich bin immer mit mindestens zwei Kollegen unterwegs. Es ist wichtig, dass man einander gut kennt und sich aufeinander verlassen kann. Mein Team leistet einen Grossteil der Arbeit, das ist mir wichtig zu betonen. Oft geht das vergessen, weil ich halt die bin, die vor der Kamera steht.

Ist Ihnen schon vorgeworfen worden, dass Sie sich zu sehr in den Fokus rücken?

Natürlich stehe ich im Fokus – es ist mein Job als Moderatorin, im Fernsehen aufzutreten und mein Gesicht zu zeigen. Ich denke, bei abschätzigen Kommentaren hängt das oft mit den persönlichen Vorlieben zusammen. Wenn man jemanden mag, dann kann diese Person dreimal um die Welt reisen und man schaut noch zu. Wenn man jemanden aber nicht mag, sind schon drei Sekunden im gleichen Raum zu viel. Ich denke, früher war das Wort Selbstdarsteller für uns eine Beleidigung. Für die jungen Generationen ist das viel selbstverständlicher: Selbstdarsteller, also «Influencer», das ist ja bereits ein Beruf.

Mona Vetsch bei einer 24-Stunden-Schicht der Berufsfeuerwehr Basel. (Bild: SRF)

Mona Vetsch bei einer 24-Stunden-Schicht der Berufsfeuerwehr Basel. (Bild: SRF)

Auf Ihren Reisen arbeiten Sie aber auch an Orten, wo andere Ferien machen – sind Sie schon mit Vorwürfen konfrontiert worden, dass Sie mit diesen Reisen Ihre eigenen Wünsche verwirklichen?

Natürlich habe ich schon wunderschöne Orte besucht, etwa in «Fernweh». Aber es ist immer Arbeit, nie Selbstzweck. Momentan aber drehe ich für ein anderes Format und würde nicht sagen, dass man behaupten könnte, ich verwirkliche meine Träume, wenn ich für die Sendung «Mona mittendrin» mit der Feuerwehr im Einsatz bin oder auf der Krebsstation im Spital. Eine Frau hat mich kürzlich auf die Sendung angesprochen, sie meinte: Dass man denkt, die Schweiz zu kennen, aber dann merke, dass einem viele Orte wie ein Gefängnis oder auch die Gehörlosenschule doch gänzlich unbekannt seien.

Wie gehen Sie mit Erlebnissen wie jenen im Spital bei den krebskranken Kindern um?

Das ist schwierig, speziell, wenn man auch selbst Mutter ist, und manchmal fehlen die Worte. Aber ich habe gelernt, dass es in solchen Momenten gar immer nicht notwendig ist, etwas zu sagen. Manchmal ist es einfach gut, da zu sein, zu beobachten oder Nähe zu geben. Und wenn es traurig ist, dann ist das so und dann verstecke ich meine Emotionen auch nicht. Eine Mutter erzählte mir, ihr Sohn in ebendiesem Spital habe immer wieder zur Stelle zurückgespult, als ich sagte: «Kleine Betten, grosse Kämpfer.» Das hat mich sehr berührt.

Die neue Staffel «Mona mittendrin» ist letzte Woche gestartet. Dürfen Sie während der Dreharbeiten Bilder in den sozialen Netzwerken posten?

Bei Reisesendungen darf ich Bilder veröffentlichen. Das ist manchmal sogar gut. Etwa, wenn sich dann Leute melden, die auch eine Geschichte zum Thema zu erzählen haben. Bei «Mona mittendrin» sollte ich allerdings nicht weit im Voraus schon alles verraten, denn es soll ja eine Überraschung sein, wo ich hinkomme. Auch für mich selbst, da dürfen sich die Redakteure nicht verplappern. Bisher haben sie es mir immer verschweigen können. Aber dieses Mal hat sich jemand verplappert.

Sind Sie dann weniger nervös gewesen, weil Sie gewusst haben, was auf Sie zukommt?

Nein, im Gegenteil – ich finde es einfacher, wenn ich nicht weiss, wo ich hingehe. Ich habe ein Demenzheim besucht, vor diesem Thema hatte ich grossen Respekt. Am nächsten Donnerstag wird diese Folge ausgestrahlt. Aber ich bin eigentlich immer nervös vor Moderationen. Eine gewisse Nervosität ist auch gut, denn dieses Gefühl hat bei mir mit Konzentration und Vorfreude zu tun.