Massnahmen kosten mehr als 45 Millionen Franken: Entwurf für das Hochwasserschutzprojekt der Region Wil kommt in öffentliche Auflage

Am kommenden Freitag stellen die Verantwortlichen das Hochwasserschutzprojekt vor. Während einem Monat können sich anschliessend die Einwohner von Rickenbach, Wilen, Sirnach und Wil zum Vorhaben äussern.

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Autofahrer stehen am 14. Juni 2015 nach heftigem Unwetter auf der Autobahn A1 in Wil im Schlamm.

Autofahrer stehen am 14. Juni 2015 nach heftigem Unwetter auf der Autobahn A1 in Wil im Schlamm.

Bild: Ennio Leanza/Keystone

(red) Nachhaltiger Schutz vor Hochwasser, mehr Natur, bessere Wasserqualität und ein neuer Rad- und Gehweg: Diesen Mehrwert soll das Projekt für den Hochwasserschutz der Region Wil bringen. Vom 2. November bis 1. Dezember liegt der Entwurf des Auflageprojekts im Gemeindehaus von Rickenbach und Wilen öffentlich auf.

«Die Bevölkerung ist aufgerufen, die Chance zur Mitwirkung zu ergreifen», schreibt das Amt für Umwelt (AfU) des Kantons Thurgau in seiner Mitteilung. So können sich die Einwohner von Rickenbach, Wilen, Sirnach und Wil in die Diskussion rund um den Hochwasserschutz der Region Wil einbringen.

Zudem stellen Regierungsrätin Carmen Haag und das Projektteam die aktualisierten und weiter optimierten Massnahmen der Öffentlichkeit vor. Die Infoveranstaltung findet am kommenden Freitag, 30. Oktober, um 19 Uhr in der Schulanlage Ägelsee in Wilen statt. «Die Durchführung erfolgt unter der Einhaltung der Coronavorgaben», schreibt das AfU weiter. Ab dem 2. November wird ein Formular für die Mitwirkung im Gemeindehaus aufgelegt und ist auf der Projektwebsite www.hws-region-wil.ch verfügbar.

Regionales Projekt als einzige Möglichkeit

Bevölkerungswachstum, neue Infrastrukturbauten und stets intensivere landwirtschaftliche Nutzung veränderten den Lebensraum in der Region Wil in den vergangenen Jahrzehnten markant. Unwetterereignisse mit Überschwemmungen hätten gezeigt, dass der Hochwasserschutz verbessert werden muss, heisst es in der Mitteilung.

Seit 1981 wurden in den Gemeinden Einzelmassnahmen geprüft, aber nie umgesetzt. «Es zeigte sich, dass nur eine gemeinsame Projektentwicklung den Hochwasserschutz für die vier Bäche gewährleisten kann», schreibt das AfU. In den vergangenen Jahren entwickelte ein Team ein regionales Projekt. Dieses sieht Massnahmen am Alp-, Krebs-, Hueb- und Meienmättelibach vor.

Bäche erhalten mehr Land

Während der Planung habe das Projektteam die vielfältigen Ansprüche an das berücksichtigt. Ein Fokus lag auf der Weiterentwicklung der Region als Lebensraum und Wirtschaftsstandort. «Durch Projektoptimierungen konnte der Landbedarf und die Nutzungseinschränkungen reduziert werden», heisst es in der Mitteilung weiter. Die vier Bäche erhalten 2,8 Hektaren mehr Land. Landumlegungen und Pachtlandabtausch sollen die Lasten für die produzierende Landwirtschaft so weit als möglich ausgleichen.

Mit dem Projekt wollen die Verantwortlichen ausserdem mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen. Und die Trennung von Schmutz- und Regenwasser soll für eine bessere Wasserqualität sorgen. Dadurch wird die Kläranlage bei Starkregen weniger gefordert. Auf einer Länge von rund 2,2 Kilometern sind neue Ufer- und Gewässer-Lebensräume vorgesehen. Die Artenvielfalt wird erhöht. Und ein neuer Radweg entlang des Bahndamms soll das Gebiet zusätzlich aufwerten. Das AfU schreibt:

«Aktuelle Kosten-Nutzen-Berechnungen zeigen, dass die Investitionskosten von ungefähr 45,5 Millionen Franken angemessen sind.»

Denn die dichte Überbauung mache kostenintensive Bauwerke nötig. Und mit dem Projekt könne das Schadenpotenzial eines Hochwassers, das statistisch gesehen alle 100 Jahre eintrifft, um 70 Millionen Franken gesenkt werden.

2019 und 2018 hat das Projektteam die Bevölkerung an zwei Infoveranstaltungen über den Planungsprozess informiert. Die Vernehmlassung bei den Standortgemeinden, beim Bundesamt für Strassen und bei den kantonalen Fachstellen Thurgau und St.Gallen habe laut dem AfU gezeigt, dass die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden und das Projekt bewilligungsfähig ist.