Mehr Platz für weniger Konflikte: Die sozialpädagogische Pflegefamilie und Lebensgemeinschaft im Speicher eröffnet in Frauenfeld ein Mutter-Kind-Haus

Während neun Monaten wurde an der Speicherstrasse 21 in Frauenfeld gebaut. Die Leiterin Christine Schneider spricht über die Funktionsweise ihrer Institution und die Gründe, die sie zu diesem Bau bewegt haben.

Sophie Ade
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Das neue Mutter-Kind-Haus steht und befindet sich mit ihren Bauarbeiten auf der Zielgeraden.

Das neue Mutter-Kind-Haus steht und befindet sich mit ihren Bauarbeiten auf der Zielgeraden.

(Bild: Andrea Stalder)

Was lange durch Einsprachen der Nachbarn verhindert war, steht nun doch: das neue Mutter-Kind-Haus der sozialpädagogischen Pflegefamilie und Lebensgemeinschaft im Speicher (SPLIS) in Frauenfeld. Ein Haus, wo Mütter, welche mit der Erziehung ihrer Kinder an ihre Grenzen stossen, willkommen sind. Die Leiterin Christine Schneider fasst die Idee dahinter zusammen:

Christine Schneider ist die Leiterin von SPLIS.

Christine Schneider ist die Leiterin von SPLIS.

(Bild:Andrea Stalder)
«Hier soll ein Ort sein, wo Müttern in Notlagen geholfen wird, bis sich ihre Situation wieder stabilisiert hat.»

Die Eröffnung erfolgt mit einem Tag der offenen Tür am 31.Oktober an der Speicherstrasse 21.

Bereits vorher nahm SPLIS hilfesuchende Mütter in ihre Obhut. Doch kombiniert mit Kindern ohne Mütter, kam es zu Konflikten. «Bei Streitigkeiten nahm die Mutter ihr Kind immer sofort in Schutz und baute sich wie ein Drache vor dem anderen Kind auf», sagt Schneider. Allein konnte sich das Kind weder wehren noch verteidigen. Teilweise hätten die Mütter den Erziehern auch erklären wollen, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten. «Aber so ist das eben. Jede Mutter meint, es am besten zu wissen.»

In diesen breiten Gängen sollen die Bewohner des Mutter-Kind-Hauses zukünftig Platz zum Spielen und Bewegen haben.

In diesen breiten Gängen sollen die Bewohner des Mutter-Kind-Hauses zukünftig Platz zum Spielen und Bewegen haben.

(Bild:Andrea Stalder)

Anderthalb Millionen Franken aus eigener Tasche

Um diese Problematik zu umgehen, entstand die Idee eines eigenen Hauses, wo die Mütter in vier Wohneinheiten genug Platz für sich und ihre Kinder haben. Der Bau, welchen das Ehepaar Schneider selbst finanzierte, kostete rund anderthalb Millionen Franken.

Während der neunmonatigen Entstehungsphase plagte Schneider die Angst, dass die Erweiterung SPLIS unpersönlich machen könnte. «Unser Konzept war schon immer familiär und daran wollen wir auch jetzt noch festhalten.» Durch den Ausbau bietet die Institution nun insgesamt Platz für rund 25 Personen. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Schneider sagt:

«Sowohl junge als auch ältere Mütter können mit den Aufgaben einer Mutter überfordert sein.»

Bei Jüngeren würde die Herausforderung aber häufiger darin liegen, das Kind und die Ausbildung oder Schule unter einen Hut zu bringen. Die Möglichkeit zur Betreuung würde sie entlasten und gleichzeitig helfen, sich in der neuen Rolle der Mutter zurechtzufinden. «Ältere Mütter plagen dagegen oft psychische Probleme, welche es erschweren, das Kind so aufzuziehen, wie dieses es verdient hätte», sagt Schneider.

Aline Di Carmine ist die Verantwortliche des neuen Mutter-Kind-Hauses.

Aline Di Carmine ist die Verantwortliche des neuen Mutter-Kind-Hauses.

(Bild:PD)

Leiterin des neuen Mutter-Kind-Hauses ist die Psychologin Aline Di Carmine. Sie und ihr Team, bestehend aus Sozialpädagogen und Fachleuten aus den Bereichen Gesundheit sowie Betreuung, sind rund um die Uhr vor Ort und jederzeit ansprechbar. Sie helfen den Müttern in Fragen bezüglich der Erziehung und bieten ihnen die Möglichkeit für Gespräche und Therapien.