Mandala im Gartenuniversum: Frauenfelds urbane Gärtner haben jetzt einen Pavillon aus Fichtenholz als Regen- und Sonnenschutz

Regen- und Sonnenschutz: Im Gemeinschaftsgarten ist an zwei Wochenenden ein Holzpavillon entstanden.

Mathias Frei
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Zimmermann Falko Horn, Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Vereinspräsidentin Fiona Käppeli studieren die Pläne. Im Hintergrund der sich im Bau befindliche Pavillon.

Zimmermann Falko Horn, Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Vereinspräsidentin Fiona Käppeli studieren die Pläne. Im Hintergrund der sich im Bau befindliche Pavillon.

(Bild: Reto Martin)

Die Natur liess sich nicht aufhalten auf dem 4500 Quadratmeter grossen Areal am Kanalweg. Die urbanen Gärtner dagegen mussten sich dem Coronalockdown beugen. Das Regime lautete: maximal fünf Gärtnerinnen und Gärtner insgesamt im Gemeinschaftsgarten, maximal eine Person pro Pflanzschnitz. Auch der Bau eines Pavillons in der Mitte des Gartenareals (in Sonnenstrahlenanordnung) des Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif) musste verschoben werden. Die urbanen Gärtner wollten eigentlich zu Saisonbeginn im März das Projekt an die Hand nehmen. Aber eben, Corona.

Neu ein sechster Hochbeete-Standort

Der Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif) hat nebst dem Gemeinschaftsgarten noch zwei weitere Standbeine: das Saatgutzucht-Projekt Sagezu (Samengemeinschaftszucht) im Klösterligarten und das urbane Gärtnern mit Hochbeeten an verschiedenen Standorten in der Stadt. Bei zweiterem konnte diesen Sommer zu den bestehenden Standorten (Burstelpark, Schlossmühlestrasse, Murgplatz, Kappelerspielplatz und Lindenpark) am Lindenplatz ein sechster Standort in Betrieb genommen werden. Für den Unterhalt sind die Betreiber des Be-you-Cafés zuständig. Aus der Frauenfelder Bevölkerung sind zudem Vorschläge für Standorte im Oberkirch und in Huben eingegangen.

Das Saatgut-Projekt im Rahmen einer Studie des Bundesamts für Landwirtschaft ist im Frühling 2018 gestartet. Dieses Jahr konnte erstmals mit eigenen Andenbeeren-Samen gearbeitet werden. Für nächste Saison gibt’s das erste eigene Knackerbsen-Saatgut. Zudem wird eine Snackgurken-Sorte kultiviert. (ma)

www.facebook.com/ogifogif und www.offenesgaertnerninfrauenfeld.com

Luftbild: Plan des Holzpavillons.

Luftbild: Plan des Holzpavillons.

(Bild: PD)

Jetzt steht der Holzbau – nach zwei arbeitsamen Wochenenden. Am ersten Septemberwochenende fanden freitags Vorbereitungsarbeiten statt, Samstag und Sonntag wurde gewerkt. Vergangenen Samstag konnte das Projekt aus Fichtenholz einer Thurgauer Sägerei abgeschlossen werden. Pläne und Baueingabe hat Architektin Julia Riebel verantwortet, beim Bau war Zimmermann Falko Horb federführend. Lediglich die Fundationen hat eine Firma erstellt, in die Höhe wirkten pro Arbeitstag mindestens zehn Freiwillige, davon viele Handwerker. Ihr Lohn waren die Zmittage und Znachte von Ogif-Präsidentin Fiona Käppeli.

«Die Zutaten kamen grossteils aus unserem Garten.»
Der neue Pavillon im Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

Der neue Pavillon im Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

(Bild: Reto Martin)

Es wären weder Nägel noch Schrauben nötig gewesen

Der Bau ist in der Mandalatechnik erstellt worden. Das heisst: Das Holz wird ineinander verkantet, es wären weder Nägel noch Schrauben notwendig.

«Aus Sicherheitsgründen haben sich unsere Spezialisten aber entschieden, die tragenden Elemente zu verschrauben.»
Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

(Bild: Reto Martin)

Das sagt Käppeli. Der Pavillon könne nötigenfalls wieder zerlegt und anderswo aufgebaut werden. Wände gibt es keine, später könnten Sonnensegel ein Thema werden. Das Dach schliesst nicht rundherum. Einen Teil des Sonnen- und Regenschutzes soll eine dichte Kiwi-Pergola sicherstellen. «Ein Witterungsschutz gehörte schon vergangenes Jahr zum Start der ersten Saison im grossen Gemeinschaftsgarten zum Plan», sagt Käppeli. Später habe man sich gegen ein Pagodenzelt aus Plastik entschieden und «für etwas, das in den Garten passt». Die Finanzierung des Baus hat die Zürcher Paul-Schiller-Stiftung vollumfänglich übernommen.

Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

(Bild: Reto Martin)

Derweil kehrt im Gemeinschaftsgarten schon bald wieder Ruhe ein. Im Oktober findet für die Aktiven noch ein letzter Gartentag statt. Es wurde mit zwei weiteren Beeten und damit neu 3800 Quadratmetern Pflanzfläche gestartet. Die eine Neufläche ist mit Blumen belegt, die andere als Gemeinschaftsbeet mit Kürbissen. Vor dem Lockdown konnte ein Gartentag stattfinden. Danach habe Gartenkoordinatorin Katharina Portmann die anfallenden Arbeiten optimal auf die mittlerweile 60 Aktiven verteilt. Mit Kind und Kegel würden sich teilweise bis zu hundert Personen im Garten aufhalten, sagt Käppeli.

«Nun haben wir einen Aufnahmestopp für Aktive beschlossen.»

Nur wenn Personen austreten, können neue Gärtner mitwirken. Denn der Gemeinschaftsgedanke sei wichtig, aber bei mehr als 60 Aktiven fürchte man, dass sich die Leute untereinander teils gar nicht kennen würden. Daran seien auch die pandemiebedingt ausgefallenen Gartentage schuld.

Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

Der Frauenfelder Gemeinschaftsgarten.

(Bild: Reto Martin)

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