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Matzinger Gemeinderat rutscht nach rechts, wird männlicher und weniger farbig

Ab Juni stehen der politischen Gemeinde nebst SP-Gemeindepräsident Walter Hugentobler zwei Vertreter der SVP und zwei Parteilose vor. Erstmals seit langem sitzt zudem keine Frau mehr im Gremium. Die zwei Abgewählten beurteilen einzelne Vorgänge im Wahlkampf zwar teils als stossend. Einen Groll hegen sie deshalb aber nicht.
Samuel Koch
So präsentiert sich die Aussicht aufs Dorf vom Ruggenbühl her. (Bild: Andrea Stalder)

So präsentiert sich die Aussicht aufs Dorf vom Ruggenbühl her. (Bild: Andrea Stalder)

Im Murgtal bläst bald ein anderer Wind. Denn die Stimmberechtigten haben an den Gesamterneuerungswahlen vom 10. Februar über eine neue Zusammensatzung im Gemeinderat von Matzingen entschieden. Mit Kurt Fäh (SVP) und Renate Märki (CVP) haben zwei Bisherige ihre Wiederwahl nicht geschafft. Und weil Christian Koch (SP) nach 17 Jahren aus freien Stücken zurücktrat, bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Bis auf Gemeindepräsident Walter Hugentobler (SP) und Gemeinderat Hanspeter Krähenbühl (SVP, 426 Stimmen) sitzen für die neue Legislatur ab Anfang Juni drei neue Gesichter im fünfköpfigen Gremium der politischen Gemeinde.

Nebst Krähenbühl haben mit Roger Wegmüller (parteilos, 395), Walter Lanz (SVP, 359) und Peter Schellenberg (parteilos, 305) drei Neue die Wahl in den Gemeinderat geschafft.

Krähenbühl: «Es stehen noch einige Projekte an»

Überrascht über das Wahlresultat zeigt sich der Wiedergewählte Hanspeter Krähenbühl, der sich seit 2014 für Matzingen engagiert und seine Stimmen als Glanzresultat bezeichnet. Er sagt:

«Es ist eine Ehre und macht mich stolz.»

Hanspeter Krähenbühl, Käsereimeister, wiedergewählt als Gemeinderat (seit 2014), SVP, 426 Stimmen. (Bilder: PD)

Hanspeter Krähenbühl, Käsereimeister, wiedergewählt als Gemeinderat (seit 2014), SVP, 426 Stimmen. (Bilder: PD)

Dass zwei seiner ehemaligen Gemeinderatskollegen abgewählt wurden, sei hingegen deprimierend. Er versucht jetzt, den drei Neuen den Einstieg in die Sachpolitik so einfach wie möglich zu machen. «Zudem stehen noch einige Projekte an», sagt Krähenbühl und zählt die zwei Murgbrücken bei Mühli und Rehliweiher, das Parkierungsreglement oder die Einführung weiterer 30er-Zonen auf.

Deshalb lässt er durchblicken, dass er «sein Ressort» Tiefbau und Verkehr gerne behalten möchte. Dass es wegen des Rechtsrutsches im Gemeinderat zu Blockaden kommen könnte, glaubt Krähenbühl indes nicht.

Wegmüller: «Interessiert, wo Gelder hinfliessen»

Roger Wegmüller, Einkäufer Sägewerk, neugewählt als Gemeinderat, parteilos, 395 Stimmen

Roger Wegmüller, Einkäufer Sägewerk, neugewählt als Gemeinderat, parteilos, 395 Stimmen

Das beste Resultat aller drei neuen Kandidaten hat Roger Wegmüller gemacht. «Ich habe schon damit gerechnet, dass es einen zweiten Wahlgang gibt», sagt der 42-jährige Einkäufer eines Sägewerks, der nicht mit so vielen Stimmen für seine Person gerechnet hat. Bedauern äussert er, dass es mit der Abwahl von Renate Märki nun ein reines Männergremium gibt.

Jetzt blickt Wegmüller nach vorne und hat klare Ziele:

«Mich interessiert, in was Steuerfranken investiert werden, und ich will bei Projekten genau hinsehen.»

Trotz Parteilosigkeit würde er sich am ehesten bei einer Mittepartei sehen. Ein Wunschressort schwebt ihm keines vor. «Wir werden sicher eine Lösung finden», sagt er.

Lanz: «Politik muss transparent sein»

Walter Lanz, Leiter Polizeiposten, neugewählt als Gemeinderat, SVP, 359 Stimmen

Walter Lanz, Leiter Polizeiposten, neugewählt als Gemeinderat, SVP, 359 Stimmen

Der zweite SVP-Sitz geht an Walter Lanz. «Ich habe mir dieses Resultat erhofft und bin nicht sehr überrascht», sagt der 56-jährige Polizist. Den Rechtsrutsch erachtet er als unproblematisch, Blockaden sollte es in Matzingen mit Fokus auf Sachpolitik keine geben. Dass der Gemeinderat in Zukunft ein reines Männergremium ist, bedauert Lanz:

«Ich bin offen für Frauen, aber es gab ja keine valablen Kandidatinnen.»

