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Misshandelt, missbraucht, vergewaltigt: Prozess gegen mutmasslichen Kinderschänder in Arbon vertagt

Das Bezirksgericht Arbon vertagte am Montag die Verhandlung gegen einen mutmasslichen Vergewaltiger von Kindern. Es folgte der Verteidigung und fordert ein Glaubhaftigkeitsgutachten ein.
Barbara Hettich

Untersetzt und durchtrainiert, markantes Profil und kahl geschorener Kopf – der 39-jährige Mann der am Montag vor Bezirksgericht Arbon stand, machte nicht den Eindruck, dass er sich nicht wehren kann und deshalb seine Aggressionen an Kindern auslassen müsste. Und doch tat er dies gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bischofszell: Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache Vergewaltigung, mehrfache einfache Körperverletzung, Urkundenfälschung und Veruntreuung wird ihm zur Last gelegt und dafür soll er bei einer 10-jährigen Freiheitsstrafe büssen.

Eine Stunde in die Ecke stehen

Die Erziehungsmethoden, die der Mann bei den Kindern seiner ehemaligen Lebenspartnerin, seines Kindes und auch bei den Kindern seiner heutigen Partnerin anwandte, sprechen für sich. Die kleinen Kinder mussten bis zu einer Stunde in die Ecke des Zimmers stehen, wenn sie nicht aufassen, zu langsam assen, ins Bett machten oder auch nur wimmerten.

Dies führte bei den Kindern einerseits zu intensiven körperlichen Schmerzen und längerfristig zu psychischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, insbesondere in Form von Ängsten vor neuerlicher Bestrafung, heisst es in der Anklageschrift. Der Beschuldigte schlug zudem auch mit dem Holzlöffel zu.

Er missbrauchte das Mädchen über zwei Jahre

Das schwerste Delikt, das dem Angeklagten aber vorgeworfen wird, ist die mehrfache Vergewaltigung des ältesten der Kinder, einem damals 9- bis 10-jährigen Mädchen. Über zwei Jahre habe er sexuelle Handlungen mit ihr vollzogen, er habe sie vaginal, anal und oral vergewaltigt. Jeweils wenn die Mutter des Mädchens schlief, sei er in ihr Zimmer geschlichen und habe sich unter Anwendung körperlicher Gewalt an ihr vergangen. Mit der Drohung, ihre Mutter zu schlagen, habe er sie unter Druck gesetzt, niemandem davon zu erzählen. Das hat sie auch nicht getan, bis sich die Mutter von ihrem Peiniger getrennt hatte.

Zwei Jahre war ein Mädchen den Übergriffen des Lebenspartners der Mutter ausgesetzt. (Symbolbild)

Zwei Jahre war ein Mädchen den Übergriffen des Lebenspartners der Mutter ausgesetzt. (Symbolbild)

Aussage gegen Aussage?

„Wenn der Verteidiger spricht, dann hören Sie am besten gar nicht hin“, hatte die Kindes-Rechtsvertreterin der Mutter vor der Verhandlung geraten. Der Pflichtverteidiger zweifelte denn auch gleich zu Beginn die Aussagen des Kindes an, „über zwei Jahre fast jeden zweiten Tag eine Vergewaltigung das ist mit den medizinischen Befunden nicht vereinbar.“ Weder Mutter noch KESB seien dabei gewesen, es stehe Aussage gegen Aussage und deshalb verlange er ein Glaubhaftigkeitsgutachten.

Verteidiger: „Weder die Mutter noch die KESB waren bei den Vergewaltigungen dabei.“

Das brauche es nicht, sagte der Staatsanwalt und wies auf Entscheide des Bundesgerichts hin: Ein Gericht kann selber die Glaubwürdigkeit einer Aussage beurteilen, ein Glaubwürdigkeitsgutachten brauche es nur, wenn ein Kleinkind sich unverständlich ausdrücke oder eine geistige Störung des Zeugen vorliege. Die Spermaspuren des Angeklagten auf der Matratze des Kindes würden eine eindeutige Sprache sprechen und die Aussagen des Mädchens stützen.

Staatsanwalt: „Die Spermaspuren auf der Matratze stützen die Aussagen des Kindes.“

Verhandlung abgebrochen

Nach kurzer Beratung folgte das Gericht der Forderung der Verteidigung und brach die Verhandlung ab. Da die Anschuldigungen happig seien und für den Angeklagten sehr viel auf dem Spiel stünde, werde man diesem Gesuch entsprechen, erklärte die Gerichtsvorsitzende. „Es fehlen genaue Aussagen zum Kerngeschehen. Das nonverbale Verhalten des Mädchens sollte begutachtet werden, was seine Zeit in Anspruch nehmen wird.“

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