Medaillenträume werden wahr: Der Leichtathletik-Nachwuchs aus dem Thurgau setzt sich an der Schweizer Meisterschaft in Szene

An der stark besetzten U23/U20-Schweizer-Meisterschaft in Frauenfeld zeigen sich die Lokalmatadoren von ihrer positiven Seite. Der Thurgau zählt seit dem vergangenen Wochenende gleich mehrere Medaillengewinner. Und dass zum Teil nicht einmal die Sieger mit ihrer Zeit zufrieden sind, zeugt vom grossen Potenzial, das in den Athletinnen und Athleten steckt.

Jörg Greb
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Nick Rüegg war eine der Thurgauer Medaillenhoffnungen an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld. Er wurde den hohen Erwartungen gerecht.

Nick Rüegg war eine der Thurgauer Medaillenhoffnungen an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld. Er wurde den hohen Erwartungen gerecht.

Mario Gaccioli

Die Thurgauer Nachwuchs-Leichtathletin mit dem grössten Leistungsausweis ist nach wie vor Yasmin Giger. Die 20-jährige Romanshornerin, fünffache Medaillengewinnerin auf internationaler Ebene und vergangenes Jahr U23-EM-Dritte, wechselte auf diese Saison hin zum LC Zürich und Trainer Flavio Zberg. In Frauenfeld zu starten bezeichnete sie als «eine motivierende Rückkehr in die Heimat».

Einsame Klasse: Yasmin Giger liess der Konkurrenz auf nationaler Ebene keine Chance.

Einsame Klasse: Yasmin Giger liess der Konkurrenz auf nationaler Ebene keine Chance.

Mario Gaccioli

Standesgemäss siegte Giger am vergangenen Wochenende auf der Kleinen Allmend bei den U23 über 400 m Hürden. Mit ihren 57,12 Sekunden stellte sie eine persönliche Saisonbestzeit auf. Ihren höchsten Ansprüchen (55,90 von 2017) genügte diese allerdings nicht. «Ich sehe mich auf dem Weg zurück», sagt sie. Im Winter hatte sie sich verletzt. «Es geht Schritt für Schritt vorwärts.»

Nick Rüegg nur vom Wind gebremst

Nick Rüegg

Nick Rüegg

Mario Gaccioli

Für seine Leistung zwiespältig belohnt sah sich Nick Rüegg über 110 m Hürden bei den U20. Das Mitglied der NET Sport Amriswil gewann zwar unbestritten Gold, die 13,74 Sekunden stellten den 19-Jährigen aber nicht zufrieden, auch wenn es sich um eine Saisonbestmarke handelte. Ein Gegenwind von 2,3 m/s bremste ihn. Die Qualität des Rennens zeigt sich auf eine andere Weise: Der Vorsprung auf den Zweitplatzierten betrug satte 59 Hundertstel. Aber seine Bestmarke von 13,67 aus dem letzten Jahr vermochte Rüegg in Frauenfeld nicht zu knacken. Bereits am ersten Wettkampftag gewann Melissa Wohlwend das Hammerwerfen der U20. Mit 47,88 m steigerte die Athletin des LC Frauenfeld ihre Saisonbestmarke vom Frauenfelder Meeting von Anfang Juli um einen Zentimeter. Allerdings fehlen bis zu ihrer Bestweite von 2019 immer noch 1,42 Meter.

Medaillen für die grossen Favoriten

Aus nationaler Sicht präsentierten die Schweizer Nachwuchshoffnungen auf der Kleinen Allmend in Frauenfeld ihr Potenzial. Zehnkampf-U20-Europameister Simon Ehammer siegte im Weitsprung trotz Gegenwind mit 7,91 m. Der 400-m-U20-EM-Zweite Ricky Petrucciani gewann das Double über 100 m und 200 m in vom Wind gehemmten 10,56 beziehungsweise 21,09. William Reais erkämpfte sich den Titel über 400 m. Punkto Medaillen am erfolgreichsten schnitt Mehrkampfmeisterin Annik Kälin ab: U23-Gold im Speerwerfen, Gold im Weitsprung und Bronze über 200 m. Mit Gold (1500 m) und Bronze (800 m) sah sich 1500 m-U20-Europameisteirn Delia Sclabas belohnt.

Mathieu Jaquet gewann bei den U23 über 110 m Hürden Silber. Mehr durfte sich der 22-Jährige vom LC Frauenfeld bei dieser Konkurrenz nicht erhoffen. Höhere Erwartungen aber hatte er an seine Zeit: Mit 14,61 Sekunden verpasste Jaquet seine Saisonbestmarke um 28 Hundertstel. Und der Rückstand auf Sieger Jason Joseph, den U23-Europameister, war riesig: 1,17 Sekunden. «An der Schweizer Meisterschaft der Aktiven will ich es besser machen», sagt Jaquet mit einem Mix aus Selbstkritik und Selbstvertrauen.

Der Rahmen stimmte für die Schweizer Leichtathletik-Meisterschaft der U23/U20 auf der Sportanlage Kleine Allmend in Frauenfeld.

Der Rahmen stimmte für die Schweizer Leichtathletik-Meisterschaft der U23/U20 auf der Sportanlage Kleine Allmend in Frauenfeld.

Mario Gaccioli

Andrina Hodel setzt Karriere in den USA fort

Nicht alleine durch ihren Goldmedaillengewinn fiel am ersten Wettkampftag Andrina Hodel auf. Die 20-jährige Homburgerin vom LC Frauenfeld steigerte sich im Stabhochsprung auf international beachtliche 4,40 m. Damit verbesserte sie ihre erst sechs Tage alte Bestmarke um drei Zentimeter. In der europäischen Jahresbestenliste verbesserte sie sich auf Position fünf. Nach den Schweizer Elite-Meisterschaften vom 13. September wird sie für mindestens drei Monate in die USA fliegen und sich im Universitätsteam von Oklahoma vorrangig ihrer Disziplin, dem Stabhochsprung, widmen.

Die Medaillenübergabe war für die Gewinnerinnen und Gewinnern der Höhepunkt des Anlasses.

Die Medaillenübergabe war für die Gewinnerinnen und Gewinnern der Höhepunkt des Anlasses.

Mario Gaccioli