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Masterarbeit über geplante Wohnbaugenossenschaft in Steckborn

Noch ist der Baustart für die Überbauung der Steckborner Wohnbaugenossenschaft (Woba) Linde nicht erfolgt. Neue Erkenntnisse über ein mögliches Zusammenleben innerhalb der geplanten Überbauung bringt aber die Masterarbeit eines der Vorstandsmitglieder, Sozialpädagogin Judith Kern.
Samuel Koch
Die Visualisierung zeigt, wie die Überbauung der Wohnbaugenossenschaft Linde in Steckborn aussehen könnte. (Bild: PD)

Die Visualisierung zeigt, wie die Überbauung der Wohnbaugenossenschaft Linde in Steckborn aussehen könnte. (Bild: PD)

55 Seiten umfasst das Papier, das ein optimales Zusammenleben zwischen Jung und Alt ermöglichen soll. «Die Arbeit darf gerne als Leitfaden gelten», sagt Judith Kern über ihre Masterarbeit, die sie für die Hochschule für Soziale Arbeit in Olten verfasste. Als Kernstück befragte die studierte Sozialpädagogin anonym potenzielle Genossenschafterinnen und Genossenschafter und fasste die Erkenntnisse in der Arbeit mit dem Titel «Altersdurchmischtes Wohnen und der Gedanke des genossenschaftliches Zusammenleben in der Wohnbaugenossenschaft (Woba) Linde – eine Chance für Steckborn?» zusammen. Im Zentrum von Steckborn plant die Woba Linde eine Überbauung für altersdurchmischtes Wohnen.

Ein Blick auf das Lindenareal aus der Vogelperspektive, links die Frauenfelderstrasse. (Bild: Olaf Kühne)

Ein Blick auf das Lindenareal aus der Vogelperspektive, links die Frauenfelderstrasse. (Bild: Olaf Kühne)

Die Idee für eine Masterarbeit über die Woba entstand vor zwei Jahren, als die 45-jährige Kern durch Stadtpräsident Roger Forrer erstmals vom Projekt erfuhr. Kern arbeitet zwar in Zürich, wohnt aber schon seit zehn Jahren am Untersee. «Aufgewachsen bin ich im Zürcher Weinland», sagt die gelernte Detailhandelsfachfrau, die auf dem Zweitweg zur Sozialen Arbeit fand. Dank ihrer Verwandtschaft sei sie als Kind aber schon oft beim Spielplatz des Seeschulhauses am See spielen gewesen, weshalb sie sich in Steckborn verliebte. Liebe entstand auch zur Idee der Woba Linde, bei welcher sie nach Anfragen der Vorstandsmitglieder Gregor Rominger und Roger Forrer ihre Arbeit aufnahm und auch ihre Ideen einbringen konnte. «Ich wusste, dass ich eine Masterarbeit über eine Wohnbaugenossenschaft machen würde, aber noch nicht, dass es über die Woba Linde sein würde», sagt Kern.

«Plötzlich fragten sie mich an, ob ich nicht auch im Vorstand im Ressort Soziales mitarbeiten möchte.» Judith Kern, Woba-Vorstandsmitglied

Dann sei alles relativ schnell gegangen, aufgrund der Zusammenarbeit mit Rominger, Forrer und den restlichen Vorstandsmitgliedern bekam Kern Zugang zu den nötigen Informationen. «Plötzlich fragten sie mich an, ob ich nicht auch im Vorstand im Ressort Soziales mitarbeiten möchte», meint Kern. Sie empfand die Arbeit als spannend und sagte zu. Und weil sie sich in Roger Forrer verliebte, mit dem sie mittlerweile liiert ist, trat Letzterer mit der Wahl von Kern aus dem Woba-Vorstand zurück. «Das vordergründige Ziel war immer die Masterarbeit», sagt Judith Kern und schmunzelt.

29 Fragen zu Bedürfnissen und Erfolgsfaktoren

Woba-Vorstandsmitglied Judith Kern mit ihrer Masterarbeit. (Bild: Samuel Koch)

Woba-Vorstandsmitglied Judith Kern mit ihrer Masterarbeit. (Bild: Samuel Koch)

Inhaltlich verfolgte Judith Kern in ihrer Arbeit das Ziel, mit zwei Fragestellungen sowohl mehr über Bedürfnisse und Ansprüche für mögliche Genossenschafter als auch mögliche Erfolgsfaktoren einer Wohnbaugenossenschaft zu erfahren. «Das sind Fakten, die uns bisher noch gefehlt haben», sagt sie. Nach dem theoretischen Teil über Generationen im Wandel und die bisherige Historie der Woba Linde stellte Kern den interessierten Woba-Genossenschaftern insgesamt 29 Fragen: etwa zu aktivem Zusammenleben oder gemeinsamen Anlässen innerhalb der Genossenschaft, zu einer Gemeinschaftsküche, Gestaltung des Gartens, Nachbarschaftshilfe oder Betreuung beim Einkaufen sowie bei Kindern.

