Metropolitanraum Bodensee: Die Pro-Ostschweiz-Stimmen im Thurgau werden lauter

Der Thurgau macht nicht beim Metropolitanraum Bodensee mit. Die neuen Kandidaten bei den Regierungsratswahlen wären aber dafür.

Larissa Flammer
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Darum geht es:

  • Die Wirtschaftsregion Rheintal-Bodensee will ihre Kräfte in einem Metropolitanraum Bodensee bündeln und sich entschiedener gegenüber Bern positionieren.
  • Der Thurgauer Regierungsrat hat einem neuen Metropolitanraum in der Ostschweiz zweimal eine Abfuhr erteilt. Der Kanton ist Mitglied beim Metropolitanraum Zürich. 
  • Urs Martin, Ueli Fisch und Karin Bétrisey, die am 15.März in den Thurgauer Regierungsrat gewählt werden wollen, sind allerdings für eine engere Zusammenarbeit in der Ostschweiz.

In St. Gallen kam die Initiative aus dem Parlament. Der Kantonsrat verlangte vom Regierungsrat, sich für die Schaffung eines neuen Metropolitanraums einzusetzen. Vergangene Woche war es so weit: Die Charta zur Selbstdeklaration eines Metropolitanraums Bodensee wurde unterzeichnet. Nicht dabei: der Thurgau.

Hier hat sich das Kantonsparlament noch nie zu diesem Thema geäussert. Es war der Thurgauer Regierungsrat, der St.Gallen und dem neuen Metropolitanraum in der Ostschweiz zuerst 2015 und dann auch 2019 eine Absage erteilt hat. Zum grenzüberschreitenden Rheintal, das neben der Stadt St.Gallen den Schwerpunkt des neuen Metropolitanraums bildet, habe der Kanton weniger Berührungspunkte als zum bestehenden Metropolitanraum Zürich. Bei diesem ist der Kanton Thurgau Mitglied.

Bétrisey und Fisch sprachen sich explizit dafür aus

Nach den Regierungsratswahlen im März könnte allerdings im Thurgau die Diskussion über den Metropolitanraum Bodensee erneut aufkommen. Denn den drei neuen Kandidaten ist die Zusammenarbeit in der Ostschweiz wichtig. Und mindestens einer von ihnen wird künftig im Regierungsrat mitreden dürfen.

Karin Bétrisey.

Karin Bétrisey.

Bild: Urs Bucher

Die grüne Kandidatin Karin Bétrisey etwa sagte im Wahlkampf:

«Ich finde es schade, hatte der Thurgauer Regierungsrat nicht den Mut, den Metropolitanraum auch wirklich zu schaffen, in dem man über die Landesgrenze hinweg mit Deutschland und Österreich hätte zusammenarbeiten können.»
Urs Martin.

Urs Martin.

Bild: Urs Bucher

SVP-Kandidat Urs Martin betonte, er sei auch Ostschweizer. Die heutige Zusammenarbeit zwischen St.Gallen und dem Thurgau bezeichnete der Romanshorner als Trauerspiel und sagte:

«Ich würde daran arbeiten wollen, dass die St.Galler und die Thurgauer an einem Strick ziehen.»
Ueli Fisch.

Ueli Fisch.

Bild: Urs Bucher

Ueli Fisch von der GLP wies schon an Wahlkampfpodien darauf hin, dass der Thurgau halt auch Richtung Zürich ausgerichtet sei. Aber auch er sei der Meinung, dass man in der Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte. Diese Woche twitterte er:  «Wieso kann der Thurgau nicht auch beim Metropolitanraum Bodensee mitmachen?»  Die Mitgliedschaft bei der Region Zürich könne dafür doch nicht der Grund sein. Und weiter:

«Beide Räume sind wichtig für den Thurgau und seine Entwicklung!»

IHK und Oberthurgau haben Charta unterzeichnet

Der Metropolitanraum Bodensee umfasst 775'000 Menschen in vier Ländern. Und auch wenn der Kanton Thurgau nicht mitmacht: Die Region Oberthurgau und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau tun es dennoch. Sie haben die Charta unterschrieben.

Eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Ostschweizer Kantone ist auch dem aktuellen Thurgauer Regierungsrat ein Anliegen. Er wolle dafür aber bestehende Institutionen nutzen, beschied er den St.Gallern. In einer neuen Organisation befürchtete er eine «Konkurrenzierung und Schwächung der bestehenden, gut funktionierenden Kooperationen».

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