Militär
«Baubeginn der zweiten Etappe hat mit Werkleitungsumlegungen bereits begonnen»: Die nächsten 69 Millionen fliessen in den Armeestandort Frauenfeld

Nach dem National- hat auch der Ständerat den nächsten Ausbauschritt für die Frauenfelder Kaserne Auenfeld bewilligt. Die Bevölkerung kann noch bis Mitte Oktober mitreden.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt den geplanten Neubau des Retablierungsgebäudes auf dem Gelände der Kaserne Auenfeld.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Neubau des Retablierungsgebäudes auf dem Gelände der Kaserne Auenfeld.

Bild: PD

Der nächste Schritt ist getan. Weitere Millionen aus Bern fliessen für den Ausbau des Waffenplatzes Frauenfeld in den Kanton Thurgau. Ende September hat mit dem Ständerat nach dem Nationalrat im Juni auch die zweite Kammer der Vereinigten Bundesversammlung der Armeebotschaft 2021 klar und deutlich zugestimmt. Auch die Thurgauer Vertreter Brigitte Häberli-Koller (Die Mitte) und Jakob Stark (SVP) sagten Ja, wie dem Abstimmungsprotokoll aus Bern zu entnehmen ist.

Insgesamt investiert der Bund damit 2,3 Milliarden Franken, die zu Teilen auch dem Standort Frauenfeld zugutekommen, wo der Waffenplatz auf der Allmend mit der Kaserne Auenfeld in vier Etappen zum zweitgrössten der Schweiz ausgebaut werden soll.

«Der Waffenplatz ist einer der wichtigsten Waffenplätze der Armee.»

So betitelt das Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die bevorstehende dritte Etappe mit Kosten von 69 Millionen Franken zur Verdichtung des Waffenplatzes Frauenfeld, der hauptsächlich vom Lehrverband der Führungsunterstützung genutzt wird. «Diese Etappe umfasst unter anderem den Neubau einer Ausbildungshalle und eines Unterkunftsgebäudes sowie die Sanierung des Kommandogebäudes», sagt Kaj-Gunnar Sievert, Mediensprecher der Armasuisse als Verwalterin der VBS-Immobilien. Die Kapazität des Waffenplatzes Frauenfeld vergrössert sich von derzeit rund 700 auf zirka 1700 Betten.

Bessere Belegung für Gruppen und Kompanien

Verdichtung im militärischen Sinne heisst, dass es nachhaltig und wirtschaftlich optimiert wird. Überzählige Objekte in Zentrumsnähe wie die Stadtkaserne, das Zeughaus oder das Motorwagendienstcenter werden voraussichtlich verkauft oder im Baurecht abgegeben. «Die Neubauten bei der Kaserne Auenfeld werden modular und multifunktional ausgestaltet», sagt Sievert und ergänzt:

«Die Massnahmen ermöglichen eine optimale Auslastung der Infrastruktur.»

So will die Armee bei ihren Unterkünften eine bessere Belegung sowohl durch kleine Gruppen als auch durch ganze Kompanien erzielen. Das medizinische Zentrum in Frauenfeld sei so konzipiert, dass über zwei Drittel der Betten verschieden genutzt werden können. «Das neue Verpflegungszentrum ermöglicht die Schliessung von insgesamt zehn Küchen in Frauenfeld und an den Standorten, die aufgegeben werden», ergänzt Sievert.

Eine weitere Visualisierung des Bundes: rechts der aufgestockte Kommandoposten.

Eine weitere Visualisierung des Bundes: rechts der aufgestockte Kommandoposten.

Bild: PD

Die neuen Gebäude der Kaserne Auenfeld sind in verschiedenen Minergie-Standards geplant. Auf den Dächern sind Fotovoltaikmodule mit einer Fläche von rund 2800 Quadratmetern vorgesehen. In der Armeebotschaft steht: «Die produzierte Strommenge entspricht dem Bedarf von rund 130 Haushalten.»

Beheizt wird der Waffenplatz mit der Abwärme des Rechenzentrums Campus in unmittelbarer Nähe, was jedoch nicht für andere Liegenschaften in Frauenfeld zur Verfügung steht. «Der Anteil der überschüssig produzierten Energie aus den Fotovoltaikanlagen des VBS, welcher nicht vor Ort genutzt werden kann, ist im Verhältnis zum gesamten Strombedarf des VBS marginal», erläutert Sievert. Der Wert lag 2020 bei unter einem Prozent.

Visualisierung des geplanten Neubaus für die Fahrtrainingsanlage.

Visualisierung des geplanten Neubaus für die Fahrtrainingsanlage.

Bild: PD

Pandemie wirkt sich nicht auf Zeitplan aus

Gemäss Armeebotschaft werden die beiden Amphibiengebiete auf dem Gelände «vernetzt». Was heisst das? «Die Barrierewirkung der Campus-Bauten wird durch mehrere Massnahmen minimiert und kompensiert: namentlich mit Zäunen für Kleintiere zwischen den beiden Gebieten, mit Leitstrukturen wie spät gemähten Wiesenstreifen entlang des Waldrandes und gepflegten Baumreihen auf dem Parkplatz», meint Sievert.

Das Verpflegungszentrum und das medizinische Zentrum werden noch dieses Jahr abgeschlossen. Das zusätzliche Unterkunftsgebäude, die drei Ausbildungshallen und die Aufstockung des Kommandogebäudes folgen im Jahr 2022. «Der Baubeginn der zweiten Etappe hat mit Werkleitungsumlegungen bereits begonnen», sagt Sievert. Die Umsetzung der dritten Etappe ist im Frühjahr 2022 und jene der vierten im Jahr 2023 vorgesehen. Die Pandemie habe keinerlei Auswirkungen auf den Zeitplan.

Visualisierung des geplanten Engineering-, Test- und Ausbildungsgebäudes.

Visualisierung des geplanten Engineering-, Test- und Ausbildungsgebäudes.

Bild: PD

Das Datum für die Entmilitarisierung der denkmalgeschützten Stadtkaserne datiert weiterhin aufs Jahr 2023, die im Baurecht der Stadt Frauenfeld übergeben werden soll. Für das Zeughausareal, das nach aktueller Planung noch bis 2030 militärisch genutzt werden soll, bestehen zwischen Stadt und Armasuisse derzeit keine Vereinbarungen, meint Sievert.

Und die Aufgabe des Motorwagendienstcenters sei nicht vor 2030 geplant. Gemäss Absichtserklärung stellt das VBS voraussichtlich ab dann eine Fläche von rund 35'000 Quadratmetern für die geplante Umfahrungsstrasse sowie zur Erstellung eines Werkhofs der Stadt im Baurecht zur Verfügung, was alles der Immobilienstrategie des VBS entspreche, betont Sievert.

Das jetzige Zeughausareal mit der Stadtkaserne in der Bildmitte.

Das jetzige Zeughausareal mit der Stadtkaserne in der Bildmitte.

Bild: PD

Mit dem derzeit beim städtischen Amt für Hochbau und Stadtplanung aufgelegten militärischen Planungsgenehmigungsverfahren können die Unterlagen zur zweiten Etappe der Kaserne Frauenfeld von der Bevölkerung noch bis 13. Oktober eingesehen werden. «Die Unterlagen betreffen ausschliesslich die zweite Etappe», meint Sievert. Einsprache kann erheben, wer nach Verwaltungsverfahrensgesetz oder nach dem Bundesgesetz über die Enteignung berechtigt ist.

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