Er gibt offen zu, dass er mit der bisherigen Politik unzufrieden ist. «Ich stehe für transparente und bürgernahe Politik, welche das Stimmvolk versteht.» Gerade die Entwicklungen in der Finanz- und Personalpolitik seien zuletzt nicht immer nur positiv gewesen. Bezüglich Ressortverteilung gibt er sich offen: «Vorrang haben sowieso die Amtstältesten.»

Schellenberg: «Miteinander statt gegeneinander»

Peter Schellenberg, Versicherungsgesellschafter, neugewählt als Gemeinderat, parteilos, 305 Stimmen.

Peter Schellenberg, Versicherungsgesellschafter, neugewählt als Gemeinderat, parteilos, 305 Stimmen.

Für Peter Schellenberg hat es dank dreier Stimmen knapp für einen Gemeinderatssitz gereicht. «Ich war überrascht, dass drei Neue die Wahl geschafft haben», sagt der 55-jährige Versicherungsangestellte. Gefeiert hat er im Kreis seiner Familie. Jetzt freut sich Schellenberg auf einen politischen Neustart und darauf, dass die Ressortverteilung überdacht wird.

Zwar gibt er sich flexibel, aber er favorisiert das Soziale von Christian Koch. Als Ziel gibt Schellenberg an, dass er die Wähler noch mehr in die Arbeit der Gemeinde einbeziehen und im Sinne von Synergien die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden stärken will. Obwohl er niemandem etwas vorwirft, sagt er: «Es braucht ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander.»

Zwei Abgewählte: «Das Volk hat entschieden»

Mit Kurt Fäh (SVP) und Renate Märki (CVP) haben zwei langjährige Gemeinderäte die Wiederwahl verpasst. Märki leitete seit ihrer Wahl 2011 den Hochbau, Fäh zeichnet seit 2006 für das Ressort Sicherheit und Gesundheit verantwortlich.

Kurt Fäh, Verkaufsleiter, abgewählt als Gemeinderat (seit 2006), SVP, 302 Stimmen.

Kurt Fäh, Verkaufsleiter, abgewählt als Gemeinderat (seit 2006), SVP, 302 Stimmen.

Viel knapper konnten die Wähler bei Kurt Fäh nicht über eine Abwahl befinden, fehlten dem 62-jährigen Verkaufsleiter doch nur drei Stimmen. «Ich habe das Resultat verdaut und blicke auf eine schöne Zeit im Gemeinderat zurück», sagt er. Er habe während der 13 Jahre viel gelernt und immer im Interesse der Gemeinde gehandelt.

«Das Volk hat gewählt und sich gegen Kontinuität entschieden.»

Groll hege er als «alter Chnuschti» aber keinen. Einzig sauer aufgestossen sei ihm im Wahlkampf, dass es im Hintergrund brodelte. So habe etwa ein gelber Flyer die Runde gemacht, auf welchem Fäh selbst nicht abgebildet war, dafür Kandidaten, die davon nicht einmal etwas wussten. Fäh moniert:

«Da ist nicht alles seriös abgelaufen.»

Zudem habe er die Aussagen des SVP-Parteikollegen Walter Lanz als stossend empfunden, als dieser sagte, er werde sich als Polizist um die Sicherheit im Dorf kümmern. Trotzdem akzeptiert Kurt Fäh seine Abwahl. Vielmehr: «Es ist eine Art Befreiung.» Er sei im Vorruhestand, habe noch einzelne Mandate und werde sich weiter im Gesundheitswesen engagieren.

Trotz zwei erfolgreicher Abstimmungen gescheitert

Renate Märki, Personalfachfrau, abgewählt als Gemeinderätin (seit 2011), CVP, 270 Stimmen.

Renate Märki, Personalfachfrau, abgewählt als Gemeinderätin (seit 2011), CVP, 270 Stimmen.

Enttäuscht zeigt sich Renate Märki, die mit 270 Stimmen am wenigsten Wähler für sich gewinnen konnte. «Es hat sich gezeigt, dass die Matzinger Stimmberechtigten in der Gemeinde frischen Wind wollen», sagt die 60-jährige Personalfachfrau, die im Alters- und Pflegezentrum Stadtgarten Frauenfeld arbeitet. Man kenne die anderen Kandidaten. Zudem habe die SVP-Ortspartei ihre drei Kandidaten stark unterstützt.

Märki bedauert einerseits, dass die CVP-Ortspartei im Gemeinderat nicht mehr vertreten ist. Andererseits sitzt neu seit längerer Zeit keine Frau darin. Sie sagt:

«Ich habe oft kritische Fragen gestellt, seit ich als Frau das Hochbauamt übernommen habe.»

Das Volk habe zwar entschieden. «Aber es hat auch vergessen, dass ich mit der Sanierung des Mehrzweckgebäudes und mit dem Neubau Werkhof Abstimmungen erfolgreich durchgebracht habe», sagt Märki. Nun freue sie sich, wieder etwas mehr Freizeit gewonnen zu haben. «So kann ich bald auch wieder etwas mehr in die Frauenriege.»

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