Mit Anlauf in die Kiesgrube: Der Widerstand gegen eine Umzonung in Uesslingen-Buch scheint verschwunden zu sein

Vorinformation zur Rechnungsgemeinde von politisch Uesslingen-Buch Ende Oktober: Es geht um den Abbau von jährlich 80'000 Kubikmeter Kies. Vor neun Jahren scheiterte die notwendige Umzonung. Dieses Mal könnte es reichen

Mathias Frei
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Mit einer Umzonung auf Uesslinger Gemeindegebiet soll auf der grünen Parzelle in der Mitte Kiesabbau möglich werden. Hinten liegt der Weiler Hinterhorben.

Mit einer Umzonung auf Uesslinger Gemeindegebiet soll auf der grünen Parzelle in der Mitte Kiesabbau möglich werden. Hinten liegt der Weiler Hinterhorben.

(Bild: Andrea Stalder)

Ausfällig wird keiner. Aber die Informationen kommen geballt. Fast zwei Stunden geht es am Mittwochabend in der Uesslinger Turnhalle um den Kiesabbau im Drei-Gemeinden-Eck von Uesslingen-Buch, Hüttwilen und Warth-Weiningen.

«Wir wollen einen fairen Kiesabbau ermöglichen.»

Das sagt Gemeindepräsidentin Elisabeth Engel. Dieser Infoabend solle die nötige Transparenz schaffen. Am Schluss gibt es ein halbes Dutzend Voten. Emotionen kochen keine hoch. Die Hauptprobe für die Uesslinger Rechnungsgemeinde im Oktober geht nüchtern vonstatten. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht, dass die Umzonung von Landwirtschafts- in Kiesabbauzone diesmal gelingen dürfte.

Elisabeth Engel, Gemeindepräsidentin Uesslingen-Buch.

Elisabeth Engel, Gemeindepräsidentin Uesslingen-Buch.

(Bild: Andrea Stalder)

Dasselbe Geschäft war im Mai 2011 noch durchgefallen. Die Gesichter der Experten, die nach Uesslingen gekommen sind, kommen einem denn nun, neun Jahre später, auch bekannt vor. Die Informationen zu Geologie oder Verkehrsführung der Lastwagen sind nicht neu. Es geht weiterhin um ein vermutetes Kiesabbauvolumen von 1,585 Millionen Kubikmeter. Jährlich dürften maximal 80'000 Kubik abgebaut werden. Bei 230 Arbeitstagen jährlich würde der Kiesabbau zu 73 LKW-Fahrten pro Tag führen.

Auch Hüttwilen muss nochmals abstimmen

Im neuerlichen Anlauf stehen drei Kiesabbauetappen nördlich von Hinterhorben im Fokus. Die Hälfte davon liegt auf Uesslinger Boden. Seit 2001 gibt es einen behördenverbindlichen «gemeinsamen Richtplan Kiesabbau» von Warth-Weiningen, Hüttwilen und Uesslingen-Buch. So kommt auch die 2011 in Hüttwilen bereits bewilligte Umzonung nochmals vor die dortige Gemeindeversammlung. In Warth-Weiningen dagegen war die Zonenplanänderung schon vor dem Richtplan erfolgt und bleibt rechtskräftig.

«Der Gemeinderat hat in dieser Sache schon viel Vorarbeit geleistet.»

Das sagt Gemeindepräsidentin Engel. Zudem wurde nach Wiederaufnahme der Planung vor drei Jahren auch eine Begleitgruppe mit Bevölkerungsvertretern gebildet.

«So wollen wir die Anliegen der Betroffenen ernst nehmen.»

So erklärt es Engel. Laut Thomas Tschopp, dem von der Gemeinde eingesetzten Planer, wird der Kiesabbau als umweltverträglich beurteilt. Auch die Lärmbelastungen durch den Verkehr und den Betrieb seien «weit unter den Grenzwerten», etwa für die Einwohner von Hinterhorben. Wie Franz Damann als Vertreter der Kiesabbaufirmen auf Anfrage sagt, kommt der Gemeinde ein direkter Gegenwert pro abgebautem Kubik zugute. Dieser Betrag liege näher am Kiesfranken als am Kiesrappen, könne aber auch in Form eines Infrastrukturbeitrags erfolgen.

Geologe Simon Roth erläutert den drei Dutzend Interessierten die Begebenheiten im Untergrund des Iselisberg. «Wir Geologen sind der Meinung: Es besteht keine Gefährdung des Grundwassers.» Der Kiesabbau dürfe bis maximal zwei Meter über dem Grundwasserspiegel reichen. «Die Vorgabe kann nicht diskutiert werden», sagt Roth. Geologische Resultate könnten eine gewisse Unschärfe aufweisen. Aber es gebe Massnahmen zur schnellen Absicherung.

«Grundwasser ist definitiv das grössere Heiligtum als Kies.»
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