Mit einer Ode an den Laubbläser: Jan Rutishauser krönt sich in Frauenfeld zum Slam-König von Mostindien

Jan Rutishauser gewinnt den zehnten «Slam in Mostindien» im Frauenfelder Eisenwerk. Er hatte die Lacher des Publikums auf seiner Seite und zeigte sich zwischendurch tiefsinnig.

Christoph Heer
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Poetry-Slam-Sieger Jan Rutishauser lässt sich im Eisenwerk feiern.

Poetry-Slam-Sieger Jan Rutishauser lässt sich im Eisenwerk feiern.

(Bilder: Reto Martin)

Blaues Blut wird in Mostindien nicht vererbt. Die Wortfechter erkämpfen es sich mit verbalem Hochgeschick. So werden wiederum Reden geschwungen und Pamphleten vorgetragen, stets unter den fokussierten Augen und spitzfindigen Ohren einer Königin. Olga Lakritz, die Hoheit, die Erhabenheit, wird nämlich versuchen, ihren Titel zu verteidigen. Doch das wird schwierig, denn die Herausforderer sind gewappnet, haben sich vorbereitet und zeigen sich kämpferisch.

Es ist am Samstagabend im Eisenwerk während kurzweiliger drei Stunden der zehnte Poetry Slam in Mostindien und zugleich der zweite «Slam Royal». «Dabei sein ist alles, hiesse der olympische Gedanke. Mitnichten. Frisch, fromm, fröhlich, frei, trifft es schon eher. Aber auch das ist Unfug.» Jan Rutishauser, Berufskabarettist aus St.Gallen, findet ein Zitat von Julis Cäsar passender, denn dieser, «kam, sah und siegte.»

Für den 32-jährigen Rutishauser, in Güttingen aufgewachsen, ist es in diesem Moment ein Auftritt, der ihn noch weit bringen wird. «In unserer «Slamily» geht es in erster Linie gar nicht ums Gewinnen. Ja gut, ich gebe zu. Manchmal entscheidet sich das Publikum halt schon falsch, vor allem, wenn ich nicht gewinne.»

Die Lacher überborden, auf der Treppe wird gestampft und in der hintersten Reihe kriegt sich eine junge Dame kaum mehr ein. Es scheint, als hätte Jan Rutishauser echte Gewinnchancen. Dass Poetry Slam indes überaus tiefsinnig sein kann, beweist er mit lediglich sechs Wörtern:

«Wer gesund stirbt, ist trotzdem tot.»

Eigentlich bewegen sich die Konkurrenten auf gleichem Level, einfach auf andere Art und Weise. Beim Jan Rutishauser wird einfach noch ein bisschen mehr applaudiert, das macht ihn zum unbestrittenen Publikumsliebling, Sieger und neuen Slamkönig.

Standesgemäss zelebriert der neue Slam-König seine Krönung mit einer Flasche Whisky.

Standesgemäss zelebriert der neue Slam-König seine Krönung mit einer Flasche Whisky.

Seine Ode an den Laubbläser sorgt für wahnwitzige Bilder in den Köpfen des Publikums. «Der Laubbläser. Und das Blatt hat sich gewendet. Der Laubbläser als Hochdruckreiniger für Nacktkatzen, oder als Spielrohr für Hamster.» Der Laubbläser werde seines Rufes nicht gerecht, das liegt laut Rutishauser auch daran, dass das Gerät zu 80 Prozent seiner Lebensdauer in der Garage herumliegt.

Olga Lakritz muss ihre Krone abgeben.

Olga Lakritz muss ihre Krone abgeben.

Der Pöbel, also das Publikum, hat sich nach einem hochstehenden Finale für Jan Rutishauser und gegen die amtierende Königin Olga Lakritz entschieden. Sie nimmt es fair und betont, dass er ein verdienter Sieger ist. «Wir sind in etwa gleich lang in der Szene mit dabei, ich mag es ihm gönnen», sagt sie.

Zum Schluss erfolgte dann doch noch eine traurige Mitteilung, welche die Mitorganisatorin Anschi Inauen betrifft. «Nach über fünf Jahren widme ich mich nun vermehrt neuen Herausforderungen. In die Bresche springt derweil Petra Cambrosio. Sie wird mit Raphael Kaufmann und Sven Hirsbrunner weiterhin dafür sorgen, dass hier famoser Poetry Slam Platz haben wird», sagt die Sympathieträgerin und Kulturbegeisterte Inauen.