Ein Thurgauer steht im Verdacht: Millionenbetrug am Spielfeldrand der deutschen Nationalmannschaft

Ein Manager vom Untersee soll Werbekunden der deutschen Fussball Nationalmannschaft abgezockt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Silvan Meile
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Die Thurgauer Staatsanwaltschaft ermittelt in einem Betrugsfall im deutschen Fussball. Über ein Jahrzehnt soll die Sportvermarktungsfirma Infront mit Sitz im Kanton Zug grosse Werbekunden der deutschen Fussball-Nationalmannschaft betrogen haben. Das berichten der «Tagesanzeiger» und das deutsche Magazin «Spiegel» in einer gemeinsamen Recherche. Der Betrug soll sich am Spielfeldrand abgespielt haben.

Bei Partien der deutschen Nationalmannschaft wechselten die durch den Sportvermarkter verkauften elektronischen Werbeanzeigen alle 29, nicht wie vereinbart alle 30 Sekunden. Das macht während 90 Minuten 180 geklaute Sekunden, die zusätzlich verkauft werden konnten, schreibt der «Spiegel». Der Betrug gehe in die Millionen. Die Masche sei bei Freundschafts- und Qualifikationsspielen der deutschen Mannschaft gelaufen.

Geld in eigene Tasche gesteckt

Das Hauptaugenmerk richtet sich auf einen ehemaligen Infront-Manager, der «in einem Thurgauer Dorf mit Sicht auf den Untersee» wohne. Er soll die Kunden im Alleingang um ihre Sekunden gebracht, die Extrazeit heimlich verkauft und das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.

Bei der Thurgauer Staatsanwaltschaft sei bereits 2017 eine Warnung wegen Geldwäscherei eingegangen. «Nun ermitteln die Staatsanwälte wegen Verdachts auf Vermögensdelikte und Urkundenfälschung», schreibt der «Tagesanzeiger». Auch hätten die Thurgauer bei der deutschen Justiz um Rechtshilfe gebeten, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte.

Der DFB umgeht Steuerzahlungen

Infront hat 6 Millionen Euro zurückgestellt, um den Schaden zu decken. Bereits im Mai teilte die Firma mit, man habe den Manager entlassen. «Wir sind zutiefst schockiert», schrieb der oberste Firmenmanager Philippe Blatter, in einem Communiqué. Er ist der Neffe von Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Gemäss Berichten häufen sich aber die Zweifel, dass ein Einzeltäter am Werk war. Vieles spreche dagegen, dass jemand alleine ohne Helfer und Mitwisser diese Trickserei über Jahre durchziehen könne.

Der Deutsche Fussballbund (DFB) hat gemäss «Spiegel» für das Geschäft mit den Werbebanden die Firma Infront als Partner gebraucht, «um keine Steuern zu bezahlen». «Nur wenn er einen Vermarkter dazwischenschob, der eine feste Pacht zahlte und sich dann um alles kümmerte, auf eigene Rechnung, ging das Finanzamt beim Verband leer aus.»