Das Aadorfer Freibad und das Strandbad Bichelsee blicken auf eine überraschend gute Saison zurück

Der schöne Sommer sorgte dafür, dass die Saison 2020 in den Hinterthurgauer Freibädern besser endete, als wegen Corona befürchtet.

Kurt Lichtensteiger
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Vor dem Wetterumschwung wagen sich Unentwegte in den herbstlichen Bichelsee.

Vor dem Wetterumschwung wagen sich Unentwegte in den herbstlichen Bichelsee.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

In dieser Woche ist das warme Spätsommerwetter langsam den kühlen Herbsttagen gewichen. Um die Mittagszeit hat die Sonne die Lufttemperatur zwar manchmal noch richtig ansteigen lassen. Auch das Wasser mit seinen 20 Grad würde noch zu einem Sprung ins Nass verleiten. Doch seit dem Bettagsamstag ist das Aadorfer Freibad am Heidelberg geschlossen.

Die paar noch schönen Tage kamen den Badverantwortlichen gerade recht für die Ausserbetriebnahme: Die Badewassertechnik wird kontrolliert, Leitungen werden entleert, Absperrungen beseitigt und Eisbrecher ins Bassin gelegt. Auch hinsichtlich Umgebungsarbeiten gibt es noch einiges zu tun, bis das Bad wintertauglich gemacht ist.

Sabrina Herzog Leiterin Bäder Aadorf

Sabrina Herzog
Leiterin Bäder Aadorf

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Vor Ort ist auch Sabrina Herzog, seit vier Jahren mit der Leitung der Bäder Aadorf betraut. Mit zwei Festangestellten erfüllt die Badmeisterin einen 100-Prozent-Job. Zur Badesaison 2020 zieht sie insgesamt betrachtet eine positive Bilanz: «Mich freute die hohe Kundenzufriedenheit. Auch die coronabedingten Absperrungen und Beeinträchtigungen wurden von den Badegästen wohlwollend angenommen», sagt die Leiterin. «Offensichtlich war man froh, dass die Badi überhaupt geöffnet werden konnte.» Wegen möglicher Berührungsängste seien ältere Semester im Vergleich zu früher vielleicht etwas zeitiger in den Vormittagsstunden gekommen, was durchaus verständlich sei. «Weder Reklamationen noch besondere Vorkommnisse oder Einbruchsversuche trüben das positive Bild.»

Mit insgesamt 21655 Besuchenden weist die Statistik doch ein erfreuliches Ergebnis aus, zumal das Bad im Monat Mai ganz geschlossen war und nach der Öffnung ab 8. Juni wegen schlechten Wetters nur 2417 Gäste registriert werden konnten. Der Juli brachte es immerhin auf eine Besucherzahl von 9852. Ein Hinweis, dass offenbar viele Leute umständehalber zu Hause geblieben waren. Auch der August mit 5811 Besuchern lässt sich sehen. Im September blieb das Bad eine Woche länger offen, was noch knapp 900 Besucher anlockte.

Unabhängig vom Bäderteam wurde der Kiosk von einer Tibeterfamilie betrieben. Mit Erfolg, wie unsere Zeitung berichtete, und Badegäste in der Folge auch bekräftigten. «Wir sind nach einem schleppenden Anfang von den vielen Aadorferinnen und Aadorfern gut aufgenommen worden, haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und blicken auf eine schöne Sommerzeit zurück», heisst es von den gastgebenden Familienmitgliedern. «Wir freuen uns jetzt schon auf die kommende Saison, in der wir wieder hundertprozentigen Einsatz leisten werden.» Kann die Kontinuität in beiden Betriebsbereichen gewahrt werden, so sind das ideale Vorzeichen.

Letzte Badegäste im Bichelsee

Kurz vor dem Wetterumschwung bewegte sich auch im Bichelsee die Wassertemperatur immerhin noch knapp über 20 Grad. Fehlende Sonnenstrahlen haben jedoch nur eine kleinere Anzahl von Badegästen anlocken können. Sie haben sich an den Tischen und auf der Wiese breitgemacht. Beim Blick über die Wasserfläche tauchen lediglich vereinzelte Köpfe von Schwimmern auf, die gemächlich ihre vorgesehenen Runden drehen. Vom üblichen Kommen und Gehen, einem Stimmengewirr und Lautsprecherdurchsagen ist also nichts zu spüren. Es herrscht ungewöhnliche Ruhe, die an diesem beschaulichen Begegnungsort wohl so sehr geschätzt wird.

Jekatarina Herrsche aus Wängi ist mit einer Kollegin an den Bichelsee gekommen.

Jekatarina Herrsche aus Wängi ist mit einer Kollegin an den Bichelsee gekommen.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Weshalb die Gestade des Bichelsees gerne aufgesucht werden, offenbaren stellvertretend zwei Aussagen: «Wir beide schätzen die naturnahe Umgebung, das naturbelassene Wasser und die friedliche Stimmung», sagt Jekatarina Herrsche aus Wängi im Beisein ihrer Kollegin. Ebenfalls sind zwei Aadorferinnen seit Jahrzehnten regelmässige Besucherinnen. «Auch dieses Jahr haben wir das Abo wieder mehrfach herausgeschlagen», sagen die beiden übereinstimmend, um gleich auch noch die bekömmlichen Pommes und Pizzas über den grünen Klee zu loben.

Fakt ist: Hierherkommen nicht nur Wasserratten, sondern Sonnenbädler, Jasser, Naturliebhaber oder einfach Leute für einen Schwatz. Die meisten stammen aus den Kantonen Zürich, Thurgau und St.Gallen. Weil Kinderbädli, Floss und Steg coronabedingt abgesperrt wurden, sind Familien mit Kindern derzeit in der Minderzahl. Jugendliche ihrerseits scheinen andernorts mehr Betätigungsmöglichkeiten vorzufinden und sich lieber unter ihresgleichen zu bewegen. Vielleicht mit ein Grund, dass sich ältere Leute am Bichelsee unter den schattenspendenden Bäumen und Sonnenschirmen besonders wohlfühlen und von keinen Berührungsängsten abgehalten werden. Eine Topfigur sowie das Sehen und Gesehenwerden stehen zweifellos nicht im Vordergrund.

Keine Angaben zu Besucherzahlen

Badmeister Guido Müller beklagt sich nicht über die Anzahl der Besucher, die zuhauf in den Monaten Juli, August und September gekommen sind. «Dank dem günstigen Wetter sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.» Zu den Besucherzahlen will er sich indessen nicht explizit äussern. Offen lässt er auch, wann endgültig Schluss sein wird. Ein Tisch und eine Bank, worauf liegengebliebene Badetücher, Badekleider und Schuhe aufliegen und gratis zum Mitnehmen sind, deuten allerdings darauf hin, dass für die Saison 2020 das unabänderliche Ende gekommen ist.

«Zum Mitnehmen. Gratis» Die Abgabe von liegengebliebenen Gegenständen zeugt vom Saisonende am Bichelsee.

«Zum Mitnehmen. Gratis» Die Abgabe von liegengebliebenen Gegenständen zeugt vom Saisonende am Bichelsee.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)