Martin Hubmann heizt die Schweizer Sprint-Meisterschaft im Thurgau an: «Ich sehe die Chance, die Favoriten und insbesondere Daniel zu besiegen»

Am Wochenende gilt es für die Orientierungsläufer erstmals in diesem Jahr ernst. An der Schweizer Sprint-Meisterschaft in Frauenfeld und Kreuzlingen stehen die Eschliker Daniel und Martin Hubmann im Zentrum der Aufmerksamkeit. Beide streben den nationalen Titel vor heimischem Publikum an.

Jörg Greb
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Die Lokalmatadoren Martin (links) und Daniel Hubmann zählen an den Schweizer Meisterschaften im Thurgau beide zum Favoritenkreis.

Die Lokalmatadoren Martin (links) und Daniel Hubmann zählen an den Schweizer Meisterschaften im Thurgau beide zum Favoritenkreis.

Michel Canonica (Wil, 23. Oktober 2015)

Das vergangene Wochenende diente als Einstimmung. Der nationale Mitteldistanz-OL in Schwarzenberg im Kanton Luzern sorgte für hohe Adrenalinspiegel und Siegeswille. Und Daniel Hubmann, der Favorit, scheiterte. Wegen eines früh falsch gestempelten Postens schied er aus – ohne es sofort zu bemerken. Ein Hubmann aber siegte trotzdem: der sieben Jahre jüngere Bruder Martin. Eine brisante Vorgabe im Hinblick auf die Schweizer Sprint-Meisterschaft von diesem Sonntag in Kreuzlingen. «Es lief dumm», sagt Daniel Hubmann zum vergangenen Wochenende. Der 37-jährige Routinier, achtfacher Weltmeister und fünffacher Gesamtweltcup-Sieger muss aber auch eingestehen: «Ich lief nicht gut.» Tragisch ist für ihn die missglückte Hauptprobe auf die erste Saisonentscheidung nicht: «Das war kein Weltuntergang.»

Daniel Hubmann stets Erster oder Zweiter in der Sprint-Meisterschaft

Am Samstag in der Sprint-Staffel in Frauenfeld und vor allem am Sonntagnachmittag beim Sprint-Einzelrennen in Kreuzlingen wird er «ganz anders fokussiert und mit grossem Hunger laufen». Sicherheit vermittelt Daniel Hubmann das eigene Gefühl sowie die Statistik: 13 Sprint-Meisterschaftsrennen ist er seit 2004 gelaufen – und wurde stets Erster oder Zweiter. Gerne erinnert er sich an seinen ersten Titelkampf in dieser Disziplin überhaupt. Er fand in Frauenfeld statt mit Daniel Hubmann als Sieger.

Daniel Hubmann

Daniel Hubmann

Remy Steinegger/Swiss Orienteering (Riga/LAT, 4. August 2018)

Der Weltklasse-Orientierungsläufer zeigt sich erfreut darüber, dass er trotz Coronapandemie wieder OL bestreiten kann. Der Frühling setzte ihm zu, auch wenn er schnell versuchte, positiv zu denken. Die Perspektivlosigkeit, die Unsicherheit, die gute Form ohne Nutzen – das alles galt es zu verarbeiten. «Ich schlitterte in eine sportliche Krise», sagt Daniel Hubmann. Jetzt fühlt er sich wieder bereit. Gleichzeitig aber sagt er: «Irgendwie wäre es schade, jetzt in absoluter Topform zu sein. Ohne Weltmeisterschaften, ohne Weltcup.»

Einen angemessenen Stellenwert schenkt er den Schweizer Rennen alleweil. Zuoberst auf dem Podest würde er sich darum auch in diesem Jahr gerne sehen. Doch er weiss: «Ich muss aufgrund der Konkurrenz sehr gut und sehr schnell laufen.» Matthias Kyburz, Weltmeister 2012 im Sprint und Europameister 2017 sowie Joey Hadorn sieht er als berechtigte Goldanwärter.

Martin Hubmann

Martin Hubmann

Remy Steinegger/Swiss Orienteering (Tartu/EST, 2017)

Martin Hubmann ganz im Kontrast zu Daniel Hubmann

Und dann ist da noch Martin Hubmann. Der 31-Jährige, der wie sein älterer Bruder voll auf die Karte OL setzt, blickt anders auf die Coronazeit zurück. «Ich bin ziemlich gut hindurchgekommen.» Er fühlte sich motiviert. «Das spiegelte sich im Trainingsfleiss.» Der Sieg vom vergangenen Sonntag untermauert sein Gefühl. «Es war mein erster Triumph auf nationaler Stufe in einem Mitteldistanz-Rennen», streicht der Hinterthurgauer hervor. Er sieht dies als die richtige Einstimmung auf die Sprint-SM, Martin Hubmanns eigentliche Domäne. Vom Goldgewinn spricht er dennoch nicht: «Das Ziel ist eine Medaille.» Und: «Ich sehe die Chance, die Favoriten und insbesondere Dani zu besiegen.»

Am Sonntag in Kreuzlingen geht es also nicht nur um den Titel und um Medaillen, sondern auch um die Hierarchie unter den Hubmann-Brüdern.