Mehr als sein halbes Leben: Röbi Zahnd tritt nach 34 Jahren im Frauenfelder Stadtparlament zurück

Während 34 Jahren hat sich Revierförster und SVP-Politiker Robert Zahnd im Gemeinderat engagiert. Am Montag verabschiedete er sich ohne viel Aufhebens aus dem Rat. Zwei Wegbegleiter blicken zurück.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Robert Zahnd in seiner Funktion als Revierförster im Mühletöbeli. (Bild: Reto Martin (30. Dezember 2013))

Robert Zahnd in seiner Funktion als Revierförster im Mühletöbeli. (Bild: Reto Martin (30. Dezember 2013))

1979 war eine andere Zeit. Robert Zahnd schaffte für die SVP die Wahl in den Gemeinderat, 24-jährig war er. Der damalige Stadtammann Hans Bachofner war erst ein Jahr im Amt. Diesen Montag nun ging Zahnds letzte Gemeinderatssitzung über die Bühne. Wer mit ihm per Du ist, nennt ihn Röbi. 34 Jahre lang war Röbi im Gemeinderat engagiert. Eine unglaubliche Zahl in einer Zeit, da sich der Gemeinderat gefühlt alle sechs Jahr komplett erneuert. Zahnd, der am nächsten 1. Januar seinen 65. Geburtstag feiert, wirkte damit mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens lokalpolitisch mit.

Er wolle kein grosses Theater machen wegen des Rücktritts, hat Zahnd gesagt. Der gravierte Zinnbecher, den er an der Legislaturabschlussfeier nach der Ratssitzung überreicht bekommen hätte, wird ihm nach Hause geliefert ins Försterhaus. Denn Zahnd musste nach der Sitzung grad weiter. Kein grosses Theater. Das passt irgendwie zum Schaffer, der eine wichtige bürgerliche Stimme war, wenn er aufstand, der aber nie die mediale Öffentlichkeit suchte. Zahnd sass zuerst von 1979 bis zum ersten Rücktritt 1997 im Gemeinderat. Mit der erneuten Wahl 2003 kam der Rücktritt vom Rücktritt. Das Gemeinderatspräsidium 1993/94 überflügelt seine unzähligen Stunden Kommissionssitzungen.

Ein Streitschlichter und «Wahlschmöcker»

Werner Dickenmann, alt Stadtrat SVP. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Werner Dickenmann, alt Stadtrat SVP. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Werner Dickenmann kennt Zahnd – «ein guter Freund» – schon 30 Jahre lang. Bis 1995 hatte die SVP drei Mandate im Rat. Dann wurden vier daraus. Dickenmann schaffte die Wahl. Im gleichen Jahr übernahm Dickenmann von Zahnd das Präsidium der Stadtpartei. Im Folgejahr schafften beiden den Sprung in den Grossen Rat. «Nach Weinfelden bildeten wir jeweils eine Fahrgemeinschaft Zahnd/Dickenmann/ Ruprecht/Rickenmann.» Alt Regierungsrat Hanspeter Ruprecht und alt Gemeinderat Werner Gubler seien zwei Persönlichkeiten gewesen.

«Bei Streit zwischen den beiden musste Röbi immer wieder mal auch schlichten.»

Politik sei ein Teil seines Lebens, sagt Dickenmann, von 2001 bis 2011 erster Stadtrat für die SVP, über Zahnd. In der SVP sei dieser eine Institution, einer, der es im Gespür hatte, Wahl- und Abstimmungsresultate richtig vorauszusagen. Und Zahnd sei auch ein geselliger Typ, einer mit Sitzleder, früher mehr als heute.

«Wenn man mit ihm abends um die Ecken strich, wusste man, dass es spät werden würde.»

Zahnd sei ein grosser Verfechter der grossen Fraktion zwischen SVP und FDP gewesen, sagt Dickenmann. Während elf Jahren war alt FDP-Gemeinderat Werner Schiess ein Fraktionskollege Zahnds.

«So ein Lustiger war Röbi Zahnd nicht.»
Werner Schiess, alt Gemeinderat FDP. (Bild: Susann Basler, 20. Juni 2006)

Werner Schiess, alt Gemeinderat FDP. (Bild: Susann Basler, 20. Juni 2006)

Das meint Schiess lachend. Ausser bei den legendären Fraktionssitzungen im Försterhaus. Da sei es immer lustig gewesen. Aber viel mehr müssten Aussenstehende auch nicht erfahren über diese Zusammenkünfte. Und dann wird Schiess ernst und sagt: «Ich habe Röbi Zahnd in der Fraktion geschätzt. Er ist ein geradliniger Typ. Man wusste immer, woran man war.» Gleicher Meinung seien Zahnd und er nicht immer gewesen, aber oft.

Ein Gewerkschafter ohne den 1. Mai

Röbi Zahnd sei ein bürgernaher Politiker gewesen, sagt Dickenmann. «Und im Sinne der Thurgauer SVP sehr linientreu.» Aber stets habe er sich auch für die Büezer eingesetzt.

«Er war innerhalb der SVP gewissermassen unser Gewerkschafter. Aber also nicht so, dass er an die 1.-Mai-Feier gegangen wäre.»

Das meint alt Stadtrat Dickenmann. Und eine Person sei für Zahnds Politlaufbahn ganz zentral gewesen: Ehefrau Meia. «In all den Jahren hat sie ihm stets den Rücken freigehalten. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.»

Aktuelle Nachrichten