Milchbauern fliegen aus dem Verband

Der Thurgauer Verband der Milchproduzenten zieht einen Schlussstrich unter den jahrelangen Streit um Beiträge. Jene Mitglieder mit offenen Rechnungen werden ausgeschlossen, die andere erhalten Geld zurück.

Silvan Meile
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Ein Bauer melkt seine Kühe. Bild: Key/Martin Rütschi. (Bild: Key/Martin Ruetschi)

Ein Bauer melkt seine Kühe. Bild: Key/Martin Rütschi. (Bild: Key/Martin Ruetschi)

Daniel Vetterli hat ein schweres Erbe angetreten. Es lastet so schwer, dass eine ausserordentliche Generalversammlung nötig wurde. Am Donnerstagabend schritt er als neuer Präsident des Verbands Thurgauer Milchproduzenten (TMP) zur Tat. Ein Schlussstrich soll unter einen jahrelangen Streit zwischen dem TMP und aufständischen Mitgliedern gezogen werden. «Ich bin nicht gewählt worden, um weiter zu streiten», sagte Vetterli. Deshalb stellte er den Antrag, die offenen Rechnungen abzuschreiben. Es geht um eine Viertelmillion Franken an Beiträgen für Marketing und die Exportgesellschaft Lactofama. Der TMP versuchte erfolglos, diese Gelder für den Schweizer Verband einzuziehen. Betroffen sind 45 Milchbauern, die nicht oder nicht mehr Mitglied im Verband sind. Bei 35 weiteren Personen handelt es sich um Bauern, die dem TMP noch angehören. Doch sie werden aus dem Verband geworfen, sollte eine letzte Zahlungsaufforderung wirkungslos bleiben.

Mitglieder erhalten Beiträge zurück

Hundert Bauern sind ins Kongresszentrum im Weinfelder «Thurgauerhof» gekommen. Eine tiefe Zahl für einen Verband, der noch rund 850 Mitglieder hat. Vetterli kann die Anwesenden überzeugen. Die Hände schnellen nach kurzer Diskussion in die Luft. Das Geld ist abgeschrieben, die säumigen Zahler ausgeschlossen. Dann stellt der Präsident einen weiteren Antrag. «Die bezahlten Lactofama-Beiträge werden aus dem Vermögen der TMP den Mitgliedern zurückvergütet», steht auf die Leinwand projiziert geschrieben. Dabei geht es um 1,72 Millionen Franken, die «gerechterweise» zurück auf die Bauernhöfe fliessen. Das Geld kommt aus dem Vereinsvermögen. «Wir haben Liegenschaften im Buchwert von 18 Millionen Franken», sagte Vetterli. Schuldenfrei. Der Verband nehme das Geld auf, um es verteilen zu können. Dieser Vorschlag fand eine sehr grosse Mehrheit. Mit dieser Massnahme soll sich nun niemand geprellt fühlen. Vetterli stellte ausserdem in Aussicht, dass im Frühling eine Strategie zur Zukunft des Vereinsvermögens diskutiert werden soll. Allgemein erntete der neue Präsident Vetterli viel Lob – etwa vom kantonalen Bauernpräsidenten Markus Hausammann, der unter anderem das transparente Vorgehen in der Erledigung der Geschäfte hervorhob. Widerstand gab es nicht. Säumige Zahler blieben der Versammlung offensichtlich fern.

Weitere Gerichtsverfahren kündigen sich an

Seit Jahren tobte im TMP ein Grabenkampf. Der Streit drehte sich um Beiträge an die Lactofama AG, einem Firmenkonstrukt zur Milchpreisstützung. Der Schweizer Verband beschloss die Abgaben, der TMP musste sie einziehen. Vor allem Milchbauern, die mit ihren Abnehmern Menge und Preis vereinbaren, weigerten sich, diese Rechnungen von einigen Hundert Franken jährlich zu begleichen. Sie sehen sich als besonders marktorientiert, würden keinen Milch-Überschuss produzieren. Vom Thurgauer Verband fühlten sie sich im Stich gelassen.

Anfänglich drohte der TMP, die etwa 150 Bauern wegen ausstehender Beträge aus dem Verband zu werfen. Später änderte der Vorstand seine Meinung und leitete Betreibungen ein. Nach dem Gang zum Friedensrichter verblieben noch rund 50. Gegen einen von ihnen klagte die TMP exemplarisch. Schliesslich entschied das Bundesgericht, dass die Lactofama-Gelder gemäss TMP-Statuten nicht so hätten eingezogen werden dürfen. Die Oppositionellen bekamen Recht. «Dennoch werden wir nun zu den Verlierern», sagt der pensionierte Milchbauer Roland Werner. Er führte den Widerstand an. «Wir hätten mit dem TMP reden wollen, um die Angelegenheit endlich zu regeln», sagt er. Der Verband habe aber das Gespräch ohne Begründung abgelehnt. So werde es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu weiteren Gerichtsverfahren kommen. Denn mit dem Urteil aus Lausanne bestünden grosse Chancen, einst bezahlte Beiträge nachträglich auch noch zurückzufordern.