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Seebuben aus Steckborn und Berlingen segeln mit Karacho übers Glatteis

Fredy Rudolf aus Steckborn und Urs Kasper aus Berlingen sind leidenschaftliche Eis-Segler und starten an der Europameisterschaft im hohen Norden. Wo genau die Rennen stattfinden werden, erfahren sie erst am Samstag.
Margrith Pfister-Kübler
Fredy Rudolf und Urs Kasper bereiten sich in der Werkstatt auf die Eis-Segelrennen vor. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Fredy Rudolf und Urs Kasper bereiten sich in der Werkstatt auf die Eis-Segelrennen vor. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Schweden, Estland oder Polen? Noch ist nicht klar, wo der 69-jährige Fredy Rudolf aus Steckborn und der 59-jährige Urs Kasper aus Berlingen an der Europameisterschaft der Eis-Segler vom 20. bis 25. Januar auf heissen Kufen über eisige Flächen flitzen werden.

Am Freitag sind sie losgefahren Richtung Norden: Fredy Rudolf (Eis-Segelnummer Z 42) und Urs Kasper (Z 120) sind seit Jahren dem aussergewöhnlichen Hobby Eis-Segeln verfallen. Bei der Abfahrt mit dem Anhänger, in welchem die Eis-Segelboote verstaut sind, wussten die beiden noch nicht, wohin es geht.

Warten im Raum Hamburg-Hannover

Ungewöhnlich ist dies nicht. Erst wenige Tage vor dem Start erfahren die EM-Teilnehmer, wohin es geht, wo es das perfekteste Eis gibt, die Luft trocken ist und der Wind bläst. Doch diesmal ist es zeitlich extrem. Bis zur Abfahrt wurde noch kein passendes Eis gefunden. Rudolf sagt:

«Die EM ist bereits um einen Tag verschoben. Andere Eis-Segler warten im Raum Hamburg-Hannover.»

Kasper und er fahren Richtung Norden und hoffen, dass sie bald erfahren, ob sie Richtung Polen, Estland oder nach Schweden müssen. «Man nimmt’s, wie es kommt», lacht Rudolf. Er ist in Kontakt mit Attila Pataky, European Commodore der DN-Eis-Segel-Europameisterschaft. Die letzte Nachricht vom Freitag lautet: Bekanntgabe des Ziels: Samstag, 15 Uhr.

Fredy Rudolf flitzt mit seinem Eis-Segler über den Haidersee südlich des Reschenpasses im Südtirol. (Bild: PD)

Fredy Rudolf flitzt mit seinem Eis-Segler über den Haidersee südlich des Reschenpasses im Südtirol. (Bild: PD)

Rudolf segelt von Kindesbeinen an, Schären-30er, Dyas, Fireball, H-Boot. 38-jährig packte ihn das Eis-Segeln. Es ist die schnellste Art, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Bis 130 Stundenkilometer liegen da als Spitzentempi drin, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt über 80 km/h. Wenn Eis-Segler über die gefrorenen Seen jagen, sind sie bis dreimal schneller als der Wind.

Einst auf Platz 5 der Weltrangliste

Waghalsig gefährlich sind die Wenden, wer bei Volltempo die Kurve nicht kriegt, der kentert. Auch beim Eis-Segeln heisst es «kentern», allerdings mit knallhartem Aufschlag. Fredy Rudolf zeigt die zersplitterte Schale eines Eis-Seglers, Kleinholz von einer Kollision bei Tempo 50 bis 60. Auf der Weltrangliste lag er schon auf Platz 5, jetzt liegt er auf Rang 36.

In seiner Werkstatt in Steckborn gibt es auch Maschinen zum Kufenschleifen: Es gibt diverse Kufen, die je nach Bedingungen auf dem Eis eingesetzt werden. «Die Kufen baue ich selber», sagt er. Eine Wissenschaft für sich, auch die unterschiedlich biegsamen Masten.

Manchmal trainieren sie auf dem Gnadensee

Rudolf und Kasper schwärmen: Für sie bietet Eis-Segeln viel Unentdecktes in der Natur und damit Neuland fürs Gemüt. Man segelt in den skandinavischen Ländern, aber auch in Deutschland oder Österreich. Trainiert wird auf Juraseen oder im Südtirol nahe beim Reschenpass.

Was ist der Unterschied zu den normalen Seglern? «Da ist einmal der Speed beim Eis-Segeln. Und Eis-Segler sind eine verschworene Gemeinschaft», sagt Rudolf. Segler und Surfer Kasper sieht dies auch so, er hat vor zehn Jahren mit dem Eis-Segeln begonnen. «Ich habe von Gottfried Füllemann den Eis-Segler geerbt.» Seither ist auch er immer auf der Suche nach dem perfekten Eis. Rudolf und Kasper sagen:

«Eis-Segeln ist in jeder Hinsicht Extremsport»

Zum Anlaufen tragen die Segler Schuhe mit Spikes, also langen Nägeln. DN-Schlitten für den Einstieg liegen bei den Kosten von einem E-Bike, es ist also finanziell kein elitärer Nischensport. Wenn es die Kälte zulässt, so kann die Faszination des Eis-Segelns auch auf dem Gnadensee getestet werden. Aber eben: Nur wenn sich Eis bildet, flaches schwarzes Eis. Da bleibt nur noch, den beiden Eis-Seglern vom Untersee «Mast- und Schotbruch» zu wünschen – der Glückwunsch der Segler, der auch beim Eis-Segeln gilt.

Hinweis:
Mehr Infos über Idniyra Europa International DN Ice Yacht Racing Association: www.iceboat.ch.

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