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Mit Demut, aber auch Kanten geht Harry Müller in Wagenhausen in den politischen Ruhestand

Seine Zeit als Präsident der Gemeinde mit den vier Dörfern ist zu Ende. In den Ruhestand zieht es den 61-Jährigen aber noch nicht. Es gilt, bei zwei Firmen die Nachfolge aufzugleisen. Und da sind noch drei Enkel.
Margrith Pfister-Kübler
Ab sofort nur noch Unternehmer und Grossvater: Harry Müller. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Ab sofort nur noch Unternehmer und Grossvater: Harry Müller. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Es geht Schlag auf Schlag. Vor einer guten Woche leitete Harry Müller seine letzte Gemeindeversammlung. Offiziell heute übernimmt sein Nachfolger Roland Tuchschmid. Müllers zwölf Jahre als Gemeindepräsident, davor vier Jahre als Gemeinderat: eine lange Zeit. Zur Politik kam der Architekt HTL und Unternehmer, weil er damals angefragt wurde. Er gesteht, dass ihm die politische Arbeit sicher fehlen werde. Sein Engagement fasst er wiefolgt zusammen:

«Etwas bewegen, das ist der Plausch. Ich habe es immer sehr gern gemacht und habe ganz einfach Freude am Schaffen.»

Ab Juni trägt er nur noch einen Hut: den des Unternehmers. In der Firma Müller + Partner AG und in der Camping Wagenhausen AG will der Vater von drei Töchtern und Grossvater von drei Enkeln künftig als Unternehmer vermehrt die Strategie und die Nachfolge in seinen Unternehmen aufbauen. «Alle Analysen werden zusammen mit den Kindern gemacht», sagt Harry Müller und strahlt seine Ehefrau Heidi an.

Üben, üben und nochmals üben an der Trompete

Sie erzählen, dass sie sich am 19. Mai vor 40 Jahren in der Stadtmusik Stein am Rhein kennen gelernt haben. Heidi Müller spielt dort noch heute Klarinette. Harry Müller spielte Trompete. Und wenn er künftig nicht mehr als Gemeindepräsident unterwegs ist, will er seine Trompetenkenntnisse mit Musikstunden wieder auffrischen. Er sei darauf gefasst, dass dies heisse: üben, üben und nochmals üben.

16 Jahre in der Politik, das ist eine lange Zeit. Verdient man sich da viele Lorbeeren? Harry Müller bleibt – wie immer – bescheiden, er wirkt zufrieden. Er hat sich einen Namen als dossiersicheren Politiker mit grossem Erfahrungsschatz gemacht, einer der über den Tellerrand hinausschaut und die Teamkultur pflegt. Gradlinig, gesellig und grosszügig, so lauten Einschätzungen von langjährigen Weggefährten. Wenn es zu Schlagabtauschen kommt, dann steht er solche mit Fairness durch, spricht aber auch klare, kantige Worte:

«Es geht schon mal an die Nerven, wenn die Behörde mit falschen Argumenten angegriffen wird und wir nichts sagen dürfen wegen eines laufenden Verfahrens.»

Sein Glück sei, dass er immer einen guten Rückhalt in der Familie hatte. In der Pfadi, im Militär, im Unternehmen und in Verbänden gab es für ihn immer lockende Engagements. «Alle Aufgaben muss man mit ganzem Herzen übernehmen», sagt er sichtlich stolz, manifestiert sich an ihm doch unübersehbar Erfolg für die Gemeinde, die Region und das Familienunternehmen. Die Vielfalt lehre Variantendenken, betont der parteilose Harry Müller und wünscht sich, dass unternehmerisches Denken in der Politik besser vertreten ist.

Geothermie, Hausärzte und ÖV-Anbindung

Und welches waren die brisantesten Themen in den 16 Jahren? Es blitzt kurz auf in seinen Augen, dann spricht er vom Geothermie-Projekt, von der Bau- und Zonenplanrevision, von der Infrastruktur, vom Hochwasserschutz und vom Wohn- und Geschäftshaus auf dem Grundstück «Schööfenwis» in Kaltenbach, wo künftig die Ärzte am Rhein zentrale Gesundheitsversorgung sicherstellen. Ein Dauerthema sei der öffentliche Verkehr, speziell die Anbindung von Kaltenbach-Wagenhausen.

Ein Glück sei, dass die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, dem Kanton Schaffhausen und dem angrenzenden deutschen Gebiet gut laufe. «Den See und den Rhein müssen wir touristisch gemeinsam vermarkten», sagt Müller. Immerhin: Sein Campingplatz Wagenhausen wurde im vergangenen Jahr mit dem Thurgauer Tourismuspreis gekrönt.

Eine straffe Verwaltung und ein kritischer, aber fairer Blick, das ist Müller immer sehr wichtig. «Für Wagenhausen wünsche ich mir Bewohner, die sich für eine gute Kombination von Arbeit und Wohnen einsetzen», sagt er. Dabei sei eine Kontinuität in der Behörde wichtig, denn «die Aufgaben in den Behörden sind schwieriger und komplexer geworden».

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