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Vor 75 Jahren: Aadorf in der «Anbauschlacht»

Während des Zweiten Weltkriegs war auch das Heimatdorf des 90-jährigen Hansjakob Altenburger von der sogenannten «Anbauschlacht» betroffen. Der Zeitzeuge erinnert sich an mühselige Arbeiten.
Kurt Lichtensteiger
Im Schuljahr 1942/43: Aadorfer Sekundarschüler säubern das «Ried» von Wurzelwerk. Rechts im Bild Hansjakob Altenburger. (Bild: PD)

Im Schuljahr 1942/43: Aadorfer Sekundarschüler säubern das «Ried» von Wurzelwerk. Rechts im Bild Hansjakob Altenburger. (Bild: PD)

«Vor kurzem war in der Zeitung zu lesen, dass während der Kriegsjahre in unserer Nachbargemeinde Matzingen und Wängi zusätzliche Anbauflächen geschaffen werden mussten», sagt der 90-jährige Aadorfer Hansjakob Altenburger, ehemals Inhaber einer Buch- und Zeitungsdruckerei. In den Dörfern hätten stationierte internierte Soldaten aus Polen und Frankreich mitgeholfen, Boden urbar zu machen. Altenburgers Erinnerung an die Jahre 1942/43, damals Schüler an der Sekundarschule Aadorf, sind noch so lebendig, als seien die Erlebnisse erst gestern gewesen.

«Auch in der Gemeinde Aadorf musste der Anbauplan von Professor Friedrich Traugott Wahlen umgesetzt werden», so Altenburger. Zu diesem Zweck wurde 1942/43 ein grosses Stück Wald im «Ried» gerodet. Die Parzelle, östlich von Aadorf, an der Grenze zur Ortsgemeinde Wittenwil gelegen, sollte für den Anbau von Kartoffeln und Weizen hergerichtet werden.

Schüler als Arbeitskräfte

Nachdem viele Baumstämme weggeschafft worden waren, wurden unter grossem Aufwand die Wurzelstöcke herausgerissen oder gesprengt. «Darauf kamen wir Sekundarschüler zum Einsatz, um das gerodete Feld von Ästen, Holzstücken, Stock- und Wurzelwerk zu säubern», sagt Hansjakob Altenburger.

Unter Anleitung und Aufsicht von Lehrer Albert Knoepfli und Grundbuchverwalter Heinrich Held verrichteten die Schüler während vieler Stunden die mühseligen Arbeiten. Die Pausen und die gespendeten «Znünis» waren jeweils mehr als verdient. Nachdem der Boden erstmals umgepflügt worden war, mussten die Schüler schliesslich noch zur Schlusssäuberung antreten.

Die Aadorfer Sekundarschule im Schuljahr 1942/43 mit Lehrer Albert Knoepfli und Grundbuchverwalter Heinrich Held.

Die Aadorfer Sekundarschule im Schuljahr 1942/43 mit Lehrer Albert Knoepfli und Grundbuchverwalter Heinrich Held.

Zweifelhafter Nutzen

Die zum Teil schwere Erde erwies sich als nicht besonders geeignet für den Anbau von Kartoffeln und Weizen, worauf schon der Flurname «Ried» (mooriges Gebiet) hindeutete. Es kamen noch topografische und klimatische Gründe dazu: Die geschlagene Waldschneise wirkte wie ein Trichter, durch den sich starke Westwinde zwängten und sich unheilvoll entfalten konnten.

Zur Abhilfe wurde darauf am westlichen Ende des Rieds wieder aufgeforstet, ein kleiner Streifen Wald – heute im Volksmund als «Dreieckswäldchen» bekannt. Als 1948 die Lebensmittel-Rationierung aufgehoben wurde, stellte man im «Ried» wieder auf Graswirtschaft um oder man pflanzte Mais an. All das führte dazu, dass die Thurgauer Bauern die Anbaufläche auf das Dreifache, nämlich auf 18000 Hektaren zu steigern vermochten.

Heute besteht in einem Teil des Feldes ein Biotop, umgeben von einem Schilfgürtel. «Wenn ich heute in diesem Gebiet, von der Rietsrasse her zur Schürwis spaziere, denke ich oft an die vor 75 Jahren geleisteten Arbeitseinsätze zurück», berichtet Hansjakob Altenburger.

Auch Fussballer betroffen

Die ältesten Semester aus dem Fussballclub, dem Sportclub Aadorf erinnern sich ebenfalls an die schwere Zeit. Der sogenannten «Anbauschlacht» fiel nämlich ihr Fussballplatz «Unterwiesen» zum Opfer. Dieser wurde wegen der damals kritischen Eigenversorgung kurzerhand umgepflügt, denn die Vollzugsbehörde für Kleinpflanzer forderte 1942, dass das fruchtbare ebene Land beim Schützenhaus für den Anbau von Gemüse freigegeben werden müsse.

Statt Talenten sprossen bald Kartoffeln und Bohnen auf dem Feld. Auch der Ausweichplatz beim Restaurant Freihof wurde wenig später in ein Gemüsebeet umgewandelt. Den Fussballern wurde dann von der Gemeinde ein Platz beim Sulzerhof zugewiesen, wo sich heute die Tennisanlage befindet. Als Entschädigung mussten die Kicker allerdings beim Heuen behilflich sein.

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