Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wahl zur höchsten Frauenfelderin: Mit Berner Charme und Peitsche

Heute die Wahl zur Gemeinderatspräsidentin, morgen ihr 44. Geburtstag: Bei Barbara Dätwyler Weber läuft’s rund. Die SP-Politikerin ist nicht auf den Mund gefallen. Und an Führungserfahrung fehlt es ihr auch nicht.
Mathias Frei
Daheim einmal über die Strasse – und Barbara Dätwyler Weber lehnt auf dem Friedhof Oberkirch an einem Baum. (Bild: Donato Caspari)

Daheim einmal über die Strasse – und Barbara Dätwyler Weber lehnt auf dem Friedhof Oberkirch an einem Baum. (Bild: Donato Caspari)

Schon wieder eine Frau. Dann noch SP. Und nicht einmal eine von hier, sondern aus Bern. Das mögen sich die einen denken. Barbara Dätwyler Weber ist das sowas von egal. Sie hat in der Pflege lang genug Kaderpositionen bekleidet, um zu wissen, dass es auch manchmal einsam sein kann. «Harmoniebedürftig? Nur im Privaten», sagt sie. Heute Abend wählt sie der Gemeinderat für ein Jahr zur höchsten Frauenfelderin, zur Gemeinderatspräsidentin. Wer an ihre Wahlfeier eingeladen ist und bis um Mitternacht ausharrt, kann grad noch auf ihren Geburtstag anstossen. Morgen wird sie 44 Jahre alt.

Dätwyler Weber ist nicht auf den Mund gefallen, sie kann austeilen, aber auch einstecken. Und vor allem steckt sie einen an mit ihrem Lachen. Sie spricht vom «Berner Charme».

Das kalte Engadin wäre die Alternative gewesen

Die designierte Gemeinderatspräsidentin ist nicht von hier, das hört man ihr an. Es klinge schrecklich, wenn sie «Thurgauertütsch» spreche, sagt sie. Sprachlich ein wenig geschliffen ist sie aber. Denn ihr halbes Leben lebt sie schon im Thurgau. In der Ausbildung zur Pflegefachfrau gab es ein obligatorisches Semesterpraktikum. Die Alternative zum Kantonsspital Münsterlingen wäre Samedan gewesen. Das war ihr zu kalt, und die Erinnerungen an die Bodensee-Familienferien waren zu positiv. Nach dem Abschluss ging sie wieder nach Münsterlingen, wo sie nun seit 22 Jahren arbeitet. Bald lernte sie ihren Mann – vom Bielersee stammend – kennen, der in Zürich arbeitete. Sie zogen vor 19 Jahren in die Mitte zwischen Münsterlingen und Zürich: nach Frauenfeld. Heute lebt Dätwyler Weber mit ihrem Mann und den zwei Söhnen im historischen Friedhofsverwalter-Haus im Oberkirch.

"Wenn es sein muss, werde ich Voten auch unterbrechen." (Barbara Dätwyler Weber)

Sie stammt aus einem sozialdemokratischen Haushalt, der Vater war in der Burgdorfer Exekutive, die Mutter Schulpolitikerin. «Für mich war immer klar: SP, weil die Partei mir inhaltlich sehr nah ist.» SP-Mitglied ist Dätwyler Weber aber erst seit sieben Jahren, vor zwei Jahren rückte sie in den Gemeinderat nach. In der Berufspolitik ist die Rothaarige, die eigentlich blond ist, schon seit 20 Jahren aktiv. Am ersten Gesamtarbeitsvertrag der Spital Thurgau AG war sie massgeblich beteiligt. Sie ist Präsidentin des Berufsverbandes Pflege Ostschweiz, sitzt im Vorstand von Personal Thurgau. Und dann waren da ihre zwei politischen Ziehmütter Edith Wohlfender und Barbara Kern, beide SP-Kantonsrätinnen. Sie gaben der Frauenfelderin den entscheidenden «Schupf», um den Schritt in die Lokalpolitik zu wagen. Mittlerweile gehört Dätwyler Weber auch der Geschäftsleitung der SP Thurgau an und rückt für Christa Thorner in den Grossen Rat nach. In der letzten Grossratssitzung vor den Sommerferien legt die höchste Frauenfelderin ihr Amtsgelübde ab.

Im Spital schraubt sie massiv zurück, vorerst jedenfalls. Seit 22 Jahren hat sie immer mindestens zu 60 Prozent in der Pflege gearbeitet. «Das ist und bleibt mein Traumberuf.» Nun wechselt sie auf ihrer Station in einen Springer-Pool. Gerade wenn man Schicht arbeite, sei es nicht einfach mit der Familienzeit. Jetzt schafft sie sich diese.

In Burgdorf geboren und aufgewachsen

Barbara Dätwyler Weber (*1974) stammt aus Burgdorf. Sie machte dort die Schulen und absolvierte danach am renommierten Lindenhofspital in Bern die Ausbildung zur Pflegefachfrau (damals: Krankenschwester). Über ein Praktikum kam sie in den Thurgau. Seit 22 Jahren arbeitet sie am Kantonsspital Münsterlingen, wo sie mehrere Führungspositionen bekleidet hat, unter anderem war sie Stationsleiterin Chirurgie. Seit knapp 20 Jahren lebt sie in Frauenfeld. Sie ist verheiratet mit dem Architekten Adrian Weber und hat mit ihm zwei Söhne, Sämi und Max, im Primarschulalter. (ma)

In der Pflege sehe man am nächsten Tag, wie es einem Patienten gehe, in der Politik seien die Effekte eher langfristig; zwei Qualitäten von Erfolg. Dass im Frauenfelder Gemeinderat der Ton schärfer geworden ist, hat sie festgestellt. Zugleich werde auch das Gesellschaftliche vermehrt gepflegt. Fair müsse ein Gemeinderatspräsidium sein, alle zu Wort kommen lassen. «Wenn es sein muss, werde ich Voten unterbrechen.» Und nötigenfalls packe sie die Peitsche aus. Sie geht mit Respekt an die Aufgabe, mit der Sitzungsleitung werde sie kaum Mühe haben. Eine grössere Herausforderung sieht sie in überemotionalisierten Themen.

Nicht zuletzt sei es ihr ein Anliegen, zu zeigen, dass die Vereinbarkeit von Beruf, Politik und Familie funktioniere. Dafür kann es auch mal vorkommen, dass die höchste Frauenfelderin ihre zwei Söhne Sämi und Max an eine Einladung mitnimmt, ihre beiden Jungpolitiker.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.