Mit früher Mundartliteratur historisch gepunktet

Schloss Berg begab sich auf eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit. Denn im Gebäude fand eine Buchvernissage des Historischen Vereins Thurgau statt, die sich mit dem Thema Glaubenskrieg befasste.

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Die Präsidentin des Historischen Vereins, Karin Bauer, überreicht Autor Hans Peter Niederhäuser den ersten Band seines Buches.(Bild: PD)

Die Präsidentin des Historischen Vereins, Karin Bauer, überreicht Autor Hans Peter Niederhäuser den ersten Band seines Buches.(Bild: PD)

Ein Haus kann vieles sein – dies zeigte sich am Freitagabend im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum Schloss Berg. Dort, wo keine Stunde zuvor die Bewohner noch ihr Abendessen einnahmen, war wenig später der Saal festlich eingerichtet, um die Vernissage von Hans Peter Niederhäusers Buch zu feiern. «Konfessioneller Krieg und literarischer Dialog» (Die Thurgauer Gespräche zum Ersten Villmergerkrieg 1655/56) umfasst 455 Seiten.

Vor rund 60 Gästen bezeichnete der Präsident der Publikationskommission des Historischen Vereins, Peter Erni, den 156. Band der «Thurgauer Beiträge zur Geschichte» als «umfassende historische und gleichsam literaturkritische Arbeit».
Die «Thurgauer Gespräche», die auf sechs Originalflugschriften basieren und die religiösen Irrungen und Wirrungen des 17. Jahrhunderts aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten, lassen sich nicht verorten oder gar an einem Autor festmachen. Und doch sei, so Erni, das Schloss Berg für diese Vernissage «bestens geeignet».

Denn zum einen habe dieses nicht nur im 17. Jahrhundert im Brennpunkt eines 23-jährigen konfessionellen Konfliktes gestanden, sondern in den 1830er-Jahren habe Annette Droste von Hülshoff hier ihr Gedicht «Schloss Berg» geschrieben, so dass durchaus behauptet werden dürfe, dass Religion und Literatur im Schloss Berg schon seit Jahrhunderten zu Hause seien.

Früheste schweizerische Mundartliteratur

Inhaltlich ediert, kommentiert und analysiert der Autor Flugschriften aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Darin werden die politisch-religiösen Standpunkte der Kontrahenten im Ersten Villmergerkrieg in Dialoge gegossen, die angeblich in Thurgauer Beizen stattgefunden haben sollen.

Einen solchen, nämlich das «Bantli»-Gespräch, stellten Hannes Steiner (als Landrichter Egger aus Birwinken) und Nathalie Kolb (als Wirtin Madleni) an der Vernissage szenisch dar, indem sie nicht nur entsprechend historisch gewandet auftraten, sondern sich auch des im 17. Jahrhundert gesprochenen Dialektes befleissigten. Sehr zur Freude von Hans Peter Niederhäuser, der die Flugschriften zu der «frühesten schweizerischen Mundartliteratur» zählte.

Sein Doktorvater – das Werk diente Niederhäuser zur Erlangung der Doktorwürde an der Universität Zürich –, Max Schiendorfer, liess es sich nicht nehmen, seinem (fast gleichaltrigen) wissenschaftlichen Zögling zu gratulieren. Schiendorfer sagte, das vorliegende Werk sei «eine gewichtige Studie», bei der es «ein Spätberufener noch einmal richtig so wissen wollte». (red)