«Mit Steuergeldern darf keine meinungsbildende Werbung gemacht werden»: 72-Sekunden-Film der Stadt Frauenfeld löst Wirbel aus

Ein Film der Stadt Frauenfeld zur baldigen Abstimmung über den Hallenbadneubau in Höhe von knapp 40 Millionen Franken stösst auf Kritik. Darin wirbt sie für ein Ja zum Millionenprojekt. Die Verantwortlichen relativieren.

Samuel Koch
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Mutter und Kind planschen im Lernschwimmerbecken.

Mutter und Kind planschen im Lernschwimmerbecken.

Bild: Screenshot

Vor allem die letzten Sekunden polarisieren. «Der Neubau wertet Frauenfeld als Stadt auf», sagt Stadtrat Fabrizio Hugentobler in die Kamera. Und Bademeister Roger Illi ergänzt: «Darum im November für den Neubau stimmen und somit unsere Badi erhalten und aufwerten.» Das 72 Sekunden lange Video mit dem Titel «Ein Hallenbad für alle» hat die Stadt Ende September publik gemacht.

Alt Ständerat Philipp Stähelin im Sprudelbad.

Alt Ständerat Philipp Stähelin im Sprudelbad.

Bild: Screenshots

Gäste jeglichen Alters erzählen über ihre Erlebnisse im Hallenbad, was es für sie ausmacht und welche Vorzüge es aufweist. Selbst alt Ständerat Philipp Stähelin wirbt darin für ein Ja bei der Abstimmung vom 29.November über den 39,34 Millionen-Franken-Kredit für den Hallenbadneubau. Zudem soll für 2,67 Millionen Franken eine Sauna gebaut werden. «Das ist doch hervorragend», findet Stähelin.

Das Video kommt aber nicht überall gut an. «Vom Inhalt her sympathisch, aber sehr einseitig», schreibt jemand in den sozialen Medien. Das Video sei sehr fragwürdig. Und eine weitere Person schreibt:

«Mit Steuergeldern darf keine meinungsbildende Werbung gemacht werden.»
Fabrizio Hugentobler, Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Bild: Andrea Stalder

Dieser Ansicht kann Stadtrat Fabrizio Hugentobler nichts abgewinnen. «Ich erachte es als unsere Pflicht, die Bevölkerung zu informieren und das Generationenprojekt so zum Fliegen zu bringen», sagt er.

Ein Video kostet rund 2000 Franken

Das Video der Frauenfelder Produktionsfirma «bemoved» kostete 2000 Franken, ein zweites in dieser Preisklasse ist in Planung. Ausserdem plant die Stadt Führungen durch das bestehende Hallenbad und Informationsabende. «Wir sind überzeugt, mit all diesen Massnahmen die Nachhaltigkeit der bereits getätigten Planungsinvestitionen von rund 1,4 Millionen Franken zu sichern», teilt Cornelia Trefzer mit, Leiterin der städtischen Kommunikationsabteilung.

Cornelia Trefzer, Leiterin Kommunikationsabteilung.

Cornelia Trefzer, Leiterin Kommunikationsabteilung.

Bild: PD

Das oberste Ziel sei es, mit verschiedenen Massnahmen die unterschiedlichsten Altersgruppen zu erreichen und diese über die Tragweite und Bedeutung der Investition zu informieren.

Stadtrat Fabrizio Hugentobler sagt, er und die Stadtangestellten des Hallenbades hätten zuletzt viel Unwissen bemerkt. «Es kommen Anfragen», sagt Hugentobler. Und es gebe gar Personen, die ins Hallenbad kämen und sagen würden: «Doch, ist schön geworden.»

Stadt spricht von «sehr guter Resonanz»

Es sei die Aufgabe der Stadt, die Bevölkerung richtig und umfassend zu informieren. Gerade in den sozialen Medien weise das Video eine «sehr gute Resonanz» auf. Alleine über Facebook erreichte das Video laut Trefzer knapp 6500 Personen, mit 740 Interaktionen, vielen Likes und mehreren Kommentaren. Ebenso auf Instagram.

Obwohl bis jetzt kein Gegenkomitee bekannt ist, will die Stadt an ihrem Kommunikationsplan festhalten. «Wenn wir nichts tun, ist es auch nicht recht», sagt Hugentobler. Klar distanzieren will er sich vom Vorwurf, dass Bademeister Roger Illi zu seiner Aussage angestiftet worden sei. Hugentobler: «Sie würden ja wie wir alle auch vom neuen Bad profitieren.»

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