Dem Baulärm zum Trotz: Mauersegler fliegen auf das Bollag-Gebäude in Frauenfeld

Trotz der aktuellen Sanierung bleibt die Schlossmühlestrasse 9 im Frauenfelder Stadtzentrum ein beliebter Niststandort. Heuer hängen Nistkastenprovisorien. Kommenden Frühling werden fixe Kästen für die Gebäudebrüter eingebaut.

Mathias Frei
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Ein Mauersegler im Flug. (Bild: PD)

Ein Mauersegler im Flug. (Bild: PD)

Sie sind zurück, die Mauersegler am Bollag-Gebäude an der Schlossmühlestrasse 9. Dass dem so ist, stellt mitnichten eine Selbstverständlichkeit dar.

«Darum freue ich mich umso mehr, dass sie wieder bei uns nisten.»

Das meint Ruth Ott. Sie ist Geschäftsführerin der Walter Bollag AG, welcher der Gebäudekomplex in der Schlossmühle gehört. Die Bollag-Bauten sind ein traditioneller Niststandort. Sicher seit dem Neubau von 1961 steigen die Mauersegler jeweils von Mai bis Ende Juli, Anfang August hier ab.

Und auch heuer sieht Ruth Ott immer wieder Vögel, die zu den Nistkästen fliegen.

«Die Vögeli gehören irgendwie zum Haus, wir haben uns seit eh und je um sie gekümmert.»

Nach Information des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Frauenfeld haben in den Vorjahren jeweils drei bis vier Mauersegler-Paare am Bollag-Gebäude genistet.

Provisorien zur Verfügung gestellt vom Vogelschutz

Nicht selbstverständlich ist die Rückkehr der Gebäudebrüter aus ihrem Winterquartier in Südafrika darum, weil derzeit die Schlossmühlestrasse 9 umgebaut wird. Ihnen sei wichtig gewesen, dass die Vögel bleiben. «Deshalb hat unser Bauleiter mit dem örtlichen Natur- und Vogelschutzverein zusammengearbeitet», sagt Ott. Bei Gebäudesanierungen stellt der NVV den Bauherrschaften unentgeltlich Nistkastenprovisorien aus Holz mit einem Kupferdach zur Verfügung. Diese werden für die Zeit der Bauarbeiten möglichst nah an den bisherigen Niststandorten installiert. An der Schlossmühlestrasse 9 sind es, am Gerüst gut sichtbar, zehn provisorische Kästen.

Der zuständige Bauleiter ist Architekt Stephan Selb von Staufer & Hasler. «Mit ihm haben wir bereits bei der Sanierung des Regierungsgebäudes sehr gut zusammengearbeitet», sagt Sandra Schweizer, NVV-Vorstandsmitglied. Wenn man ein nächstes Mal solche Provisorien aufhänge, werde man sehr wahrscheinlich Nisthilfen in die Kästen legen. Dann hätten es die Mauersegler einfacher beim Nestbau, sagt Schweizer. Und NVV-Vorstandskollegin Margrit Schilling lobt die Bauherrschaft:

«Wir sind mit der Lösung am Bollag-Gebäude sehr zufrieden.»

Es sei durchaus vorstellbar, dass nach Abschluss der Bauarbeiten in den neuen fixen Nistkästen mehr als die bisherigen drei bis vier Paare nisten würden, meint Schilling.

Fixe Nistkästen 
ab Frühling 2020

Mitte 2020 sollen die umgebauten Räumlichkeiten an der Schlossmühlestrasse 9 bezugsbereit sein. Die neuen Nistkästen würden aber bereits im Frühling installiert, sagt Ruth Ott. Damit sich die Mauerseglerpaare in ihren neuen Sommerresidenzen einrichten können. «Wir hatten ein wenig Angst, ob die Vögel heuer wieder kommen. Und nun hoffen wir natürlich, dass sie auch nächstes Jahr wieder bei uns sind», meint Ott. Zu solchen Traditionen müsse man Sorge tragen.

Wie die Geschäftsführerin der Walter Bollag AG weiss, habe der Frauenfelder Architekt Armin Bossert, selber ein engagierter Vogelschützer, für den Neubau von 1961 verantwortlich gezeichnet. Er sei ein Freund von Eigentümer Walter Bollag gewesen und habe diesen damals erfreulicherweise für die Anliegen des Vogelschutzes begeistern können. Deshalb gebe es schon seit fast 60 Jahren Mauersegler-Nistkästen am Bollag-Gebäude, sagt Ott.