«Wichtig wird sein, dass wir als Vorstand gut abklären und auswählen, an wen die Wohnungen vermietet werden.» Judith Kern, Woba-Vorstandsmitglied

Zwar zeige die Umfrage, dass das «Miteinander» ein wichtiger Punkt sei, und der Genossenschaftsgedanke einen nicht zu unterschätzender Stellenwert einnimmt. «Allerdings sind es keine entscheidende Faktoren», sagt Kern. Viele Befragten wünschen sich zudem, dass sie möglichst lange autonom und unabhängig sein können, obwohl sie das «Miteinander» punktuell und ohne Verpflichtung pflegen wollen, «so in einer Art ‹Genossenschaftsgedanken light›».

Gezielte Werbung bei Familien und Jungen

Die wohl wichtigste Erkenntnis liegt jedoch in der Demographie, denn die meisten Befragten sind zwischen 60 und 80 Jahren alt. «Wir müssen also für altersdurchmischtes Wohnen gezielt Werbung bei Familien und Junge machen», sagt Kern. Oberstes Ziel für Kern und den gesamten Woba-Linde-Vorstand sei, «dass die Woba Linde lebt!» Hingegen wenig Erkenntnisse brachte für Kern die Fragestellung nach den Erfolgsfaktoren. «Wichtig wird sein, dass wir als Vorstand gut abklären und auswählen, an wen die Wohnungen vermietet werden.» Noch ist offen, wann der Baustart für die «Linde» und die 48 geplanten 21/2- bis 51/2-Zimmerwohnungen beginnt. «Ich freue mich schon heute darauf, wenn die ersten Genossenschafter einziehen», sagt sie. Es brauche aber Zeit und viel Schweiss, bis die ersten Schlüssel übergeben werden können. Übrigens: Für Kerns Arbeit resultierte die Note 4,5.

Die ganze Masterarbeit von Judith Kern gibt es im Internet unter: www.bit.ly/2LvXNfn

Noch stehen die Häuser an der Frauenfelderstrasse, ehe sie für die vierteilige Überbauung Platz machen sollen. (Bild: Donato Caspari, Dezember 2017)

Noch stehen die Häuser an der Frauenfelderstrasse, ehe sie für die vierteilige Überbauung Platz machen sollen. (Bild: Donato Caspari, Dezember 2017)

Finanzierung ist in Sicht

Die Woba Linde plant an der Frauenfelderstrasse bei der Schulanlage Hub eine vierteilige Überbauung für altersdurchmischtes Wohnen für rund 26 Millionen Franken. Nachdem die Stimmbürger von Steckborn ein Darlehen über zehn Millionen Franken ablehnten, geriet die Finanzierung ins Stocken. «Wir sind jetzt auf gutem Weg und legen mit dem Rückbau los, sobald alle Verträge unterzeichnet sind», sagt Woba-Präsident Gregor Rominger. Nebst Darlehensanträgen des Bundesamtes für Wohnungswesen und der Stiftung Solidaritätsfonds von Wohnbaugenossenschaften Schweiz bestünden nun auch konkrete Angebote von Finanzinstituten. «Sie sichern mit etwa drei Vierteln den Hauptanteil der Finanzierung», sagt Rominger. Bisher haben rund 80 Personen einen Genossenschaftsschein à 500 Franken gezeichnet. 39 von 48 geplanten Wohnungen sind vorreserviert. Die Erkenntnisse aus der Masterarbeit von Woba-Vorstandsmitglied Kern bezeichnet Rominger als «sehr wertvoll», besonders weil sich die Umfrage grösstenteils auf Woba-Genossenschafter stützt: «Dadurch kennen wir die Bedürfnisse der künftigen Bewohner schon jetzt ziemlich gut.» Als eigentlichen Glücksfall bezeichnet er aber das professionelle Wissen von Judith Kern, das dem Woba-Vorstand zugutekomme. (sko)

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