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Stadt Frauenfeld ehrt Schriftsteller Al Shahmani und Open-Air-OK

Einmal im Jahr ehrt die Stadt Persönlichkeiten oder Vereine, die Besonderes leisten. Der Anerkennungspreis ging diesmal an das Organisationskomitee des Open Airs. Den Förderpreis hat der irakische Schriftsteller Usama Al Shahmani erhalten.
Ursula Ammann
Stadtpräsident Anders Stokholm und Stadtschreiber Ralph Limoncelli posieren im Rathaus mit den Preisträgern und Laudatoren. (Bild: Reto Martin)

Stadtpräsident Anders Stokholm und Stadtschreiber Ralph Limoncelli posieren im Rathaus mit den Preisträgern und Laudatoren. (Bild: Reto Martin)

Eine Arbeitskollegin wollte von Usama Al Shahmani kürzlich wissen, wo er die kommenden Ferien verbringe. «Zu Hause», antwortete er. «Dann reist du also in den Irak?», fragte sie. «Nein», sagte er, «Zu Hause ist in Frauenfeld.»

Nachdem Al Shahmani am Freitagabend im Rathaus sichtlich gerührt den Förderpreis der Stadt Frauenfeld entgegennahm, erzählte er dem Publikum diese kleine Anekdote. Diese zeigte einmal mehr, wie bedeutend der Begriff «zu Hause» für ihn ist. Usama Al Shahmani, 1971 in Bagdad geboren, musste 2002 aus seiner Heimat fliehen. Dies, weil er wegen seines regimekritischen Theaterstücks auf die schwarze Liste des Geheimdienstes geriet.

Buch über die Flucht in die Schweiz

Heute lebt er mit seiner Familie in Frauenfeld, arbeitet unter anderem als Kulturvermittler und Dolmetscher und engagiert sich dafür, dass Flüchtlinge Deutsch lernen. Der Iraker hat bereits sein zweites Buch auf Deutsch herausgegeben: «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch.»

Das Werk handelt von seiner Flucht in die Schweiz, wo er sich ohne Geld und Arbeit wiederfindet, während sein Bruder Ali im Irak unter dem Terrorregime spurlos verschwindet. In dieser Situation hilft ihm die Natur. Die Bäume hören ihm mit Verständnis und ohne Vorbehalte zu und erweisen sich als mehrsprachig.

Ein Kampf um Anerkennung

Wie der Geflohene die 16 Jahre in der Schweiz erlebte, veranschaulichte Hans Peter Niederhäuser, Schriftsteller aus Weinfelden, in seiner Laudatio. Als junger Mensch der hoffnungsvollen Zukunft im eigenen Land beraubt, sei Usama Al Shahmani in der Schweiz unweigerlich in die Mühlen des Asylverfahrens geraten und mit der – wie von ihm selbst genannt – «strukturellen Empathielosigkeit behördlicher Verordnungen» konfrontiert worden.

So machte der irakische Literaturwissenschaftler und Theaterautor, der verschiedene Werke vom Deutschen ins Arabische übersetzte, die Erfahrung, dass sein akademischer Abschluss plötzlich nichts mehr wert zu sein schien und dessen Anerkennung mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden war.

Dass Usama Al Shahmani nun den Förderpreis erhalten habe, sei ein hoffnungsstiftender Entscheid der Stadt, so Laudator Hans Peter Niederhäuser und wandte sich an den Preisträger:

«Ich hoffe, dass diese Auszeichnung ein Zeichen dafür ist, dass wir in Frauenfeld nicht an schweizerischer Monokultur interessiert sind, sondern dass wir bereit sind, die Bäume in deinem Roman als Beitrag zur kulturellen Biodiversität in unserem Land zu verstehen.»

Er hoffe auch, dass Al Shahmani mit der Auszeichnung nicht zur Ausnahme gestempelt werde, «welche die Hausaufgabe gemacht und brav Deutsch gelernt hat», sondern dass der Förderpreis auch stellvertretend für andere gelte.

Stets darum bemüht, besser zu werden

Während die Stadt Frauenfeld den Förderpreis erst zum zweiten Mal verliehen hat, gibt es den Anerkennungspreis bereits seit 1982. Diesmal ging er ans OK des Open Airs Frauenfeld, welches das Preisgeld von 10 000 Franken der Jugendmusikschule Frauenfeld spenden will.

Sowohl Stadtpräsident Anders Stokholm, der die Feier moderierte, als auch Laudator Joggi Rieder von der Aufsichtskommission Allmend betonten, das OK habe sich nicht einfach auf den Lorbeeren ausgeruht, sondern sich stets bemüht, noch besser zu werden.

Rieder erinnerte sich zurück an das erste Treffen mit den Verantwortlichen. «Meine Vorbehalte zu Beginn waren sehr gross», sagte er. Überzeugt habe ihn dann aber nicht nur das Konzept des Führungsduos Wolfgang Sahli und René Götz, sondern letztlich auch die Tatsache, dass die weiteren Mitglieder des OKs Einheimische sowie bewährte und verlässliche Partner seien. Weiter sagte Joggi Rieder:

«Heute ist das Open Air Europas grösstes Hip-Hop-Festival. Und nun, weiss sogar der amerikanische Superstar Eminem, wo Frauenfeld liegt.»

Nicht mit Hip-Hop, dafür aber mit besinnlichen Klängen des Jodel-Doppelquartetts Frauenfeld und der Stadtjodler Heimelig Frauenfeld, erhielt die Feier einen würdigen Rahmen. Über 100 Personen folgten ihr «live» im Grossen Bürgersaal. Und dank Radio S Frauenfeld war sie auch im Kantonsspital und im Alterszentrum Park miterlebbar.

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