Glosse

Manchmal haben die Münchwiler eben doch recht, manchmal aber auch nicht

Südsicht auf gute und schlechte Volksentscheide.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen
Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

Das Volch hat immer recht, glauben gewisse politische Kreise. Damit liegen sie genau so falsch wie halt eben manchmal auch das Volch.

In Münchwilen beispielsweise haben sie vor drei Jahren ein wirklich gutes Projekt für die Umgestaltung ihrer zu Stosszeiten ziemlich nervigen Hauptstrasse an der Urne gekübelt. Einfach, weil sie ihren Gemeindepräsidenten doof fanden. Und weil sie lieber in einer 50er- als in einer 30er-Zone im Stau stehen.

Tempo 30 soll jetzt trotzdem kommen. Weil sie in Münchwilen eine neue Gemeindepräsidentin haben, die sie noch nicht doof finden. Und weil die Ortsdurchfahrt halt eben wirklich gefährlich ist. Das ist jetzt keine Erkenntnis, die man nicht auch schon vor drei Jahren gehabt hätte. Oder hätte haben können, wenn man gewollt hätte.

Jedenfalls soll es jetzt besser werden auf der Wilerstrasse. Zur Beruhigung der Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Autofahrer gibt es auch keine Tempo-30-Zone, sondern nur eine Temporeduktion auf 30 Stundenkilometer. Oder so.

Der Fairness halber erwähnen wir natürlich auch gerne, dass sie in Münchwilen manchmal auch recht haben mit dem Kübeln von Vorlagen. Vergangenes Jahr liessen sie die Holzmannshauser Schüler weiterhin nach Eschlikon zur Schule gehen, obwohl das ein paar Franken kostet.

Diese Watschn für den Münchwiler Schulpräsidenten hat bis nach Sirnach rübergehallt. Dort dürfen nun Schüler aus Busswil und Littenheid für weitere zwölf Jahre nach Wilen in die Sek, wie der Sirnacher Schulpräsident jüngst verkündete. Das musste er auch. Weil er sonst wohl aus der Das-Volch-hat-immer-recht-Partei geflogen wäre.