«Mit den alten Richtlinien waren nicht alle Betroffenen glücklich»: Im Thurgauer Wald gelten neue Regeln

Die überarbeiteten Richtlinien für Veranstaltungen im Wald haben mehr Bewilligungen zur Folge. Die bisherigen Richtlinien von 1996 hätten nur die Bedürfnisse des Sports abgedeckt und den aktuellen Bedingungen und Anforderungen nicht mehr genügt.

Kurt Peter
Drucken
Teilen
Sport im Wald: Orientierungslauf.

Sport im Wald: Orientierungslauf.

Bild: Tom Ulrich

«Mit den alten Richtlinien waren nicht alle Betroffenen glücklich. Dass es Überarbeitungsbedarf gab, war klar», erklärt Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. Seit diesem Jahr gelten für Veranstaltungen im Thurgauer Wald nun neue Richtlinien. Diese wurden von den Departementen Bau und Umwelt sowie Erziehung und Kultur erarbeitet.

Die bisherigen Richtlinien von 1996 hätten nur die Bedürfnisse des Sports abgedeckt und den aktuellen Bedingungen und Anforderungen nicht mehr genügt. Neu sind neben Sportveranstaltungen auch Feste, Events, Auf- und Vorführungen, Lager und Camps bewilligungspflichtig, «wenn der Wald über das ordentliche, ortsübliche Mass hinaus beansprucht oder wesentlich beeinträchtigt wird», heisst es in den Richtlinien.

Kantonsforstingenieur Daniel Boehi.

Kantonsforstingenieur Daniel Boehi.

Bild: Reto Martin

Der Bewilligungspflicht unterliegen ein- oder mehrtägige Veranstaltungen mit mehr als 500 Beteiligten. Sie sind schriftlich mindestens sechs Monate vor dem Termin beim Forstamt einzureichen. «So ist sichergestellt, dass die betroffenen Ämter, aber auch Forstrevierkörperschaften, Förster, Grundeigentümer und Jagdgesellschaften Stellung zu den Gesuchen nehmen können», erklärt Daniel Böhi. Bei Sommerlagern beispielsweise werde Kulturland für die Infrastruktur, der Wald für Spiele und Erkundungstouren genutzt.

Attraktivere Biketrails schaffen

Die heute bestehenden Waldreservate waren 1996 noch nicht umgesetzt, «allerdings schon angedacht, diese ausgewiesenen Schutzgebiete dürfen für Veranstaltungen nicht beansprucht werden». Ebenso sind aus Rücksicht auf die Tiere vom 15. April bis 30. Juni Veranstaltungen zu unterlassen, heisst es in den Richtlinien. Besondere Bestimmungen gibt es für den Orientierungslauf.

Für nationale Läufe muss beim Forstamt schriftlich ein Gesuch für eine Rahmenbewilligung gestellt werden. «Orientierungslauf ist anerkannt und hat im Thurgau eine hohe Akzeptanz», hält Daniel Böhi fest. Das sieht auch Martin Leemann als Chef des kantonalen Sportamtes so:

«Auch dank international erfolgreicher Thurgauer Läufer hat dieser Sport einen hohen Stellenwert.»

Für die Biker wünsche er sich ein attraktiveres Angebot: «Der bestehende Trail zwischen Kreuzlingen und Ermatingen ist ein guter Anfang, aber für aktive und erfahrene Sportler bietet er keine hohen Herausforderungen.» In den Regionen Ottenberg und Hinterthurgau sehe er viel Potenzial. Attraktive Biketrails könnten seiner Meinung nach die gewünschte Kanalisierung auf die dafür bezeichneten Wege fördern.

Der gesunde Menschenverstand ist gefragt

Die Hoffnung auf einen Lenkungseffekt sei aber gering, erklärt Daniel Böhi weiter.

«Biker sind ein extremer Störfaktor für die Tiere, leider ist dies den wenigsten Fahrern bewusst.»

Für ihn wie auch für Martin Leemann ist der gesunde Menschenverstand gefragt: «Die heutige technische Ausrüstung der Bikes erlaubt deutlich forscheres Fahren, doch es gilt, Rücksicht zu nehmen», meint der Chef des Sportamtes. Das freie Betretungsrecht des Waldes sei eine Errungenschaft, die es zu erhalten gelte, ergänzt Daniel Böhi.

Thurgaus schlechter Ruf bei Pfadis

Im Thurgau sei, im Vergleich zu anderen Kantonen, kein Waldstück als Lagerplatz zu bekommen, kritisiert die Pfadi. Das Thurgauer Forstamt findet die Kritik übertrieben. Man unterstütze Jugendorganisationen, die ein Lager organisieren.
Silvan Meile

Thurgauer Forstamt wehrt sich gegen Kritik der Pfadi

FRAUENFELD. Im Thurgau sei, im Vergleich zu anderen Kantonen, kaum ein Waldstück als Lagerplatz zu bekommen, kritisiert der Pfadi-Kantonalverband Pfadi St. Gallen-Appenzell (Ausgabe vom Mittwoch).
Silvan Meile