Erweiterung des Frauenfelder Wärmerings bietet mehr Chancen als Risiken

Ein fast einstimmiges Ja: Der Gemeinderat bewilligte am Mittwochabend einen Bruttokredit über 800000 Franken für die Erweiterung des Wärmerings im Gebiet Stadtkaserne/Grabenstrasse. Von einer logischen Folge war die Rede.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Gemeinderäte an einer Sitzung Rathaus Frauenfeld. (Bild: Reto Martin, 13.Dezember 2017)

Gemeinderäte an einer Sitzung Rathaus Frauenfeld. (Bild: Reto Martin, 13.Dezember 2017)

Um den Wärmering ist es ruhig geworden – und das verheisst in diesem Fall Gutes. Seit Anfang Jahr betreiben die Werkbetriebe die Fernwärmeversorgung, die sich durch die Abwärme der Kläranlage in der Grossen Allmend speist. Am Mittwoch nun stand eine Botschaft zur Erweiterung des Wärmering-Netzes auf der Traktandenliste des Gemeinderats. Und die Stadtparlamentarier winkten den Bruttokredit über 800000 Franken mit 34 Ja- bei einer Nein-Stimme knapp nicht einstimmig durch.

Stadtrat Ruedi Huber. (Bild: Donato Caspari)

Stadtrat Ruedi Huber. (Bild: Donato Caspari)

Der Entscheid habe sowohl eine politische als auch unternehmerische Komponente, stellte Stadtrat Ruedi Huber als Vorsteher der Werke fest. «Aus unternehmerischer Sicht sind die Risiken vertretbar.» Zugleich bestehe die Chance, dank der Erweiterung und der zusätzlichen Bezüger die Basisinfrastruktur besser auszulasten – und mittel- bis langfristig mit diesem Geschäftsbereich auch Gewinn zu erzielen.

Businessplan lohnt sich auch bei hohem Zinsniveau

Mit dem Ja des Gemeinderats kann im Gebiet Stadtkaserne/Grabenstrasse eine Erweiterung der Versorgungsanlagen stattfinden. Konkret geht es um einen neuen, 400 Meter langen Ast, der beim Oberen Mätteli von der Hauptleitung abzweigt und an der Stadtkaserne vorbei Richtung Grabenstrasse führt. Der Stadtrat hat drei Szenarien rechnen lassen. Der Anschluss von Stadtkaserne und Casino ist fix, auch für das sich im Bau befindliche Geschäftshaus Grabenstrasse 5/7 besteht eine Anschlusspflicht gemäss Gestaltungsplan. Realistisch ist zudem, dass sich auch das Einkaufszentrum Passage und die Adlerpassage für einen Anschluss entscheiden. Gemäss Businessplan lohnt sich die Investition im Falle des mittleren, realistischen Szenarios auch bei einem zukünftig möglicherweise höheren Zinsniveau als heute. Die Nettoinvestition liegt, unter anderem nach Abzug der Kostenbeiträge der neuen Bezüger für ihre Anschlüsse, noch bei 443000 Franken.

Für das Bauvorhaben gab es von links bis rechts durchaus wohlwollende Voten. Philipp Geuggis (FDP) erschien die Erweiterung kurzfristig «kaum lukrativ». Aber die Erhöhung der Bezügerzahl sei ohne Erweiterung schwierig. Deshalb solle dieses Risiko eingegangen werden. Was ihn freute, war der Umstand, dass der Stadtrat auch die laufenden Kosten und Erträge rechnen liess, wobei bei solchen Businessplänen «viel Spielraum für Diskussionen» bleibe. Für Christoph Tschanen (SVP) rechnete sich der realistische Businessplan. Er schlug aber vor, in Sachen Finanzierung auch den Energiefonds anzuzapfen. Laut Tschanens Parteikollegen Andreas Elliker als Sprecher der Geschäftsprüfungskommission Bau und Werke versuchen die Werkbetriebe in Kontakt zu bleiben mit den privaten Liegenschaftenbesitzern, deren Anschluss das Maximalszenario bedeutet. Es sei für alle GPK-Mitglieder klar gewesen, dass «dieser Ausbau sinnvoll ist», sagte Elliker. Christoph Regli (CVP) sah die Erweiterung als «logische Folge» auf das Ja zur Wärmering-Sanierung in der Volksabstimmung vergangenen September. Es sei wichtig, dass der Gemeinderat gut informiert worden sei. Nicht weniger relevant sei, dass Fernwärme preislich mit Erdsondenwärme standhalte.

Braucht gute Dämmung und sauberen Strom

«Wir nehmen an, dass die Attraktivität dieser schlau genutzten Abwärme weiter zunehmen wird», hielt SP-Gemeinderat Pascal Frey fest. Er sei zuversichtlich, dass im Falle der Stadtkaserne die Dämmung so erhöht, dass sich der Anschluss ans Netz lohne – vorausgesetzt: Spitzenleistungen werden über Gas abgedeckt. Laut Michael Pöll von den Grünen würde es wohl kaum verstanden werden, «wenn der Gemeinderat Massnahmen, welche die Rentabilität des Fernwärmerings erhöhen, nicht befürworten würde». Mit den Unsicherheiten von Berechnungen, die über 30 Jahre gehen, «müssen wir wohl leben», sagte Pöll. Weiter sprach er die Stromqualität an, mit der beim Wärmebezüger die benötigten Wärmepumpe betrieben. Wenn da «Dreckstrom aus Kohle» im Spiel sei, könne man nicht mehr von einer CO2-Redaktion sprechen.

Asyl- und Sozialhilfekosten: «Emotionen und Tatsachen klaffen weit auseinander»

Am Mittwoch diskutierte der Gemeinderat in der gebotenen Kürze die vom Stadtrat beantwortete Interpellation «Steigende Asyl- und Sozialhilfekosten in Frauenfeld» von Thomas Gemperle (SVP). Dieser hatte sich für den Spielraum respektive das Sparpotenzial der Stadt bei der Sozialhilfe und im Asylwesen interessiert. Die Zahlen würden Licht ins Dunkel bringen, zugleich stellten sich wieder neue Fragen, meinte Gemperle. Der Asylbereich sei äusserst komplex, nicht einfach zu verstehen und zu erklären, sagte die zuständige Stadträtin Christa Thorner. Sie beantwortete mehrere Nachfragen von Gemperle und blickte voraus. Mittelfristig werde für die Gemeinden und Kantone der Aufwand für die Integration und Sozialhilfe von anerkannten Flüchtlingen sinken. Sie schloss mit einem Zitat aus der NZZ, «dass beim Thema Zuwanderung Tatsachen und Emotionen weit auseinanderklaffen». Gemperles Interpellation sei begrüssenswert, weil sie mithelfe, Fehlwahrnehmungen zu korrigieren. Wer sich in der Diskussion als Fraktionssprecher zu Wort meldete, plädierte für die Weiterführung der bisherigen Frauenfelder Praxis und lobte die nachhaltige Arbeit der Sozialen Dienste. (ma)