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Lara Stoll über ihren ersten grossen Streifen: «Man kann das auch gruusig finden»

Bitte den Kinosaal nur nüchtern betreten. Denn hier wird masturbiert, Blut geleckt und minipic gegessen. Die Thurgauerin Lara Stoll ist Slam-Poetin, Musikerin – und Filmemacherin. Ihr erster Langspielfilm zusammen mit Cyrill Oberholzer feiert am Sonntagabend im «RiffRaff» in Zürich Premiere.
Mathias Frei
In der Badewanne. (Bild: Screenshot)

In der Badewanne. (Bild: Screenshot)

Frau Stoll, Sie weilen derzeit in New York. Dabei müssten Sie doch in Hollywood sein.

Nein, Hollywood muss es nun wirklich nicht sein, ich bin ganz glücklich in Zürich. Obwohl New York seinen Reiz hat, ich durfte hier einen kleinen Feature-Auftritt hinlegen mit der Band meines Freundes (Anm. der Redaktion: Kalabrese und das Rumpelorchester). Der Plan war aber auch, endlich mal ein bisschen Ferien zu machen.

Zur Premiere Ihres ersten Langspielfilms «Das Höllentor von Zürich» am Sonntag sind Sie aber wieder zurück?

Das wäre der Plan, ja. Ich hoffe, mit dem Flug klappt alles, mein Magen wird grad schon wieder etwas unruhig.

Der Abfluss, die Haare, hinten die Hand. (Bild: Screenshot)

Der Abfluss, die Haare, hinten die Hand. (Bild: Screenshot)

Ihr Film ist zwar bildgewaltig und völlig abgefahren, aber schon auch ein wenig gruusig.

Ich würde eher sagen, er ist etwas saftig. Aber man kann das natürlich gruusig finden. Ich habe den Film schon einige Male gesehen, da stumpft man ein bisschen ab.

Was schockiert Sie am meisten, wenn Sie sich auf der Leinwand sehen?

Mein Körper erstaunt mich irgendwie – in seiner ganzen ungeschminkten Beschaffenheit und was da alles rauskommt. Wobei ich unromantischerweise sagen muss, dass da auch ein paar Special-Effects sind. Ich verspüre aber trotzdem eine – glücklicherweise – gesunde Distanz zu dieser Frau. Der Regisseur Cyrill Oberholzer hat sich quasi in mich reingeschrieben.

In der blutverschmierten Badewanne. (Bild: Screenshot)

In der blutverschmierten Badewanne. (Bild: Screenshot)

Sie trinken Appenzeller-Red-Bull, essen minipics, masturbieren, trinken Ihren Urin, rauchen halluzinogenes Zeugs und lecken sich Ihr Blut ab. Was davon ist echt?

Zum Glück nur die minipics. Und ein Teil des Blutes.

Aber was wird Ihre Mutter vom Film halten?

Wir sind noch nicht sicher, ob sie den Film sehen soll. Wir haben beide etwas Schiss. Ich weiss, dass der Film gut ist, und stehe voll dazu, aber ich muss auch akzeptieren, dass meine Familie das womöglich anders sieht. Nichtsdestotrotz darf ich meine künstlerische Entwicklung nicht vom Gusto meiner Eltern abhängig machen.

Vor dem inneren und auf dem äusseren Auge. (Bild: Screenshot)

Vor dem inneren und auf dem äusseren Auge. (Bild: Screenshot)

Um was geht’s eigentlich in Ihrem Film?

Es handelt sich um ein Remake von Danny Boyles Film «127 Hours», der auf einer wahren Begebenheit basiert. Der Bergsteiger Aron Ralston verunfallt im Gebirge, klemmt sich den Arm ein und muss ihn mit einem Messer amputieren, um freizukommen. Wir haben das Ganze einfach in unsere Generation – natürlich überzeichnet – übersetzt. Der fiktive Charakter Lara Stoll prokrastiniert sich um Kopf und Kragen und bleibt nach einem Bad beim Versuch, Haare in den Abfluss zu stopfen, mit dem Finger stecken. Die Zuschauer stecken mit ihr fest, müssen zusehen, wie die Befreiungsversuche scheitern und Stoll langsam dem Wahnsinn verfällt. Ein Action-Kammerspiel, das sich am Ende sogar als Liebesfilm entpuppt.

Ihr Film hat aber weniger gekostet als «127 Hours»?

Das würde ich schon sagen. Wir wollten einfach einen Film machen und haben uns gefragt: Was können wir uns leisten? Meine Badewanne konnten wir uns leisten. Dank Crowdfunding, privaten Sponsoren und der Migros konnte der Film für 40000 Franken umgesetzt werden.

Hochzeit von Finger und Abfluss. (Bild: Screenshot)

Hochzeit von Finger und Abfluss. (Bild: Screenshot)

Wohnen Sie eigentlich immer noch in der Wohnung, in der Sie gedreht haben?

Ja. Sie sieht jetzt natürlich wesentlich aufgeräumter aus. Es ist erstaunlich, was in dieser Wohnung schon alles produziert wurde. Für die zweite Staffel «Bild mit Ton» haben wir dort über Monate an 300 Serienminuten gearbeitet, mein Balkon wurde zur Mülldeponie umfunktioniert. Einerseits ein tolles Setting, um zu moderieren, andererseits pragmatisch, den Müll einfach auf den Balkon zu werfen. Wir arbeiten mit dem, was wir gerade haben, das ist meist nicht viel.

Wo erden Sie sich nach «Das Höllentor von Zürich»? Wohl im schönen Thurgau, in Rheinklingen, in Ihrer Heimat?

Tatsächlich werde ich mit meinem Freund ein paar Tage nach Rheinklingen gehen, um auszuspannen. Der Plan ist, am Mittwoch nach Schaffhausen in die Rhybadi zu gehen, wo der Film gratis im Open-Air-Kino läuft.

Könnte es Ihnen auch in Rheinklingen passieren, dass Sie den Finger nicht mehr aus dem Abfluss kriegen?

Ich glaube nicht. Meine Super-Mutter würde sofort checken, dass etwas nicht stimmt, wenn ich mir Appenzeller-Red-Bull mische und damit im Badezimmer verschwinde.

Alle Vorführungen von «Das Höllentor von Zürich» auf www.larastoll.ch

Leerer, inhaltsloser Blick. (Bild: Screenshot)

Leerer, inhaltsloser Blick. (Bild: Screenshot)

Im thurgauischen Rheinklingen aufgewachsen

Lara Stoll (*1987) ist in Rheinklingen aufgewachsen, heute lebt sie in Zürich. Sie steht seit über einem Jahrzehnt auf Kleinkunstbühnen im deutschsprachigen Raum und ist die erfolgreichste Slam-Poetin der Schweiz. Unter anderem wurde sie 2010 Slam-Europameisterin und war 2011 Trägerin des Thurgauer Kulturpreises. An der Zürcher Hochschule der Künste schloss sie ein Filmstudium ab. Seit 2013 produziert sie mit dem Kollektiv «Bild mit Ton» Filme. 2015 gründet sie die Punkband «Pfffff». (ma)

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