Militärfestung
Nach Sturmschäden baut der Verein Rheinkastell seine historische Baracke in Schlatt wieder auf – «wieder so wie zuvor»

Bei einer historischen Befestigungsanlage von nationaler Bedeutung im Schaaren bei Schlatt zerstörte im Sommer ein schwerer Sturm eine Baracke. Jetzt will sie der Verein wiederaufbauen, um die Anlagen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dieter Ritter
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Walter Schnyder, Präsident des Vereins Rheinkastell, beim Fundament, auf dem die zerstörte Baracke stand. Im Hintergrund das Bunkermuseum.

Walter Schnyder, Präsident des Vereins Rheinkastell, beim Fundament, auf dem die zerstörte Baracke stand. Im Hintergrund das Bunkermuseum.

Bild: Dieter Ritter

Der Verein Rheinkastell besitzt seit 1994 die Befestigungsanlagen im Schaaren bei Schlatt. Die Baracke neben dem Bunkermuseum, das vom Militär als Lager gebaut wurde, fiel am 28. Juni einem schweren Sturm zum Opfer. Jetzt soll sie wieder aufgebaut werden, der Verein hat Anfang Monat das Baugesuch eingereicht.

Der Verein nutzte die Baracke für seine Führungen und für Tage der offenen Tür. Vereinspräsident Walter Schnyder sagt:

«Bis zu 800 Personen wollen jährlich die Befestigungsanlagen sehen, darunter viele Schulen.»
Walter Schnyder, Präsident des Vereins Rheinkastell.

Walter Schnyder, Präsident des Vereins Rheinkastell.

Bild: Dieter Ritter

Die Firma Reiffer Holzbau Schlatt verfasste das Projekt. Vorgesehen ist eine rund 3,5 Meter hohe Holzkonstruktion, die auf einem Betonfundament zu stehen kommt, das von der alten Baracke übrig geblieben ist. Das Holz wird abgedunkelt. «Sie wird wieder so aussehen wie die alte Baracke», sagt Schnyder.

Musealen Mehrwert für den Verein

Der Verein Rheinkastell möchte nach dem Wiederaufbau einen musealen Mehrwert schaffen. «Wir müssen diese Chance wahrnehmen», sagt Schnyder. Der Verein besitzt einige Gegenstände, die zum Thema militärische Befestigungsanlage passen. «Ich könnte mir vorstellen, dass das Relief der Südbastion Platz fände», meint Schnyder. Es sei jetzt im Schaudepot des Klosters St.Katharinental ausgestellt, wo es themenmässig nicht hingehöre, findet er.

Die Pläne liegen noch bis zum 25. November bei der Gemeinde Schlatt auf. Mit diesem Datum endet auch die Einsprachefrist. Schnyder hofft, dass die Baubewilligung noch in diesem Jahr vorliegt, und die Baracke im Frühjahr 2022 aufgerichtet werden kann.

Bunkermuseum Bruggenchopf

Verteidigung an der Schweizergrenze

Die Baracke ist Teil der militärischen Einrichtungen Bruggechopf. Sie liegen in der Gemeinde Schlatt im westlichsten Zipfel des Kantons Thurgau direkt am Rhein, am Ende der Schaarenwiese, gegenüber dem östlichen Dorfrand von Büsingen (D). Der Bruggechopf ist Ausgangspunkt für die Besichtigung der Kronschanze, einer 1200 Meter langen Verteidigungsanlage, die 1799 gebaut und Mitte Oktober des gleichen Jahres von den Franzosen zerstört wurde. Auf einer Lichtung ist von der Kronschanze noch die Südbastion sichtbar. Es sind mit Gras bewachsene, geometrisch streng geordnete Wälle. Eine Tafel orientiert über die Verteidigungsanlage. Sie diente der Sicherung für die Übersetzung von Truppen über den Rhein. So kam der Ort zu seinem Namen Brückenkopf, heute Bruggechopf.

1939 und 1940 wurden weitere Verteidigungswerke und Unterstände an diesem Rheinufer-Abschnitt angelegt, darunter eine Reihe von massiven Bunkern. Mit wenigen Ausnahmen wurden alle zurückgebaut. Der Verein Rheinkastell übernahm einen dieser letzten Bunker, der für 13 Soldaten eingerichtet war, und machte ein Museum daraus. Der zweistöckige Betonbau ist genauso ausgerüstet, wie er Ende 1994 war, als das Militär ihn ausmusterte. Im Erdgeschoss befindet sich der Kampfraum. Dort sind zwei Maschinengewehre montiert. Das Militär hatte sie vor der Übergabe an den Verein unbrauchbar gemacht.

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