«Möglichst viel herausholen»: Was von der bankrotten Frauenfelder Stahl- und Metallbaufirma Tuchschmid alles unter den Hammer kommt

Derzeit läuft der Schuldenruf für die konkursite Stahl- und Metallbaufirma Tuchschmid. Martin Wenk vom Thurgauer Konkursamt erzählt, was sich alles zu Geld ummünzen lässt. Nebenbei verläuft die Stellensuche für die 100 entlassenen Mitarbeitenden vielversprechend.

Stefan Hilzinger
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Mitte Dezember gingen bei der Tuchschmid AG nach 170 Jahren die Lichter aus. Martin Wenk, Leiter des Thurgauer Konkursamtes.

Mitte Dezember gingen bei der Tuchschmid AG nach 170 Jahren die Lichter aus. Martin Wenk, Leiter des Thurgauer Konkursamtes.

(Bild: Andrea Stalder (13. Dezember 2019)

Der Konkurs der Frauenfelder Stahl- und Metallbaufirma Tuchschmid Mitte Dezember lässt ein paar Hundert Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen. Martin Wenk, Leiter des Thurgauer Konkursamtes, beschreibt seine derzeitige Aufgabe wie folgt:

«An uns ist es nun, aus der Konkursmasse möglich viel herauszuholen.»
Martin Wenk, Leiter Konkursamt Thurgau.

Martin Wenk, Leiter Konkursamt Thurgau.

(Bild: Donato Caspari)

Mit allem, das sich noch irgendwie verkaufen lässt, sollen die Forderungen der Gläubiger möglichst bedient werden. Wie hoch die aufgelaufenen Schulden sind, gibt Wenk nicht bekannt. Vergangenen Freitag veröffentlichte das Konkursamt den sogenannten Schuldenruf. Gläubiger haben nun Zeit, ihre Forderungen bis zum 20. Februar beim Konkursamt anzumelden.

Keine Immobilie zu versilbern

Anders als beim Erb-Konkurs, als unter anderem das Schloss Eugensberg in die Konkursmasse fiel, gibt es bei Tuchschmid keine Immobilien zu versilbern. Die Traditionsfirma war Mieterin der Langfeld AG. Nun liegt die Hoffnung der Konkursverwaltung zunächst bei der Fahrhabe auf schnellen Erlös: den Maschinen und Gerätschaften von der Kranbahn bis zur Bürolampe.

Vielversprechende Stellensuche

Zu den Verlierern des Tuchschmid-Konkurses gehören die 100 Angestellten, die von einem auf den anderen Tag zwei Wochen vor Weihnachten ihren Job verloren haben. Den Dezemberlohn und den Dreizehnten hat die Firma nicht mehr ausbezahlt. Laut Daniel Wessner, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, haben inzwischen drei Viertel einen Antrag auf Insolvenzentschädigung gestellt. Diese spezielle Kasse der Arbeitslosenversicherung deckt konkursbedingte Lohnausfälle von bis zu vier Monaten. Die Betroffenen haben ab Konkurseröffnung 60 Tage Zeit, einen Antrag auf Entschädigung einzureichen. «Fachleute der regionalen Arbeitsvermittlung RAV und der Arbeitslosenkasse haben die Betroffenen informiert und begleiten sie», sagt Wessner. Nach Bekanntwerden des Tuchschmid-Konkurses hätten sich 40 Firmen gemeldet, die Interesse an der Übernahme von Arbeitskräften haben. Die Chancen auf eine neue Stelle seien daher intakt. «Die Betroffenen brauchen jetzt auch Zeit, mit der Situation klar zu kommen. Uns ist wichtig, dass die Lösungen langfristig sind», sagt Wessner. Im Thurgau seien 70 ehemalige Tuchschmid-Angestellte beim RAV gemeldet, wovon 13 schon eine neue Anstellung gefunden hätten. Gut sieht es weiterhin für die Tuchschmid-Lehrlinge aus, wo sich schon vor Weihnachten erste Lösungen abzeichnete (unsere Zeitung berichtete). «Wir sind auf einem sehr guten Weg», sagt Christian Koch vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung. Viele Lehrlinge seien nun in neuen Betrieben am Schnuppern und es lägen weitere neue Lehrverträge zur Unterschrift bereit. (hil)

Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit.

(Bild: Andrea Stalder)

Hier erwägt das Konkursamt eine Versteigerung durchzuführen, wie der Anzeige im Amtsblatt zu entnehmen ist. Kaufinteressenten müssen sich bis zum 20. Februar beim Konkursamt melden, ebenso Gläubiger, die von ihrem Recht Gebrauch machen wollen, ein höheres Gebot abzugeben.

Genaues Verfahren ist noch offen

Noch kennt Martin Wenk die Inventarliste nicht im Detail, die lässt das Konkursamt derzeit erstellen. Auch das genau Verfahren ist noch offen. Wenk sagt:

«Möglicherweise versteigern wir die Gegenstände selbst oder wir engagieren einen Liquidator.»

Es sei auch möglich, das Inventar en bloc an jemanden zu veräussern, der dann die Verwertung übernimmt. Entschieden sei hier noch nichts.

Zur möglichst hohen Tilgung der Schulden greift das Konkursamt nicht nur auf Bürotische und Schweissgeräte zu, sondern auch auf gesetzlich geschützte Konstruktionsformen der Firma. So gibt es laut Amtsblatt Interessenten für die Produkte «Walm» und «Atlant», letzteres ist eine brandgeschützte Stahlstütze. Dritte und Gläubiger können hier bis 30. Januar Gebote einreichen. Wenn keine andere Gebote eintreffen, kann das Konkursamt die beiden Marken freihändig verkaufen.

Halbfertige Aufträge harren der Ausführung

Wie Konkursverwalter Wenk ausserdem erklärt, gehe es aktuell auch darum, für noch offene oder halbwegs fertiggestellte Aufträge der Firma Tuchschmid Lösungen zu suchen. «Wir arbeiten da eng mit den Auftraggebern zusammen, die etwa auf einer Baustelle auf ein dringend benötigtes Bauteil warten», sagt Wenk. Es brauche da pragmatische, schnelle Lösungen, die aber immer im Sinne der Gläubiger seien.