Mobilfunk
«Es soll ja möglichst niemand mitkriegen»: Widerstand gegen 5G-Aufrüstung in Basadingen-Schlattingen formiert sich

Ralph Keiser aus Basadingen informiert auf Facebook über die geplante Aufrüstung der Mobilfunkantenne Loriswis auf die neue 5G-Technologie. Für ihn steht fest: So weit soll es nicht kommen.

Janine Bollhalder
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Dunkle Wolken ziehen auf: Die Aufrüstung der 5G-Antenne in Basadingen-Schlattingen sorgt für Diskussionsstoff.

Dunkle Wolken ziehen auf: Die Aufrüstung der 5G-Antenne in Basadingen-Schlattingen sorgt für Diskussionsstoff.

Bild: Keystone/Martial Trezzini

5G ist ein brisantes Thema und stösst auch am Rhein auf Widerstand. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Diessehofe, wenn …» macht der Basadinger Ralph Keiser auf ein Baugesuch von Sunrise aufmerksam. Die bestehende Mobilfunkantenne Loriswis bei Basadingen-Schlattingen soll aufgerüstet werden. Die Sendeantennen sollen mit 5G-Antennen ergänzt werden.

Ralph Keiser, Mitglied des Vereins Schutz vor Strahlung

Ralph Keiser, Mitglied des Vereins Schutz vor Strahlung

Bild: PD

Keiser ist aktives Mitglied des Vereins Schutz vor Strahlung, der schweizweit Mitglieder zählt. «Ich beschäftige mich seit über drei Jahren mit diesen Antennen», erklärt er sein Engagement.

«Je mehr Informationen ich finde, desto mehr erschreckt mich 5G.»

Der 47-Jährige arbeitet als Techniker in der Gebäudebranche und hat auch beruflich mit der 5G-Branche zu tun. Er habe öfters Beschwerden von Kunden mitbekommen, deren 5G-Netz nicht so funktioniere wie versprochen. Auf seinen Facebook-Beitrag habe er schon einige positive Reaktionen erhalten.

Widerstand zum zweiten Mal

Im vergangenen Jahr gab es bereits ein ähnliches Baugesuch der Sunrise betreffend einer Antenne auf der Egg bei Schlattingen. Keiser war im einspracheberechtigten Radius. Was ihn ärgerte: die Einsprachefrist. «Aufgrund der Pandemie habe ich nicht wie üblich durch das Dorf laufen oder einen Vortrag organisieren können, um die Leute über 5G aufzuklären und Unterschriften zu sammeln.» Die Frist wurde verlängert, die Einsprachen und über 300 Unterschriften gegen die Aufrüstung der Antenne eingereicht.

Gegen das Baugesuch betreffend Antennenupgrade Loriswis, das noch bis am 3. Juni öffentlich aufliegt, kann Keiser sich nicht selbst wehren. «Der Radius, in dem die Leute einspracheberechtigt sind, verläuft knapp vor meinem Haus.» Trotzdem will er nicht tatenlos bleiben und bietet in seinem Facebook-Post Unterstützung für alle jene an, die sich gegen die 5G-Technik wehren möchten. Die Erfolgschancen schätzt er als gut ein.

«Viele Anwohner sind kritisch gegenüber 5G.»

Die neue Technik sei nicht ausreichend erforscht, sagt Keiser. Er und der Verein sind unzufrieden mit der Messung der potenziell gesundheitsschädlichen Strahlen. Diese würden sich zu schnell bewegen, um sie mit herkömmlichen Messmethoden seriös zu erfassen. Denn, wie Keiser erklärt, funktioniert 5G anders als die herkömmlichen 3G- oder 4G-Netze: «5G-Antennen strahlen nicht flächendeckend und kontinuierlich. Einzelne Strahlen, vergleichbar mit Laserstrahlen, beziehen sich nur auf das verwendete Endgerät, etwa ein Handy. Die Strahlen sind zwar gebündelt, aber dadurch intensiver und pulsieren stark.»

Er zweifelt auch an anderen publizierten Fakten, wie etwa der Anzahl in Betrieb genommener 5G Antennen. Keiser geht davon aus, dass viele der aufgerüsteten Antennen noch mit 4G funktionieren, aber das 5G-Symbol auf Handydisplays zaubern. Er fasst zusammen: «Die Telekomanbieter kommunizieren nicht die Wahrheit gegenüber dieser neuen Technik.»

Ängsten mit Transparenz begegnen

Mit Zweifeln an 5G ist Sunrise oft konfrontiert. «Der Widerstand gegen 5G wird leider stark durch Fake News dominiert», sagt Rolf Ziebold, Mediensprecher bei Sunrise. Dem Unternehmen sei sehr daran gelegen, den damit geschürten Emotionen und Ängsten transparent mit Fakten zu begegnen. Denn die Schweizer Kunden hätten sehr hohe Qualitätsansprüche, sowohl an die Geräte als auch ans Netz. Der Datenverkehr verdoppele sich ungefähr alle 18 bis 23 Monate, fügt Ziebold an.

Beim Austausch der Antennen werden zusätzliche Frequenzen aufgeschaltet. Die Arbeiten dauern normalerweise nur wenige Tage, stundenweise könne es zu Einschränkungen der 5G-Dienste kommen. Gewalttätige Anschläge, motiviert durch den Widerstand der Anwohner gegen die 5G-Antennen wie kürzlich in Bern, verurteilt Sunrise. Nicht nur wegen der Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen, Ziebold betont: «Dadurch wird im betroffenen Gebiet die Mobilfunkversorgung schlechter.»

Peter Mathys, Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen.

Peter Mathys, Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen.

Bild: PD

Basadingen-Schlattingens Gemeindepräsident Peter Mathys hat mit Widerstand gegen die Aufrüstung der Antenne in Loriswis gerechnet. Deswegen habe er frühzeitig in einem Artikel im «Bote vom Untersee und Rhein» die Baugesuche angekündigt.

«Ich wollte dafür sorgen, dass die Leute sich der beiden Baugesuche bewusst sind und genügend Zeit haben, bei Bedarf Einsprache einzureichen.»

Er selbst habe kein Facebook-Profil und daher den Beitrag von Ralph Keiser bislang nicht gesehen. Wie er mit der Problematik 5G umzugehen plant, werde sich noch zeigen: «Ich warte die öffentliche Auflage und allfällig eingehende Einsprachen ab. Der Gemeinderat wird danach über das weitere Vorgehen entscheiden.»

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