Messerattacke in Münchwiler Kebab-Imbiss: Bezirksgericht spricht Beschuldigten frei, ordnet aber psychiatrische Behandlung an

Das Bezirksgericht Münchwilen spricht einen 34-Jährigen frei, lässt ihn aber im Gefängnis.

Olaf Kühne
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Der Eingang zum Gerichtssaal des Bezirksgerichts Münchwilen.

Der Eingang zum Gerichtssaal des Bezirksgerichts Münchwilen.

(Bild: Nana Do Carmo)

«Ich töte dich!», habe der Angeklagte gesagt, als er im April vergangenen Jahres mit einem Klappmesser bewaffnet in einem Hinterthurgauer Kebab-Imbiss auf einen Angestellten losging.

Der 34-jährige Mann, ein Kurde mit türkischem Pass, stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Münchwilen. Versuchte vorsätzliche Tötung, lautete die Anklage. Die Staatsanwältin forderte ein Jahr Gefängnis sowie den obligatorischen Landesverweis – und eine stationäre Massnahme in der Psychiatrie. Denn der Mann ist krank. Bei seiner Verhaftung unmittelbar nach der Tat war er nicht vernehmungsfähig, wurde in die psychiatrische Klinik Münsterlingen eingewiesen, wo ihm eine posttraumatische Belastungsstörung, eine paranoide schizophrene Störung sowie eine formale Denkstörung attestiert wurden.

Kurz nach der Tat verhaftet

Seine Tat war während der Gerichtsverhandlung unbestritten. Nicht jedoch die Absicht dahinter und die möglichen Folgen. Die Staatsanwältin sah die Tötungsabsicht gegeben. Bilder der Überwachungskamera im Imbiss zeigten den Mann mit Messer, zwei Zeugen bestätigten die Todesdrohung. Das nichts Schlimmeres passierte, sei nur dem Umstand zu verdanken, dass der Bedrohte zurückwich und wegrannte. Und weil er schneller rennen konnte als der Beschuldigte, denn dieser folgte ihm durch die Küche ins Freie. Nach wenigen Minuten habe er dann von seinem Vorhaben abgelassen und sei verschwunden. Kurze Zeit später konnte ihn dann die Polizei wenige hundert Meter entfernt verhaften.

Der Beschuldigte gestand, mit dem Messer in der Hand zu dem Imbiss-Mitarbeiter gegangen zu sein. Er habe aber nicht mit dem Tod gedroht und auch nicht zugestochen. Die entsprechenden Armbewegungen, die auf dem Überwachungsvideo – vermeintlich – zu sehen sind, interpretierte seine Verteidigerin als «natürliche Armbewegungen während des Gehens».

Angeklagter sagt, er wollte nur Angst machen

Über sein Motiv machte der Angeklagte seit seiner Verhaftung verschiedene Aussagen. Vor Gericht hingegen sagte er nur noch, der Imbiss-Mitarbeiter sei ein schlechter Mensch, grüsse oder antworte nie. Er habe ihm deshalb einfach Angst machen wollen. Seine Anwältin forderte folglich lediglich eine Verurteilung wegen Drohung – und ebenfalls eine stationäre Massnahme.

Nach kurzer Verhandlung sprach das Bezirksgericht Münchwilen den Mann gar ganz frei. Auch wenn das psychiatrische Gutachten nicht befriedigend eindeutig sei, sei der Beschuldigte offensichtlich nicht schuldfähig, führte der Gerichtspräsident aus. Ein freier Mann ist er deswegen noch lange nicht. Weil er eine Gefahr darstelle, ordnete das Gericht Fortführung der Sicherheitshaft an – bis er in der geschlossenen Psychiatrie behandelt werden kann.