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«Meine Kinder waren froh, als ich gekündigt habe»: Weinfelderin hatte nur Ärger mit ihrem Chef

Die Weinfelderin Erika Zumofen hat als Kurierfahrerin in Zürich widrige Arbeitsbedingungen erleben müssen.
Janine Bollhalder
Die 49-jährige Erika Zumofen träumt nun von der beruflichen Selbstständigkeit.(Bild: PD)

Die 49-jährige Erika Zumofen träumt nun von der beruflichen Selbstständigkeit.(Bild: PD)

Anfang dieser Woche hat die Sendung Kassensturz über die Weinfelderin Erika Zumofen berichtet. Die alleinerziehende Mutter arbeitete als Kurierfahrerin für die Dübendorfer Zweigniederlassung des Unternehmens «aineias automobile limited burningham».

Im Auftrag der Zürcher Zentrallabors transportierte sie Proben und Blut vom oder zum Spital. Die 49-Jährige berichtet in der SRF-Sendung von den widrigen Arbeitsbedingungen. Nach sieben Monaten hat sie einen Schlussstrich gezogen.


Wie sind Sie zur Anstellung beim Zürcher Kurierdienst gekommen?

Erika Zumofen: Ich war beim Sozialamt angemeldet und intensiv auf Stellensuche. Als ich das Inserat für die Stelle als Kurierfahrerin gesehen habe, dachte ich: Hauptsache Arbeit.

Ist Ihnen schon vor der definitiven Anstellung etwas aufgefallen?

Ja, beispielsweise der Vertrag: Er kam mir irgendwie komisch vor, ich hatte ein schlechtes Gefühl, zu unterschreiben. Aber ich habe den Vertrag auch dem Sozialamt vorgelegt. Ich habe zwei Wochen mit der Unterschrift gewartet. Da ich von der betreuenden Person keine Rückmeldung bekommen habe, dachte ich deshalb, der Vertrag sei in Ordnung.

Welche Widrigkeiten sind bei der Arbeit aufgetreten?

Wir haben die Autos vom Unternehmen bekommen, ich hatte einen Mini und dann einen Dacia. Die Fahrzeuge waren in einer Tiefgarage parkiert. Dort durften wir aber nie länger verweilen, also keine Pause machen. Toilettengänge waren ebenfalls verboten. Geld für das Benzin haben wir selbst aufbringen müssen. Ich habe für etwa 600 Franken tanken müssen, zurückerhalten habe ich von meinem Chef George Botonakis jedoch gerade mal 220 Franken – und das für eine Fahrstrecke von 2500 Kilometern.

Gegenüber «Kassensturz »haben Sie einen Parkschaden erwähnt. Was ist genau passiert?

Ich habe einen Schaden beim Parkieren verursacht – mit einem Fahrzeug, welches knapp 300'000 Kilometer sowie unzählige Vorschäden aufwies. Der Parkschaden wurde von meinem Chef allerdings nie der Versicherung gemeldet und auch nicht repariert. Nun wurde mir aber vom Lohn fast die Hälfte dafür abgezogen: 1500 Franken. Vor dem Friedensrichter meinte George Botonakis, dass er mich sowieso entlassen wolle, da ich schon mehrere Unfälle verursacht hätte. Was nicht der Wahrheit entspricht. Von dem Geld, welches Botonakis mir vom Lohn abgezogen hat, bekam ich die Hälfte zurückerstattet.

Ist es korrekt, dass George Botonakis keine AHV-Beiträge für seine Angestellten einbezahlt hat?

Das kann ich bestätigen. Die Abzüge wurden auf den Löhnen zwar gemacht, einbezahlt hat Botonakis sie allerdings nie.

Welche Reaktionen Ihres Umfelds haben Sie auf den Job beim Kurierdienst bekommen?

Meine Kinder waren sehr froh, als ich gekündigt habe. Ich war oftmals so übermüdet, dass ich auf der Heimfahrt von der Arbeit Pausen einlegen musste, um nicht am Steuer einzuschlafen. Während der Arbeitszeit durften wir nämlich kaum Pausen machen, Botonakis setzte uns unter Druck und drohte stets mit der Kündigung.

Haben Sie Schäden von diesem Erlebnis davongetragen?

Aufgrund eines Burnouts gehe ich schon länger zu einem Psychiater. Seit meiner Anstellung beim Kurierdienst habe ich eine Essstörung sowie Schlafstörungen entwickelt und bin wieder regelmässig in Behandlung.

Wie wird es nun für Sie weitergehen?

Ich suche natürlich wieder eine neue Arbeitsstelle. Allerdings träume ich davon, in die Selbstständigkeit einzusteigen. Erst gestern habe ich mein Diplom als «Edelsteine- und Energietherapeutin» bekommen. Natürlich muss ich dazu aber erst noch einiges organisieren.

Wissen Sie, wie es für George Botonakis und das Kurierdienst-Unternehmen weitergehen wird?

Nein, wie es aktuell um ihn steht, weiss ich nicht. Er ist mit mehreren Firmen für den Labor-Kurierdienst tätig. Einige davon seien konkurs. Jene, über die ich angestellt war, gibt es allerdings noch.

Er streitet alles ab

Wie die Fernsehsendung «Kassensturz» berichtet, wisse das Zürcher Zentrallabor von den Missständen bei den Kurierfahrern. Gemäss Laborleiter Marco Fischer werde in den kommenden Tagen eine Entscheidung getroffen, ob die Geschäftsbeziehung mit dem Kurierdienstunternehmer weiterführt werden soll. Im Bezug auf die nicht rechtmässig einbezahlten AHV-Beiträge zeigt sich der Kurierdienst-Unternehmer George Botonakis gegenüber «Kassensturz» nicht einsichtig: Er streitet alle Vorwürfe ab. Er zahle die Sozialversicherungsgelder nicht ein, da die Sozialversicherungsanstalt (SVA) immer wieder Fehler mache, sagt Botonakis gegenüber «Kassensturz».

Auf Nachfrage unserer Zeitung zeigt sich der Unternehmer versöhnlich, will aber kein Interview geben. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Die Sendung zum Nachschauen gibt es unter diesem Link.

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