Mit Marke Eigenbau abheben auf der Frauenfelder Allmend

Modellflugsportler steuerten dieses Wochenende ihre Maschinen in spektakulären Figuren über die Grosse Allmend. Am 30. Internationalen Modell-Oldtimertreffen reichte das allein aber nicht, um bei der Wettbewerbsjury erfolgreich zu sein.

Ursula Ammann
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Ein original nachgebautes Modell fliegt über die Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

Ein original nachgebautes Modell fliegt über die Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

Mit einem lauten Rauschen hebt der Jet ab. Die Musik aus dem Lautsprecher ist kaum mehr zu hören. Wer sich gerade unterhält, unterbricht das Gespräch für einen Augenblick. Nur die Kühe, die auf der Weide nebenan grasen, zeigen sich vom Geschehen in der Luft unbeeindruckt. Sie würdigen das Modellflugzeug am wolkenverhangenen Himmel keines Blickes.

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Ganz anders die Punktrichter am Rand der Start- und Landebahn. Ihre Aufgabe ist es, einen Flug nach dem anderen zu bewerten. Ein solcher dauert zwischen 6 und 13 Minuten. Dann ist die nächste Maschine dran. Für den Piloten, der diese jeweils vom Boden aus steuert, gilt es ernst. Er muss Figuren wie Loopings, Rückenflüge und Rollen möglichst präzis ausführen. Eines ist klar: Es braucht viel Können, um die Juroren in Höhenflüge zu versetzen.

Flugzeugspannweiten bis zu vier Meter

31 Piloten sind an diesem Samstagmorgen beim Wettbewerbsfliegen auf der Frauenfelder Allmend am Start. «Es sind Teilnehmer aus der ganzen Schweiz dabei, aber auch aus Deutschland und Österreich», sagt Roman Briner, Präsident des Modellflugvereins Frauenfeld. Zusammen mit seinen Kollegen vom Organisationskomitee hat er das 30. Internationale Modell-Oldtimertreffen vorbereitet. Auch 62 Helfer sind an Bord.

Die Modellflugzeuge, die nun startklar nebeneinander auf der Wiese stehen, bestechen durch ihre Vielfalt. Diese zeigt sich nicht nur in Farbe und Form, sondern auch in der Grösse. Die Spannweite der Flugzeuge variiert zwischen eineinhalb und vier Meter. Doch eines haben alle gemeinsam: Es gibt sie in echt.

Nicht nur Punkte fürs Fliegen zählen

Roman Briner Präsident Modellflugverein Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Roman Briner Präsident Modellflugverein Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Um am Internationalen Modell-Oldtimertreffen teilnehmen zu können, müssen sie einem Original nachempfunden sein, das 30 Jahre oder älter ist. Punkte gibt es deshalb nicht nur fürs Fliegen, sondern auch für den Bau. Dem Team Baubewertung gehören Piloten aus der Zivil- und Militärluftfahrt an. Mit konzentrierten Blicken nehmen sie eine Maschine nach der anderen unter die Lupe. Zwar könnte man so ein Modellflugzeug fixfertig kaufen. «Doch viele sind selbst gebaut», erklärt Briner.

«Da stecken Hunderte bis Tausende Stunden Arbeit drin.»

3500 Stunden hat Andreas Lüthi in sein Modell namens «Bücker Jungmeister Antares» investiert. Sein Flugzeug steht nun auf dem Tisch der Baubewerter. Bereits zum 26. Mal ist der pensionierte Lehrer aus dem Kanton Bern beim Wettbewerbsfliegen in Frauenfeld dabei. Er sagt:

«Für mich bedeutet dieser Anlass immer den Start in die Saison.»

Damit meint er das Fliegen. Seiner Leidenschaft, dem Modellflugsport, frönt der 26-fache Schweizer Meister, achtfache Weltmeister und vierfache Europameister aber das ganze Jahr. Wenn nicht draussen, dann beim Basteln in der Werkstatt. Sogar Instrumente aus der Zahnmedizin setzt der 65-Jährige ein.

Zum zweiten Mal dabei ist Michael Würth, einer der jüngsten Piloten des Anlasses. Der 12-Jährige ist quasi mit Modellflugzeugen aufgewachsen, denn schon sein Vater ist ein begeisterter Flieger. Die Faszination hat sich auf den Sohn übertragen. Michael Würth ist praktisch jeden Samstag am Üben. Auch den Wettbewerb mag er. «Er macht Spass, bietet Abwechslung und man sieht coole Leute», sagt der Thurgauer. Auch für alle anderen Teilnehmer dürfte die Zeit auf der Grossen Allmend wie im Flug vergehen.

Fasziniert vom Fliegen mit Fernsteuergerät

Das 28. Internationale Modell-Oldtimertreffen auf der Grossen Allmend hat nicht nur zahlreiche Schaulustige angelockt. Selbst Stadtpräsident Anders Stokholm liess sich in die Kunst der Modellfliegerei einweihen.