Mehr Platz und Luxus

Die Klinik Schloss Mammern plant einen Ausbau. Das Projekt erfordert einen Gestaltungsplan, der bis vor kurzem öffentlich auflag. Nachdem es keine Einsprachen gab, geht er in einem nächsten Schritt an den Kanton.

Rahel Haag
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Die Visualisierung zeigt den zusätzlich geplanten Bettentrakt. (Bild: Ryf Partner Architekten AG/PD)

Die Visualisierung zeigt den zusätzlich geplanten Bettentrakt. (Bild: Ryf Partner Architekten AG/PD)

Die Klinik Schloss Mammern braucht mehr Platz. Dies ergibt sich aus der andauernd hohen Belegung und der langfristigen Zunahme der Rehabilitationspatienten. Bereits vor vier Jahren beschloss der Verwaltungsrat deshalb eine Erweiterung des Bettenangebots.

Nach einer Masterplanung und Machbarkeitsstudie stellte sich allerdings heraus, dass bereits mit der Realisierung der ersten Ausbau-Etappe die maximale Ausnützung überschritten wird. Dementsprechend musste ein Gestaltungsplan ausgearbeitet werden. Mit diesem soll eine qualitativ hochwertige Erweiterung der Klinik ermöglicht werden. Der Gestaltungsplan lag bis Mitte vergangener Woche öffentlich auf.

Patientenzimmer sollen über Seeblick verfügen

«Einsprachen gab es keine», sagt Gemeindeschreiberin Lilian Sherpa. In einem nächsten Schritt wird der Gestaltungsplan, den die Gemeinde erlassen hatte, an den Kanton weitergeleitet. Für die Genehmigung ist das Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau zuständig. Anschliessend wird der Gestaltungsplan von der Gemeinde Mammern in Kraft gesetzt. Bereits Ende Juni hatte die Gemeinde im Vorfeld einer Gemeindeversammlung die Bevölkerung über den Gestaltungsplan und das Bauprojekt informiert. Über die Kosten hatte sich Annemarie Fleisch Marx, Chefärztin der Klinik Schloss Mammern, damals ausgeschwiegen. In einem ersten Schritt soll unter anderem ein zusätzlicher Bettentrakt mit insgesamt 30 Zimmern im Topsegment für Privatversicherte realisiert werden. «Diese müssen von Ausblick, der Lage und der Wohnqualität her in der Rehabilitationsszene aus Wettbewerbsgründen einzigartig sein», heisst es im Planungsbericht. Sprich: Die Zimmer verfügen über einen möglichst direkten Seeblick.

Nebst dem viergeschossigen Privat-Bettentrakt sind ein neuer Verbindungsbau zwischen Klostergang und Physiotherapie-Trakt sowie ein eingeschossiges Sockel- und Eingangsgebäude geplant. Das Siegerprojekt, das im Rahmen eines Architekturwettbewerbs bestimmt wurde, stammt vom Büro Baumann Roserens Architekten Zürich.

Mehr Parkplätze und weniger Bäume

Da die Anzahl der Patientenbetten erhöht wird, muss die Klinik künftig auch mehr Parkplätze zur Verfügung stellen. Die Anzahl erhöht sich von aktuell 99 auf 194 Parkplätze. «Die bauliche Erweiterung muss mit grösster Sorgfalt und Respekt gegenüber dem Park vorgenommen werden», heisst es im Planungsbericht. In den vorhandenen Baumbestand solle so wenig wie möglich eingegriffen werden. Unumgängliche Baumfällungen seien durch gleichwertige Neupflanzungen zu ersetzen. Aus dem Gestaltungsplan geht hervor, dass insgesamt 27 Bäume gefällt werden müssen, fünf sollen neu gepflanzt werden. Zudem soll die Gärtnerei abgebrochen und an einem anderen Ort neu aufgebaut werden.

Ebenfalls gilt es, die bestehenden Gebäude des Klinikareals, die teilweise denkmalgeschützt sind, zu beachten. «Sie sind mit entsprechender Sorgfalt zu behandeln.» Hierzu zählen das Schloss, die Kapelle, der Klostergang, das Maschinenhaus, der Speisesaal, der Neubau und die Jungendstilvilla. Das Schloss ist das älteste Gebäude. Es stammt aus dem Jahr 1621.

Die Geschichte der Klinik Schloss Mammern

Das 1621 erbaute Schloss Mammern wurde unter verschiedenen Besitzern zur Wasserheilanstalt. Erst der Arzt Oscar Ullmann brachte die Kuranstalt 1889 jedoch zu internationalem Erfolg. Dieser endete mit dem Ersten Weltkrieg jedoch jäh. Die ausländischen Patienten blieben für mehrere Jahre aus. Ab 1926 leitete Oscar Ullmann die Kuranstalt mit seinem ältesten Sohn, dem Arzt Waldemar Ullmann. Ab 1935 übernahm dieser den Vorstand. Wenige Jahre später stürzten der Zweite Weltkrieg und die grenznahe Lage zu Deutschland die Kuranstalt in eine weitere schwere Krise. Nachdem der kinderlose Waldemar Ullmann 1944 verstorben war, übernahmen seine Schwester Ilse Fleisch-Ullmann mit ihrem Mann Alfred Fleisch, der ebenfalls Artz war, die Kuranstalt. Ab 1958 übernahm ihr Sohn Alfred Oscar Fleisch als Kardiologe die ärztliche und administrative Leitung. 1997 übergab er die ärztliche Leitung seiner Tochter Annemarie Fleisch Marx und seiner Schwiegertochter Ruth Fleisch-Silvestri. Die beiden Chefärztinnen führen die Klinik und die über 270 Beschäftigten mit Unterstützung des Direktors Beat Oehrli bis heute. (rha)

Klinik Schloss Mammern befindet sich auf Ausbaukurs

Die Kapazität der Klinik Schloss Mammern stösst an ihre Grenzen. Das Konzept für 34 neue Zimmer erfordert aber einen Gestaltungsplan, der am Dienstagabend ohne kritische Stimmen der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Zudem präsentierte die politische Gemeinde die Zahlen zur Rechnung 2017, die wesentlich besser abschloss als vorgesehen.
Margrith Pfister-Kübler