Mehr Garten für mehr Gärtner: In Frauenfeld ist Urban-Gardening Bedürfnis und zugleich Erfolgsgeschichte

Die zweite Saison im vergrösserten Gemeinschaftsgarten am Kanalweg startet. Fast 60 Aktive können beim Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (Ogif) mitarbeiten.

Mathias Frei
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Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Vereinspräsidentin Fiona Käppeli im Kohl.

Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Vereinspräsidentin Fiona Käppeli im Kohl.

(Bild: Reto Martin)

Die Erde ist nass, die Luft kühl. Aber ernten kann man immer noch: Federkohl, Rosenkohl, Spinat und diverse Kräuter. Eigentlich ist einem noch nicht nach Gärtnern zu Mute. Aber im Gemeinschaftsgarten des Vereins «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (Ogif) am Kanalweg geht diesen Samstag die Saison los, es steht der erste Gartentag für die mittlerweile rund 50 Aktivmitglieder an.

«Um in den Beeten zu arbeiten oder zu säen, ist es viel nass.»

Das sagt Katharina Portmann. Sie ist von Ogif seit vergangener Saison als Gartenkoordinatorin angestellt. Vereinspräsidentin Fiona Käppeli ergänzt: «Aber es gibt viele Sachen, die über den Winter liegen geblieben sind.»

Die ersten eigenen Physalis-Samen

Der Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (OGiF) hat nebst dem Gemeinschaftsgarten noch zwei weitere Standbeine: das Saatgutzucht-Projekt «Sagezu» (Samengemeinschaftszucht) im Klösterligarten und das urbane Gärtnern mit Hochbeeten an verschiedenen Standorten in der Stadt. Das Saatgut-Projekt im Rahmen einer Studie des Bundesamts für Landwirtschaft ist im Frühling 2018 gestartet. Für die heurige Gartensaison steht erstmals eigenes Saatgut zur Verfügung, nämlich von der Andenbeere (Physalis). Bei den Knackerbsen-Samen startet man einen zweiten Versuch. Zum ersten Mal sind Snackgurken Teil des Sagezu-Projekts.

Beim urbanen Gärtnern bestehen weiter fünf Standorte (Burstelpark, Schlossmühlestrasse, Murgplatz, Kappelerspielplatz und Lindenpark). Zur Diskussion steht ein sechster Standort, spruchreif ist aber noch nichts. (ma)

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Zahlen sprechen Bände. Was Ogif macht, ist in Frauenfeld ein Bedürfnis. Vor fünf Jahren begann der Verein mit einem kleinen, 123 Quadratmeter grossen Areal hinter der Alterssiedlung Kesselstrasse. Vergangene Saison konnte man erstmals das angrenzende Wiesland bewirtschaften. Dieses Jahr nun sind zwei neue Pflanzblätze angelegt worden. Fiona Käppeli sagt:

«Einmal Blumen und einmal Gemüse.»

Damit gedeihen nun auf 3800 Quadratmetern des 4500 Quadratmeter grossen Areals Gemüse, Kräuter, Früchte und Blumen.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Für maximal sechs Gärtner hat’s noch Pflanzblätze

Die Zahl der Aktivmitglieder ist netto um sechs, sieben Gärtner gestiegen. «Für fünf oder sechs zusätzliche Aktive hätten wir jetzt noch Platz», meint Katharina Portmann. Passivmitglieder zählt der Verein mittlerweile 150. Zum Saisonstart ist auch der Vorstand wieder komplett und siebenköpfig, nachdem er vor einem Jahr nur noch aus drei Personen bestanden hatte. Für die Gärtner stehen wiederum acht Gartentage an bis Oktober und eine Saisonauswertung im November. Die Teilnahme an den Gartentagen ist obligatorisch. Neu kann man wählen, ob man am ersten Samstagvormittag im Monat oder am dritten Freitagabend gärtnern kommt. Eine weitere Neuerung ist die Bildung von Gärtner-Tandems. So sollen Informationen und Wissen auch bei Aktivmitgliedern ankommen, die noch nicht perfekt Deutsch verstehen.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld: die beiden neu angelegten Beete..

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld: die beiden neu angelegten Beete..

(Bild: Reto Martin)

Auch baulich läuft etwas. Das grösste Projekt ist ein «luftiger Holzpavillon», wie Präsidentin Käppeli erklärt.

«Die Baubewilligung für den von Architektin Julia Riebel geplanten Bau haben wir kürzlich erhalten.»

Der Pavillon auf dem Kiesplatz in der Mitte des Areals sei im Boden verankert, könne aber auch schnell wieder abgebrochen werden. «Für uns ist ein Wetterschutz wichtig, sei es bei brütender Sommersonne oder bei Platzregen», sagt Portmann. Daneben soll das Tomatenhaus vergrössert werden. Und laut Käppeli gibt es das Projekt für einen Kinder(spiel)platz. «Konkret ist noch nichts, aber meine Kinder haben schon viele Ideen», sagt die Vereinspräsidentin. Denn man wolle für Familien attraktiver werden.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Auch in Sachen Finanzen sieht es rosig aus. Die Paul-Schiller-Stiftung aus Zürich begünstigt den Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld mit einem namhaften Betrag. So kann der Pavillon vollumfänglich finanziert sowie das 10-Prozent-Pensum der Gartenkoordination für dieses Jahr auf 20 Prozent verdoppelt werden.

Bei den Kooperationspartner hat es Zuwachs gegeben. Nebst dem Migrationsamt des Kantons ist neu auch das Thurgauer Gesundheitsamt mit einem Projekt zu Älterwerden in der Stadt mit von der Partie. Weiterhin involviert sind die Stadt, die beiden Kirchgemeinden, das Wohnheim Adler, das Solinetz, die Autonome Schule, das BBZ Arenenberg und Blumen Garten Küng.

www.offenesgaertnerninfrauenfeld.com und www.facebook.com/ogifogif

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

Blick in den Gemeinschaftsgarten am Kanalweg in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)
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