Mit tiefgründigem Text über «Lonesome George»: Baslerin Gina Walter kürt sich zur Slam-Königin von Mostindien

Im Frauenfelder Eisenwerk ging der vierte «Slam Royal» mit kompliziertem Prozedere über die Bühne. Ein Poetry-Slam nach US-Manier.

Amina Mvidie
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Die neue Königin, Gina Walter aus Basel.

Die neue Königin, Gina Walter aus Basel.

Bild: Mathias Frei

Die Regeln sind einfach: ein selbst geschriebener Text, keine Requisiten und ein sechsminütiges Zeitlimit. An diese Vorgaben müssen sich die fünf Slampoetinnen und Slampoeten am Samstagabend halten. Alle 50 Plätze im Frauenfelder Eisenwerks sind belegt.

Unerwartete Wende, grosse Verwirrung

Unter den Zuschauenden befinden sich einige Poetryslam-Neulinge. Gleich zu Beginn der Show machen sie sich auf Wunsch der Moderatoren Sven Hirsbrunner und Dominik Muheim erkennbar. Nicht nur für die Neulinge dürfte der Verlauf des Abends eine unerwartete Wende nehmen, auch der erfahrene Poet Marco Gurtner aus Bern spricht von einer «grossen Verwirrung».

Marco Gurtner aus Bern am Mikrofon.

Marco Gurtner aus Bern am Mikrofon.

Bild: Mathias Frei

Was für seine Verwirrung sorgt, sagt er nicht – das abstruse Wettbewerbsverfahren könnte aber ein Grund dafür sein. Welche Wortkünstlerin oder welcher Lyriker den Slam schlussendlich gewonnen hat, ist nämlich nach mehreren undurchsichtigen Abstimmungen mit verschiedenen Jurys, Münzwürfen und einem Obergericht kaum nachvollziehbar. Einzelne Sitzreihen sind gewissermassen Bundesstaaten, die ihren Favoriten aus dem finalen Trio wählen. Wieso dann aber das Auenland mehr Stimmen zählt als Utopia, weiss irgendwie keiner.

Die neue Königin heisst Gina Walter

Gina Walter während ihres Auftritts.

Gina Walter während ihres Auftritts.

Bild: Mathias Frei

Den Champagnerkorken lässt letztendlich Gina Walter knallen, nachdem der amtierende König Jan Rutishauser ein Veto einlegt, ihn das Obergericht zum Sieger kürt, er letztendlich aber doch abdankt.

Verdient hätten den Sieg alle beide. Die Baslerin überzeugt mit einem tiefgründigen Text über «Lonesome George», die letzte Galagos-Schildkröte ihrer Unterart, während Rutishauser übers Älterwerden sinniert. Mit seinen 33 Jahren wisse er noch immer nicht «wie der Hase läuft». Für das Publikum hat er aber dennoch ein Gesundheitstipp auf Lager. Er sagt: «Mit mehr Schlaf hat man weniger Zeit zu essen, muss aber gleichzeitig auch kein Sport machen.»