Matzingens einzige Kita steht vor der Schliessung, Eltern starten zur Rettung eine Crowdfunding-Aktion

Die Coronapandemie hat der Matzinger Kita «Irgendwie Anderst» wirtschaftlich das Genick gebrochen. Ein Vater will die Schliessung aber nicht hinnehmen und sammelt nun Geld.

Evi Biedermann
Drucken
Teilen
Die Kitaleiterinnen Katja Tosoni und Nicole Kretzinger mit einem aufgeweckten Mädchen, das die Kita «Irgendwie Anderst» besucht.

Die Kitaleiterinnen Katja Tosoni und Nicole Kretzinger mit einem aufgeweckten Mädchen, das die Kita «Irgendwie Anderst» besucht.

(Bild: Evi Biedermann)

Es ist ein hehres Ziel, das Franco Zurlino anstrebt. Der Familienvater aus Matzingen will mit einem Crowdfunding die lokale Kita retten. Zum einen, weil er und seine Frau dringend auf die institutionalisierte externe Betreuung seiner Tochter angewiesen sind. Zum anderen, weil eine Schliessung für die beiden Kitaleiterinnen zu einem finanziellen Desaster werden könnte. Das Sammelziel: 100'000 Franken. Bislang sind 715 Franken im Trockenen.

Nicole Kretzinger und Tanja Tosoni haben für die Räumlichkeiten der Kita im Januar 2019 einen fünfjährigen Mietvertrag unterschrieben. Zurlino hat ausgerechnet, dass sich die noch ausstehenden Mietkosten bis zum Vertragsende auf 100'000 Franken belaufen.

«Da muss etwas gehen.»

Das sagte er sich und mobilisierte andere Eltern. Es gehe um einen Betrieb, der mit grossem Engagement und privaten Mitteln aufgebaut worden sei. Notabene die einzige Kita im Dorf. Das sei nicht nur für jetzige Eltern ein Mehrwert, sondern auch für zukünftige.

Bis zum Coronaausbruch ging es stetig aufwärts

Franco Zurlino, Initiant der Crowdfunding-Aktion.

Franco Zurlino, Initiant der Crowdfunding-Aktion.

(Bild: PD)

Corona hat dem noch jungen Unternehmen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Langsam, aber stetig war es aufwärts gegangen, kurz vor Ausbruch der Pandemie verzeichnete die Kita «Irgendwie Anderst» eine rentable Kinderzahl. Dann wurde alles anders: Verunsicherte Eltern behielten ihre Kinder zu Hause oder zogen sie zurück. So sehen sich die beiden Betreiberinnen nun gezwungen, die Kita per 31. Juli zu schliessen.

«Wir mussten handeln. Uns fehlen die Kinder.»

Das sagt Tanja Tosoni. «Wir hatten etliche interessierte Eltern, aber keine neuen Vertragsabschlüsse», sagt Nicole Kretzinger. Auch die Gemeinde, mit der man seit längerem über eine Leistungsvereinbarung im Gespräch gewesen sei, habe auf das E-Mail mit der Mitteilung über die baldige Schliessung nicht reagiert. «So können wir nicht in die Zukunft blicken», finden beide Frauen.

Walter Hugentobler, Gemeindepräsident Matzingen.

Walter Hugentobler, Gemeindepräsident Matzingen.

(Bild: Andrea Stalder)

Matzingens Gemeindepräsident Walter Hugentobler, an den das E-Mail gerichtet war, sagt, er habe die Nachricht über die Kitaschliessung als Information zur Kenntnis genommen. «Für mich war es eine Mitteilung über eine beschlossene Sache.» Natürlich bedaure er den Entscheid, denn er sei der Kita gegenüber immer positiv eingestellt gewesen und habe eine familienexterne Kinderbetreuung im Dorf begrüsst. Das sei auch jetzt noch so.

«Finanzielle Unterstützung hingegen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zusichern.»

Die Hoffnung liegt somit auf Franco Zurlino und seinem Crowdfunding. «Wir haben nichts davon gewusst und freuen uns über die grosse Solidarität», sagt Kretzinger. Jeder Franken sei jetzt willkommen, damit wenigstens ein Teil der auflaufenden Mietkosten gedeckt sei. Die Räumlichkeiten an der Stettfurterstrasse sind bereits gekündigt und per 1. August zur Wiedervermietung ausgeschrieben. Vom Vertrag befreit werden die Betreiberinnen jedoch erst, wenn ein neuer Mieter gefunden ist.

Die Crowfunding-Aktion: bit.ly/37Effa9

Mehr zum Thema: